
Die Westfalen-Gruppe aus Münster richtet ihre Strategie für den Schwerlastverkehr neu aus. Statt beim Ausbau der Infrastruktur vorrangig auf Wasserstoff zu setzen, sollen künftig batterieelektrische Lkw und entsprechende Ladeparks im Mittelpunkt stehen. Das erklärte Vorstandsvorsitzender Thomas Perkmann beim Handelsblatt Wasserstoff-Gipfel in Berlin. Für Westfalen E-Lkw Münster ist dabei vor allem die wirtschaftliche Entwicklung ausschlaggebend: Batterieelektrische Lastwagen hätten sich schneller entwickelt als erwartet, während der Hochlauf von Wasserstoff im Straßengüterverkehr hinter früheren Erwartungen zurückgeblieben sei.
Westfalen war nach Angaben des Unternehmens zunächst von einer deutlich stärkeren Marktentwicklung für Wasserstoff im Schwerlastverkehr ausgegangen. Inzwischen bewertet die Gruppe die Lage anders. Batterieelektrische Antriebe hätten technisch schneller Fortschritte gemacht und könnten nach Einschätzung des Unternehmens inzwischen in einem breiten Spektrum des Lkw-Verkehrs eingesetzt werden.
Entscheidend sei dabei auch der Preis. Gerade Speditionen und andere Unternehmen im Schwerlastverkehr müssten stark auf ihre Betriebskosten achten. Westfalen sieht E-Lkw statt Wasserstoff deshalb derzeit in vielen Einsatzbereichen im wirtschaftlichen Vorteil. Nach Unternehmensangaben könne der batterieelektrische Antrieb teilweise auch gegenüber Diesel finanziell attraktiver sein.
Aus der neuen Einschätzung sollen konkrete Investitionsentscheidungen folgen. Der weitere Ausbau der Infrastruktur für den Schwerlastverkehr soll sich bei Westfalen vor allem auf E-Ladeparks konzentrieren. Das Unternehmen geht davon aus, dass sich batterieelektrische Lastwagen in weiten Teilen des Marktes durchsetzen können.
Eine Herausforderung bleibt die Stromversorgung. Leistungsfähige Ladeparks für schwere Nutzfahrzeuge benötigen entsprechend starke Netzanschlüsse, die nicht an jedem Standort ohne Weiteres verfügbar sind. Trotz dieser Einschränkungen sieht Westfalen im batterieelektrischen Antrieb inzwischen die zentrale Technologie für große Teile des Straßengüterverkehrs. Beim Wasserstoff-Gipfel am 29. September in Berlin diskutierte Perkmann ausdrücklich die Frage, wo Wasserstoff im Verkehr künftig noch sinnvoll eingesetzt werden kann.
Vollständig verabschiedet sich das Münsteraner Unternehmen nicht vom Wasserstoff. Westfalen ist nach eigenen Angaben seit mehr als 40 Jahren in diesem Geschäft aktiv und beliefert unter anderem Industriekunden. Die veränderte Strategie betrifft vor allem den Einsatz von Wasserstoff bei Lkw und damit die Infrastruktur für den Straßengüterverkehr.
Für einzelne Anwendungen hält Westfalen Brennstoffzellen oder andere wasserstoffbasierte Lösungen weiterhin für möglich. Dazu zählt das Unternehmen etwa Schwer- und Großraumtransporte sowie Einsatzorte, an denen kein ausreichend leistungsfähiger Stromanschluss für batterieelektrische Fahrzeuge hergestellt werden kann. Wasserstoff werde damit nicht grundsätzlich aufgegeben, im normalen Schwerlastverkehr verschiebe sich der Schwerpunkt jedoch deutlich zur Batterie.






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