Abwasser vor Teneriffa: Was die neuen Zahlen über die Küste zeigen

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Auf Teneriffa und den übrigen Kanarischen Inseln bleibt der Umgang mit Abwasser an der Küste ein erhebliches Infrastrukturproblem. Das jüngste amtliche Kataster der Regionalregierung weist für den Archipel 403 Einleitungsstellen vom Land ins Meer aus. 216 davon, rund 54 Prozent, verfügten zum erfassten Zeitpunkt über keine Genehmigung. Besonders viele Punkte liegen auf Teneriffa. Gleichzeitig zeigen die Kontrollen der Gesundheitsbehörden, dass daraus keine pauschal schlechte Badewasserqualität an den Stränden abgeleitet werden kann. Mehrere viel besuchte Badeplätze waren bei den jüngsten amtlichen Kontrollen ausdrücklich zum Baden freigegeben.

180 Einleitungsstellen allein auf Teneriffa

Das 2025 aktualisierte Kataster verzeichnet auf Teneriffa 180 Einleitungsstellen in 21 der 31 Gemeinden. 169 davon waren als aktiv eingestuft. Die größten Zahlen entfielen auf Santa Cruz de Tenerife mit 23 Punkten sowie San Cristóbal de La Laguna und Candelaria mit jeweils 21. Arona kam auf 17.

Nicht hinter jedem erfassten Punkt steckt ungeklärtes häusliches Abwasser. Die Kategorien reichen von Abwasser aus Städten über Salzwasser aus Schwimmbädern und Sole aus Entsalzungsanlagen bis zu Kühlwasser und industriellen Abwässern. Die größte einzelne Gruppe bilden allerdings kommunale Abwässer. Davon weist das Kataster für Teneriffa 107 Einleitungsstellen aus, entsprechend 59 Prozent aller registrierten Punkte auf der Insel. 39 weitere Punkte betreffen Salzwasser aus Schwimmbädern.

Die Abwassereinleitungen auf Teneriffa sind auch aus verwaltungsrechtlicher Sicht auffällig. Von den 180 registrierten Stellen verfügten 59 über eine Genehmigung. Bei 37 lief ein Genehmigungsverfahren. 84 Punkte, also 47 Prozent, waren weder genehmigt noch befanden sie sich in einem entsprechenden Verfahren. Unter den Anlagen befinden sich 20 Unterwasserleitungen, sogenannte Emisarios submarinos. Weitere 146 Punkte sind als sonstige Ableitungsleitungen eingestuft.

Mehrere Strände mussten im September zeitweise schließen

Die Probleme der Abwasserentsorgung und die hygienische Qualität eines konkreten Strandes sind nicht dasselbe. Ob Baden gesundheitlich vertretbar ist, wird anhand von Wasserproben beurteilt. Dabei werden insbesondere Escherichia coli und intestinale Enterokokken untersucht. Das kanarische Gesundheitswesen kontrolliert die im nationalen Register geführten Badegewässer regelmäßig nach den spanischen Vorschriften zur Badewasserqualität.

Im September kam es auf Teneriffa dennoch zu mehreren vorübergehenden Einschränkungen. An der Playa El Cabezo in Güímar wurde das Baden am 11. September verboten, nachdem eine Probe 410 koloniebildende Einheiten intestinaler Enterokokken pro 100 Milliliter ergeben hatte. Nach neuen Untersuchungen wurde die Badestelle wenige Tage später wieder freigegeben.

Am 23. September folgten Sperrungen der Playa El Médano in Granadilla de Abona und der Playa El Socorro in Los Realejos. In El Médano waren 210 Einheiten Enterokokken pro 100 Milliliter gemessen worden, bei einem von der Gemeinde genannten Grenzwert von 200. Bereits am 25. September konnten beide Strände nach günstigeren Kontrollmessungen wieder geöffnet werden.

Auch in Puerto de la Cruz waren Anfang September Teile von Playa Jardín vorübergehend betroffen. Playa Grande und El Charcón wurden am 3. September vorsorglich geschlossen und bereits am folgenden Tag nach neuen günstigen Ergebnissen wieder freigegeben.

Viele bekannte Strände zuletzt mit guten Werten

Die jüngsten amtlichen Daten zeigen zugleich, dass zahlreiche stark besuchte Strände Teneriffas zum Zeitpunkt ihrer letzten veröffentlichten Kontrolle als badetauglich eingestuft waren. Für Las Teresitas bei Santa Cruz meldete die Gesundheitsbehörde am 21. September den Status „apta para el baño“ und eine jährliche Einstufung als ausgezeichnet. An den vier Messpunkten lagen die gemessenen Werte für E. coli zwischen 9 und 29 Einheiten pro 100 Milliliter.

Auch El Duque in Adeje, Playa San Juan in Guía de Isora, Las Vistas in Arona und Punta Larga in Candelaria wurden in den zuletzt veröffentlichten Gesundheitsdaten als zum Baden geeignet geführt. Mehrere dieser Badegewässer besitzen zudem die jährliche Qualitätsklassifizierung „ausgezeichnet“.

Damit ergibt sich für Urlauber und Einwohner kein einheitliches Bild einer generell belasteten Küste. Die amtlichen Einleitungsstellen dokumentieren ein strukturelles Problem bei Kanalisation, Abwasserbehandlung und Genehmigungen. Die hygienische Situation an einer einzelnen Badestelle kann dagegen je nach Ort und Zeitpunkt deutlich anders aussehen und wird über aktuelle Laborproben beurteilt.

Streit um die tatsächliche Leistung der Kläranlagen

Neue Kritik kam am Mittwoch von mehreren Umweltgruppen auf Teneriffa. Sie wenden sich gegen die Darstellung, die Insel könne inzwischen 86 Prozent ihrer Abwässer behandeln. Nach ihrer Darstellung beschreibt dieser Wert die vorhandene technische Behandlungskapazität und nicht zwangsläufig die Wassermenge, die tatsächlich in den Anlagen ankommt und gereinigt wird. Die Gruppen verweisen unter anderem auf fehlende Kanalanschlüsse, Versickerung und Abwassermengen, für die keine aktuellen Durchflussdaten vorlägen. Diese Angaben stammen aus einer gemeinsamen Stellungnahme der beteiligten Organisationen. Eine vollständige amtliche Bilanz der tatsächlich anfallenden und behandelten Abwassermenge, mit der sich sämtliche Einzelangaben überprüfen ließen, lag dazu zunächst nicht vor.

Das Cabildo nennt dagegen einen deutlichen Ausbau seiner Infrastruktur. Nach Angaben der Inselregierung stieg die rechnerische Behandlungskapazität von 52 Prozent des anfallenden Abwassers im Jahr 2023 auf derzeit 86 Prozent. Nach Abschluss der Kläranlage für den Ballungsraum und des Systems Arona Este San Miguel sollen 97 Prozent erreicht werden. Zugleich seien für Abwasserentsorgung, Reinigung und Wiederverwendung mehr als 500 Millionen Euro an laufenden und geplanten Investitionen mobilisiert worden.

Neue Anlagen sollen Einleitungen ins Meer reduzieren

Zu den derzeit geplanten Maßnahmen gehört die neue Pumpstation San Blas in Candelaria. Sie soll Abwässer aus Candelaria, Puntalarga und Igueste zur regionalen Kläranlage im Valle de Güímar transportieren. Für das Vorhaben sind einschließlich Bau und technischer Begleitung mehr als zehn Millionen Euro vorgesehen. Die Abwasserentsorgung an der Küste von Candelaria ist zudem Teil eines europäischen Vertragsverletzungsverfahrens zur Behandlung kommunaler Abwässer.

Auch der Cabildo investiert weiter in kommunale Netze. Für neue beziehungsweise modernisierte Abwasserinfrastruktur in Santa Úrsula und Tacoronte wurden im Juni Projekte mit einem Gesamtvolumen von rund 3,36 Millionen Euro auf den Weg gebracht. Die Regionalregierung kündigte außerdem im September eine technische Beratungsstelle für Gemeinden an. Hintergrund sind unter anderem strengere Anforderungen der neuen europäischen Abwasservorschriften, die in den kommenden Jahren umgesetzt werden müssen.

Für die Badegäste bleibt deshalb die aktuelle örtliche Freigabe entscheidend. Ein registrierter Einleitungspunkt in Küstennähe bedeutet nicht automatisch, dass ein Strand akut verunreinigt ist. Umgekehrt können auffällige mikrobiologische Messungen kurzfristige Sperrungen erforderlich machen, selbst wenn die langfristige Einstufung eines Badegewässers gut oder ausgezeichnet ist. Die wiederholten Schließungen im September und die hohe Zahl nicht genehmigter Einleitungsstellen zeigen zugleich, dass die Modernisierung der Abwasserinfrastruktur auf Teneriffa noch nicht abgeschlossen ist.

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