
Der Fenster- und Türenhersteller Höhbauer aus Luhe-Wildenau in der Oberpfalz hat einen Insolvenzantrag gestellt. Rund 325 Beschäftigte sind von dem Verfahren betroffen. Der Geschäftsbetrieb soll zunächst uneingeschränkt weiterlaufen. Das Amtsgericht Weiden in der Oberpfalz hat eine vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet und Rechtsanwalt Volker Böhm von der Kanzlei Schultze & Braun zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Die Höhbauer Insolvenz trifft damit einen traditionsreichen Hersteller von Fenstern, Türen und weiteren Bauelementen.
Der Insolvenzantrag bedeutet zunächst nicht das Ende des Unternehmens. Produktion und Geschäftsbetrieb werden nach Angaben der vorläufigen Insolvenzverwaltung fortgeführt. Böhm und sein Team wollen in den kommenden Wochen die wirtschaftliche Situation des Unternehmens untersuchen und mögliche Sanierungswege prüfen.
Für die rund 325 Beschäftigten besteht zunächst finanzielle Absicherung. Löhne und Gehälter werden bis einschließlich November über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit finanziert. Konkrete Stellenstreichungen oder eine Schließung des Standorts wurden bislang nicht angekündigt. Auch über mögliche Investoren oder andere Sanierungsmaßnahmen gab es zunächst keine konkreten Angaben.
Das zuständige Insolvenzgericht ordnete die vorläufige Insolvenzverwaltung am 22. September 2026 an. Das eigentliche Insolvenzverfahren ist damit noch nicht eröffnet. Im vorläufigen Verfahren werden unter anderem die Vermögenslage, die wirtschaftlichen Perspektiven und die Voraussetzungen für eine mögliche Fortführung geprüft.
Höhbauer fertigt und vertreibt Fenster und Türsysteme aus Holz, Aluminium und Kunststoff sowie Wintergärten. Nach Angaben der vorläufigen Insolvenzverwaltung geriet das Unternehmen durch mehrere wirtschaftliche Entwicklungen unter Druck. Genannt werden gestiegene Preise für Energie, Materialien und Personal sowie höhere Finanzierungskosten.
Hinzu kam eine schwächere Nachfrage nach Neubau- und Sanierungsprojekten. Die daraus entstandenen Umsatzrückgänge führten nach Unternehmensangaben schließlich dazu, dass die langfristige Finanzierung nicht mehr gesichert war. Daraufhin stellte die Geschäftsführung den Insolvenzantrag.
Bereits in einem früheren Lagebericht hatte das Unternehmen auf schwierige Rahmenbedingungen und einen deutlichen Ergebnisrückgang hingewiesen. Für das nachfolgende Geschäftsjahr war mit einem negativen Ergebnis gerechnet worden. Wie hoch die aktuellen Verbindlichkeiten sind und welche Finanzierungslücke letztlich zum Insolvenzantrag führte, wurde bislang nicht öffentlich beziffert.
Höhbauer gehört zu den traditionsreichen Industrieunternehmen in der nördlichen Oberpfalz. Die Wurzeln des Familienunternehmens reichen bis ins Jahr 1950 zurück. Aus der damaligen Zimmerei entwickelte sich über Jahrzehnte ein Hersteller von Fenstern, Haustüren, Wintergärten und weiteren Bauelementen.
Erst 2025 hatte das Unternehmen sein 75-jähriges Bestehen gefeiert. Der Sitz befindet sich in Luhe-Wildenau im Landkreis Neustadt an der Waldnaab. Für die Region zählt Höhbauer mit mehreren hundert Beschäftigten zu den größeren industriellen Arbeitgebern.
Die Insolvenz fällt in eine Phase, in der sich Teile des deutschen Wohnungsbaus zwar wieder etwas stabilisieren, die Folgen der vergangenen Baukrise aber weiterhin zu spüren sind. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes wurden von Januar bis Juli 2026 bundesweit 148.800 Wohnungen genehmigt. Das waren 12,9 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das Ausgangsniveau der vergangenen Jahre war allerdings vergleichsweise niedrig.
Auch die Fensterbranche hatte zuletzt wieder mit vorsichtigem Wachstum gerechnet. Der Verband Fenster + Fassade prognostizierte für 2026 einen steigenden Fensterabsatz. Gleichzeitig blieb insbesondere das Sanierungsgeschäft hinter früheren Erwartungen zurück. Höhere Baukosten, Finanzierungskosten und eine über längere Zeit schwache Neubautätigkeit haben viele Unternehmen der Bauzulieferindustrie belastet.
Die Entwicklung bei Höhbauer zeigt damit, dass eine allmähliche Verbesserung einzelner Branchenindikatoren nicht automatisch die wirtschaftlichen Belastungen einzelner Unternehmen beseitigt. Entscheidend für Höhbauer wird nun sein, ob der laufende Betrieb stabilisiert und eine dauerhaft tragfähige Finanzierung gefunden werden kann.
Der vorläufige Insolvenzverwalter sieht nach eigener Einschätzung grundsätzlich Voraussetzungen für eine Sanierung. Als positive Faktoren nennt er die lange Unternehmensgeschichte, die qualifizierte Belegschaft und die Stellung des Herstellers im Markt. Eine Garantie für eine erfolgreiche Fortführung ist damit jedoch nicht verbunden.
In den nächsten Wochen sollen die wirtschaftlichen Daten ausgewertet und mögliche Lösungen entwickelt werden. Dazu können in Insolvenzverfahren beispielsweise eine Fortführung mit bestehenden Strukturen, eine Restrukturierung oder die Suche nach einem Investor gehören. Welche Variante bei Höhbauer verfolgt wird, steht derzeit noch nicht fest.
Für Kunden und Beschäftigte bleibt zunächst entscheidend, dass der Betrieb weitergeführt wird. Über den weiteren Verlauf des Verfahrens und mögliche Veränderungen an Standorten, Beschäftigung oder Eigentümerstruktur lagen zunächst keine gesicherten Angaben vor.
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