Hochtief bleibt in Sellafield langfristig im Geschäft

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der deutsche Baukonzern Hochtief soll seine Arbeit auf dem britischen Nuklearstandort Sellafield deutlich ausweiten. Der Betreiber Sellafield Ltd hat Hochtief Infrastructure UK als vorgesehenen Partner für einen neuen langfristigen Rahmenvertrag ausgewählt. Das für Hochtief bestimmte Los hat einen geschätzten Wert von bis zu 1,5 Milliarden Pfund, umgerechnet rund 1,75 Milliarden Euro. Die formale Vergabe des Vertrags steht allerdings noch aus.

Hochtief soll im Rahmen des sogenannten Project and Asset Care Execution Programms, kurz PACE, Arbeiten an nuklearen Anlagen für Spezialmaterialien, an Infrastruktur sowie im Bereich Rückbau und Sanierung übernehmen. Der gesamte PACE Rahmen umfasst zwei Lose und kann ein Volumen von bis zu 3,6 Milliarden Pfund erreichen. Die Verträge sollen zunächst neun Jahre laufen. Eine Verlängerung um weitere sechs Jahre ist möglich.

Damit könnte Hochtief in Sellafield bis 2041 tätig sein. Ein bestimmtes Auftragsvolumen ist allerdings nicht garantiert. Bereits in den ursprünglichen Ausschreibungsunterlagen hatte Sellafield darauf hingewiesen, dass der tatsächliche Umfang der abgerufenen Leistungen von der langfristigen Entwicklung des Standorts abhängt.

Hochtief übernimmt zweites Los des Milliardenprogramms

Das PACE Programm ist in zwei Bereiche aufgeteilt. Für das erste Los wurde das Gemeinschaftsunternehmen OneAxIoM aus Amentum Clean Energy und Mitie ausgewählt. Dieser Bereich betrifft unter anderem Anlagen zur Behandlung und Handhabung abgebrannter Brennelemente.

Hochtief Infrastructure UK ist für Los 2 vorgesehen. Dazu gehören Anlagen im Bereich Special Nuclear Materials sowie Arbeiten an nuklearer Infrastruktur, Rückbauprojekten und Sanierungsmaßnahmen. Der Begriff Special Nuclear Materials umfasst im Zusammenhang mit der Ausschreibung insbesondere Uran und Plutoniumverbindungen.

Zu den möglichen Aufgaben gehören Planung, Beschaffung, Installation und Inbetriebnahme neuer oder veränderter Anlagen. Auch Wartungsarbeiten, der Rückbau von Einrichtungen sowie Projektsteuerung können Bestandteil der einzelnen Abrufe sein. Das Spektrum reicht nach Angaben von Sellafield von kleineren Arbeiten an bestehenden Anlagen bis zu umfangreichen Projekten über den gesamten Lebenszyklus.

Vertrag kann bis zu 15 Jahre laufen

Der Rahmenvertrag soll zunächst für neun Jahre gelten. Sellafield kann ihn anschließend um weitere sechs Jahre verlängern. Damit ergibt sich eine maximale Laufzeit von 15 Jahren bis 2041.

Für beide Lose zusammen nennt Sellafield einen Höchstwert von 3,6 Milliarden Pfund. Frühere Ausschreibungsunterlagen bezifferten die erwartete Bandbreite für das gesamte Programm auf 1,9 bis 3,6 Milliarden Pfund. Als mittlerer Planungswert wurden 2,4 Milliarden Pfund genannt.

Auf das für Hochtief vorgesehene zweite Los entfallen nach den Ausschreibungsunterlagen bis zu 1,5 Milliarden Pfund. Hochtief selbst bezifferte diesen Wert auf umgerechnet rund 1,75 Milliarden Euro. Entscheidend ist dabei, dass es sich um einen Rahmenvertrag handelt. Der Höchstbetrag entspricht deshalb nicht automatisch dem späteren Umsatz des Konzerns.

Sellafield ist eines der größten Rückbauprojekte Europas

Sellafield liegt an der Westküste Englands in der Grafschaft Cumbria. Der Standort spielte jahrzehntelang eine zentrale Rolle in der britischen Nuklearindustrie. Heute liegt der Schwerpunkt zunehmend auf der sicheren Behandlung und Lagerung nuklearer Materialien sowie auf dem Rückbau historischer Anlagen.

Sellafield Ltd gehört zum britischen staatlichen Nuklearbereich unter dem Dach der Nuclear Decommissioning Authority. Auf dem Gelände befinden sich einige der ältesten Nuklearanlagen Großbritanniens. Entsprechend langfristig sind die Programme zur Sicherung, Modernisierung und schrittweisen Stilllegung ausgelegt.

Mit PACE will Sellafield die Wartung bestehender Anlagen und die Schaffung neuer technischer Kapazitäten stärker über langfristige Partnerschaften organisieren. Ein Teil der Bauteile und Anlagen soll künftig außerhalb des eigentlichen Nuklearstandorts gefertigt, geprüft und vorbereitet werden, bevor sie nach Sellafield gebracht und dort eingebaut werden.

Hochtief arbeitet bereits für Sellafield

Für Hochtief ist die Auswahl kein Einstieg in Sellafield. Der Konzern hatte bereits 2025 einen weiteren langfristigen Rahmenvertrag für den Standort erhalten. Damals wurde Hochtief gemeinsam mit Morgan Sindall Infrastructure und Costain für die sogenannte Infrastructure Delivery Partnership ausgewählt.

Der Hochtief Anteil dieses Programms wurde mit bis zu 595 Millionen Pfund beziehungsweise rund 685 Millionen Euro angegeben. Zu den Aufgaben gehören unter anderem Planung, Ingenieurleistungen und Bauarbeiten an Infrastruktur, die für den Betrieb und den Rückbau des Nuklearstandorts benötigt wird. Auch dieser Vertrag ist zunächst auf neun Jahre angelegt und kann um sechs weitere Jahre verlängert werden.

Mit der neuen Auswahl für PACE baut Hochtief seine Stellung auf dem britischen Nuklearmarkt damit weiter aus. Der Konzern zählt Energieinfrastruktur und Nukleartechnik zu den Bereichen, in denen er langfristig wachsen will. Erst mit der formalen Unterzeichnung des neuen Rahmenvertrags kann jedoch die eigentliche Mobilisierung für das PACE Programm beginnen.

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