MSC prüft offenbar Einstieg bei der Meyer Werft

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Schweizer Reedereigruppe MSC könnte bei der Meyer Werft in Papenburg einsteigen. Nach Informationen von NDR und Handelsblatt laufen Gespräche über eine mögliche Beteiligung. Dabei geht es demnach auch um die Anteile, die seit Ende 2024 vom Bund und vom Land Niedersachsen gehalten werden. Eine Vereinbarung über einen Verkauf war bis Mittwoch, 23. September 2026, jedoch nicht offiziell bestätigt. Auch eine konkrete Beteiligungshöhe steht damit bislang nicht fest.

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Bund und Niedersachsen besitzen mehr als 80 Prozent

Die Eigentümerstruktur der Meyer Werft ist eine Folge der staatlichen Stabilisierung Ende 2024. Bund und Niedersachsen halten gemeinsam 80,73 Prozent der Anteile. Jeweils rund 40 Prozent entfallen mittelbar auf den Bund und das Land. Die übrigen Anteile liegen bei der Familie Meyer beziehungsweise einer von ihr gehaltenen Gesellschaft.

Für den Einstieg stellten Bund und Land zusammen 400 Millionen Euro Eigenkapital bereit. Zusätzlich sicherten sie einen Kreditrahmen von insgesamt 2,6 Milliarden Euro zu 80 Prozent ab. Die Beteiligung war von Beginn an als vorübergehend angelegt. Ziel war es, die Werft zu stabilisieren und später wieder in private Hände zu überführen.

Genau an diesem Punkt könnte ein MSC-Einstieg bei Meyer Werft ansetzen. Nach den bisherigen Berichten wird auch eine Übernahme der staatlich gehaltenen Mehrheit diskutiert. Offiziell bestätigt ist eine solche Größenordnung bislang nicht.

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Familie Meyer besitzt ein Rückkaufsrecht

Ein möglicher Verkauf an MSC lässt sich nicht allein zwischen Reederei, Bund und Niedersachsen entscheiden. Im Zuge der Rettung wurde der Familie Meyer ein Rückkaufsrecht eingeräumt. Die genauen Bedingungen dieser Vereinbarung sind nicht vollständig öffentlich bekannt.

Niedersachsen hatte bereits bei der staatlichen Beteiligung erklärt, dass auch ein anderer privater Erwerber Vorgaben zur Standortsicherung, Beschäftigung, Mitbestimmung und zum Erhalt technischer Fähigkeiten erfüllen müsse. Welche konkreten Bedingungen bei einem möglichen Verkauf an MSC gelten würden, war zunächst nicht bekannt.

Hinzu kommt die bestehende Finanzierung der Werft. Bund und Land garantieren einen großen Teil des milliardenschweren Kreditrahmens. Ob diese Garantien bei einem Eigentümerwechsel unverändert fortgeführt, angepasst oder teilweise neu vereinbart werden müssten, ist bislang offen.

MSC und Meyer Werft verhandeln bereits über neue Schiffe

Die Verbindung zwischen MSC Cruises und der Meyer Werft reicht deutlich weiter als die aktuellen Beteiligungsberichte. Im Dezember 2025 unterzeichneten beide Seiten einen Letter of Intent über vier neue Kreuzfahrtschiffe und zwei weitere Optionen. Das Bundeswirtschaftsministerium bezifferte das mögliche Gesamtvolumen damals auf bis zu zehn Milliarden Euro. Die neuen Schiffe sollen zu einer Klasse mit dem Namen „New Frontier“ gehören.

Am 24. Juni 2026 erklärten MSC Cruises und die Meyer Werft gemeinsam, die Planungen und Vertragsverhandlungen seien weit fortgeschritten. Vorgesehen sind zunächst vier Schiffe mit einer maximalen Kapazität von jeweils 5.400 Passagieren sowie zwei Optionen. Die Ablieferungen sollen ab 2030 jährlich beginnen. Einen endgültigen Abschluss der entsprechenden Bauverträge teilten die Unternehmen in dieser Erklärung noch nicht mit.

Damit wäre MSC nicht nur ein möglicher Investor, sondern zugleich einer der bedeutendsten künftigen Auftraggeber der Werft.

Eigentümerwechsel könnte weitere Prüfungen auslösen

Ein Verkauf der staatlichen Beteiligung wäre ein komplexer Vorgang. Bereits der Einstieg von Bund und Niedersachsen Ende 2024 wurde erst nach einer kartellrechtlichen Freigabe durch die EU-Kommission vollzogen. Ob bei einem Einstieg von MSC erneut eine fusionskontrollrechtliche Prüfung erforderlich wäre, hängt von der konkreten Ausgestaltung einer Transaktion ab. Dazu waren bis Mittwoch keine Einzelheiten bekannt.

Auch wirtschaftlich stellt sich eine wichtige Frage. Die Meyer Werft baut Kreuzfahrtschiffe für unterschiedliche internationale Reedereien. Ein Einstieg eines großen Kreuzfahrtkonzerns könnte deshalb für andere Kunden relevant sein. Der NDR verweist in diesem Zusammenhang etwa auf die Frage, wie langjährige Auftraggeber wie Disney Cruise Line auf einen MSC-Einstieg reagieren würden. Konkrete Hinweise auf ausbleibende Aufträge gibt es bislang nicht.

Meyer Werft befindet sich weiter in der Sanierung

Die möglichen Gespräche fallen in eine Phase, in der die wirtschaftliche Sanierung der Meyer Werft noch nicht abgeschlossen ist. Für 2025 meldete das Unternehmen einen Konzernumsatz von 2,83 Milliarden Euro nach 1,37 Milliarden Euro im Vorjahr. Der Verlust nach Steuern lag bei 383,8 Millionen Euro. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen verbesserte sich von minus 527,6 Millionen auf minus 251,8 Millionen Euro.

Nach Angaben des Unternehmens ist die Finanzierung für den vereinbarten Sanierungszeitraum bis Ende 2028 durch zugesagte Eigen- und Fremdkapitalmittel gedeckt. Die staatliche Beteiligung war ausdrücklich nicht als dauerhafte Eigentümerlösung konzipiert. Ein privater Investor würde deshalb grundsätzlich zu dem ursprünglichen Ziel von Bund und Niedersachsen passen. Ob MSC diese Rolle tatsächlich übernimmt und unter welchen Bedingungen, war am Mittwoch noch nicht entschieden.

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