Branicks schreibt 142 Millionen Euro Verlust vor wichtiger Abstimmung

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der Immobilienkonzern Branicks Group hat seinen Verlust im ersten Halbjahr 2026 erheblich ausgeweitet. Das Konzernergebnis belief sich auf minus 142,3 Millionen Euro, nachdem im gleichen Zeitraum des Vorjahres ein Verlust von 23,4 Millionen Euro angefallen war. Gleichzeitig steht die finanzielle Neuordnung des Unternehmens vor weiteren entscheidenden Abstimmungen. Die Halbjahreszahlen von Branicks wurden ohne prüferische Durchsicht vorgelegt.

Die Branicks Group befindet sich nach eigenen Angaben in einer finanziell äußerst angespannten Situation. Im Jahr 2026 werden beziehungsweise wurden in der Gruppe Finanzverbindlichkeiten von rund 580 Millionen Euro fällig. Dazu gehören vor allem eine Unternehmensanleihe mit ursprünglich 400 Millionen Euro Nennwert sowie Schuldscheindarlehen und Namensschuldverschreibungen von rund 180 Millionen Euro. Das Unternehmen hat deshalb mit wichtigen Gläubigergruppen ein umfassendes Sanierungs- und Refinanzierungskonzept vereinbart.

Abschreibungen belasten Branicks massiv

Der starke Ergebnisrückgang geht vor allem auf außerplanmäßige Abschreibungen auf Finanzanlagen von insgesamt 158,9 Millionen Euro zurück. Zusätzlich sanken die Nettomieteinnahmen aufgrund von Immobilienverkäufen auf 48,7 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor waren es noch 63,4 Millionen Euro gewesen. Entlastend wirkte der niedrigere Zinsaufwand, der von 42,0 Millionen Euro auf 25,6 Millionen Euro zurückging.

Auch das operative Ergebnis schwächte sich ab. Die Funds from Operations nach Minderheiten, eine wichtige Kennzahl für Immobilienunternehmen, gingen von 22,7 Millionen Euro auf 14,3 Millionen Euro zurück. Das EBITDA sank von 59,8 Millionen auf 43,0 Millionen Euro. Das EBIT rutschte von plus 9,6 Millionen Euro auf minus 144,2 Millionen Euro.

Die Finanzschulden einschließlich der nach IFRS 5 berücksichtigten Positionen lagen Ende Juni bei 1,771 Milliarden Euro. Ende 2025 waren es 1,823 Milliarden Euro gewesen. Gleichzeitig stieg der Loan-to-Value, der das Verhältnis der Finanzschulden zum Immobilienvermögen beschreibt, von 63,2 auf 64,7 Prozent. Das Eigenkapital sank von 868,0 Millionen Euro Ende 2025 auf 786,3 Millionen Euro zur Jahresmitte.

Immobilienbestand und Mieteinnahmen werden kleiner

Die Verkleinerung des Portfolios zeigt sich auch bei weiteren Kennzahlen. Die Zahl der betreuten Immobilien verringerte sich von 272 Ende 2025 auf 264 zum 30. Juni 2026. Die Assets under Management gingen von 10,5 auf 10,1 Milliarden Euro zurück.

Im eigenen Commercial Portfolio lagen die annualisierten Mieteinnahmen bei 115,3 Millionen Euro, nach 125,5 Millionen Euro Ende 2025. Zugleich erhöhte sich die EPRA-Leerstandsquote von 10,1 auf 13,7 Prozent. Die durchschnittliche Mietvertragslaufzeit stieg dagegen leicht von 4,3 auf 4,5 Jahre.

Die Branicks Group Halbjahreszahlen 2026 zeigen damit zwei unterschiedliche Entwicklungen. Einerseits erwirtschaftete das laufende Geschäft weiterhin einen positiven operativen Cashflow. Andererseits belasten hohe Abschreibungen, sinkende Mieterträge und die angespannte Finanzierungsstruktur das Ergebnis und die Bilanz erheblich.

Sanierungsplan hängt noch von Abstimmungen ab

Branicks hatte Ende Juli mit wesentlichen Anleihe-, Schuldschein- und Namensschuldverschreibungsgläubigern Vereinbarungen über die Neuordnung seiner Finanzierung geschlossen. Das Konzept sieht unter anderem vor, die bestehenden Finanzverbindlichkeiten in unterschiedlich besicherte und nachrangige Bestandteile aufzuteilen und die Laufzeiten deutlich zu verlängern.

Ein vorrangig besicherter Teil von rund 375 Millionen Euro soll nach dem Konzept bis Ende September 2030 laufen. Ein nachrangiger und unbesicherter Teil von rund 220 Millionen Euro einschließlich einer Nachranggebühr soll bis September 2038 laufen. Zusätzlich sind Überbrückungsfinanzierungen von 35 Millionen Euro für Branicks und 60 Millionen Euro für die Tochtergesellschaft VIB Vermögen vorgesehen. Die Eckpunkte wurden nach Angaben von Branicks von FTI-Andersch auf Grundlage des IDW-S6-Standards geprüft.

Vollständig umgesetzt ist das Konzept bislang nicht. Branicks nennt insbesondere die Zustimmung der Aktionäre bei der außerordentlichen Hauptversammlung am 9. Oktober als noch notwendigen Schritt. Das Treffen findet virtuell statt. Außerdem ist eine weitere Abstimmung der Gläubiger der 400 Millionen Euro schweren Anleihe vorgesehen, bei der es um die umfassende Restrukturierung dieses Finanzinstruments geht.

Anleihegläubiger hatten bereits Laufzeit verlängert

Einen ersten wichtigen Beschluss hatten die Anleihegläubiger bereits im August gefasst. Sie stimmten mit der erforderlichen qualifizierten Mehrheit einer vorläufigen Verlängerung der Fälligkeit bis Ende Dezember 2026 zu. Zusätzlich besteht eine Verlängerungsoption bis Ende März 2027. Die Maßnahme soll Branicks Zeit für die Umsetzung der umfassenderen Restrukturierung geben.

Die reguläre Zinszahlung auf die Anleihe zum 22. September wurde nach Unternehmensangaben fristgerecht und vollständig geleistet. Branicks erklärte zudem, dass bis zum Ablauf der Anfechtungsfrist keine Klage gegen die im August gefassten Gläubigerbeschlüsse beim zuständigen Landgericht Frankfurt bekannt geworden sei.

Branicks weist im Halbjahresbericht ausdrücklich darauf hin, dass das Sanierungskonzept noch umgesetzt werden muss. Solange die notwendigen Bedingungen nicht erfüllt sind, bleibt die finanzielle Neuordnung damit nicht abgeschlossen. Zugleich haben sich nach Angaben des Unternehmens Gläubiger, die zusammen die erforderlichen Mehrheiten bei der Anleihe halten, unter bestimmten Voraussetzungen zur Unterstützung der vorgesehenen Maßnahmen verpflichtet.

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