
Im möglichen Übernahmepoker um Evonik zeichnet sich eine erste Preisgrenze ab. Der Spezialchemiekonzern soll ein Übernahmeangebot von BASF über rund 10,3 Milliarden Euro zurückgewiesen haben. Zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten Reuters am Montag, 28. September 2026, Evonik habe die Offerte als zu niedrig bewertet. BASF soll rund 22,15 Euro je Evonik-Aktie angeboten haben. Die Evonik-Aktie legte daraufhin weiter zu, während die BASF-Aktie nach ihren deutlichen Verlusten vom Freitag am Montag nur wenig Bewegung zeigte.
Offiziell bestätigt ist die konkrete Angebotshöhe bislang nicht. BASF bestätigte bereits am Freitag Sondierungen mit Evonik und der RAG-Stiftung über eine mögliche Übernahme. Fortgang und Ausgang seien offen, erklärte der Ludwigshafener Chemiekonzern. Evonik hatte seinerseits bestätigt, eine unverbindliche Ansprache von BASF erhalten zu haben, die auf ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für sämtliche Evonik-Aktien gerichtet sei.
Nach den Angaben der mit den Gesprächen vertrauten Personen lag das von BASF genannte Niveau bei etwa 22,15 Euro je Aktie. Daraus ergibt sich ein Gesamtwert von ungefähr 10,3 Milliarden Euro für das Eigenkapital von Evonik. Evonik habe die Bewertung jedoch als nicht ausreichend angesehen. BASF wollte die Höhe einer möglichen Offerte am Montag nicht bestätigen. Auch Evonik äußerte sich nicht zu dem Bericht.
Damit blieb zunächst offen, ob BASF sein Interesse mit einem höheren Preis weiterverfolgen wird. Ein verbindliches öffentliches Übernahmeangebot wurde bis Montagabend nicht angekündigt.
Der kolportierte Preis von 22,15 Euro liegt deutlich über dem Kurs, zu dem Evonik unmittelbar vor Bekanntwerden des BASF-Interesses gehandelt worden war. Am Donnerstag hatte die Aktie laut Reuters noch bei 18,07 Euro geschlossen. Der genannte Angebotspreis entspräche damit einem Aufschlag von gut 22 Prozent.
An der Börse hatte bereits die Bestätigung des BASF-Interesses am Freitag erhebliche Kursbewegungen ausgelöst. Evonik schloss den Handelstag laut Reuters rund 7,2 Prozent höher. BASF verlor dagegen 3,6 Prozent. Anleger bewerteten damit vor allem die möglichen Folgen einer großen Übernahme unterschiedlich.
Am Montag setzte die Evonik-Aktie ihre Aufwärtsbewegung zeitweise fort. Gegen 16.50 Uhr deutscher Zeit notierte sie laut Reuters bei rund 19,80 Euro und damit etwa 1,6 Prozent höher als zuvor. Der Kurs blieb damit allerdings unter den kolportierten 22,15 Euro je Aktie, die BASF angeboten haben soll. Die BASF-Aktie zeigte sich am Montag dagegen weitgehend unverändert.
Damit summierte sich der Kursanstieg bei Evonik seit dem Stand vor Bekanntwerden des Übernahmeinteresses auf mehr als neun Prozent. Bei BASF wirkte dagegen vor allem der Kursverlust vom Freitag nach.
BASF selbst hatte am 25. September lediglich bestätigt, mit der RAG-Stiftung und Evonik über eine mögliche Übernahme zu sondieren. Das Unternehmen erklärte, Akquisitionen würden grundsätzlich darauf geprüft, ob sie das Kerngeschäft stärkten, profitables Wachstum ermöglichten und Wert schaffen könnten. Der Konzern betonte zugleich, bei möglichen Zukäufen diszipliniert vorzugehen.
Am Montag erklärte BASF nach Angaben von Reuters zudem, eine mögliche Bewertung hänge von Synergien ab, die sich erst unter Beteiligung von Evonik überprüfen ließen. Einen konkreten Preis nannte das Unternehmen nicht.
Eine abgeschlossene Vereinbarung zwischen beiden Unternehmen gibt es damit weiterhin nicht. Auch formelle Übernahmebedingungen oder ein Zeitplan für ein mögliches öffentliches Angebot wurden bislang nicht veröffentlicht.
Eine wichtige Position nimmt die RAG-Stiftung ein. Sie hält nach Reuters-Angaben rund 43 Prozent der Evonik-Aktien und ist damit der mit Abstand größte Anteilseigner. Die Stiftung hatte am Freitag ebenfalls bestätigt, von BASF wegen einer möglichen Übernahme angesprochen worden zu sein.
Schon wegen dieses großen Aktienpakets wäre ihre Haltung für eine mögliche Transaktion von erheblicher Bedeutung. Zu dem am Montag genannten Preis und der gemeldeten Zurückweisung äußerte sich die Stiftung zunächst nicht.
Evonik war am Freitag an der Börse mit rund 9,2 Milliarden Euro bewertet worden. Die Marktkapitalisierung von BASF lag zu diesem Zeitpunkt bei rund 45,8 Milliarden Euro.
Ein möglicher Zusammenschluss würde zwei große deutsche Chemiekonzerne zusammenführen. BASF erzielte 2025 einen Konzernumsatz von rund 59,7 Milliarden Euro. Evonik kam im selben Jahr auf 14,1 Milliarden Euro Umsatz und ein bereinigtes EBITDA von 1,9 Milliarden Euro.
Beide Unternehmen sind stark im internationalen Chemiegeschäft vertreten, unterscheiden sich aber bei der Ausrichtung ihrer Portfolios. Evonik konzentriert sich insbesondere auf Spezialchemikalien wie Hochleistungskunststoffe, Futtermittelzusätze sowie Inhaltsstoffe für Beschichtungen und Konsumprodukte. BASF verfügt über ein deutlich breiteres Angebot, das unter anderem Basischemikalien, Kunststoffe, Industrielösungen, Ernährung und Pflege umfasst.
Die Gespräche fallen zugleich in eine Phase tiefgreifender Veränderungen in der europäischen Chemieindustrie. Hohe Kosten, schwache Nachfrage und zunehmender Wettbewerb aus Asien belasten zahlreiche Hersteller. Evonik hatte erst wenige Tage vor Bekanntwerden des BASF-Interesses eine weitere Phase seiner Restrukturierung angekündigt. Bis 2029 sollen weltweit rund 3.200 Stellen wegfallen, davon etwa 2.150 in Deutschland. Gleichzeitig will der Konzern Investitionen stärker auf Wachstumsfelder und internationale Märkte konzentrieren.
Ob aus der BASF-Ansprache tatsächlich ein öffentliches Übernahmeangebot entsteht, war am Montagabend nicht geklärt. Offiziell bestätigt war weiterhin nur, dass BASF eine mögliche Übernahme sondiert. Die genannten 10,3 Milliarden Euro und die Zurückweisung dieses Preises blieben Angaben aus dem Umfeld der Gespräche.






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