Disney plant großen Umbau seines Fernsehgeschäfts

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Symbolbild: Evan Wise

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Der Unterhaltungskonzern Disney bereitet offenbar eine weitreichende Neuordnung seines Fernsehgeschäfts vor. Nach einem Bericht des Wall Street Journal sollen mehrere bislang getrennte Bereiche enger zusammengeführt werden. Im Zuge des Umbaus könnten Hunderte Arbeitsplätze entfallen. Eine genaue Zahl oder einen konkreten Zeitplan für die Stellenstreichungen hatte Disney zunächst nicht öffentlich genannt. Die Disney TV-Umstrukturierung wäre ein weiterer Schritt beim laufenden Konzernumbau unter dem seit März amtierenden Vorstandschef Josh D’Amaro.

Betroffen sein sollen dem Bericht zufolge unter anderem ABC Entertainment, das Produktionsstudio 20th Television, Hulu Originals und Freeform. Verantwortlich für die Neuordnung ist demnach Debra O’Connell, die seit März als Chairman von Disney Entertainment Television einen großen Teil des Fernsehgeschäfts des Konzerns führt.

Disney will Fernsehbereiche enger zusammenführen

Im Mittelpunkt der geplanten Neuordnung steht offenbar eine stärkere Bündelung der bislang teilweise getrennt organisierten Fernseheinheiten. Disney reagiert damit auf einen grundlegenden Wandel im Mediengeschäft. Klassische Kabelsender und lineares Fernsehen verlieren in den USA seit Jahren Zuschauer und Abonnenten, während Streamingangebote wie Disney+ und Hulu für die langfristige Strategie des Unternehmens an Bedeutung gewinnen.

Die konkrete Struktur der neuen Organisation war zunächst nicht vollständig bekannt. Auch blieb offen, welche Standorte und Abteilungen von möglichen Stellenstreichungen besonders betroffen wären. Das Wall Street Journal berichtete von Hunderten Jobs, die im Zuge der Veränderungen wegfallen könnten. Eine eigenständige Bestätigung der genauen Zahl durch Disney lag zunächst nicht vor.

Der Konzern hatte seine Führungsstruktur bereits im Frühjahr umfassend verändert. Im März wurde Disney Entertainment neu aufgestellt. Streaming, Film, Fernsehen und weitere digitale Geschäftsbereiche wurden stärker unter einer gemeinsamen Führung gebündelt. Dana Walden übernahm als President und Chief Creative Officer eine zentrale Rolle im Konzern. Debra O’Connell erhielt zugleich die neu geschaffene Position an der Spitze von Disney Entertainment Television.

Zu O’Connells Verantwortungsbereich gehören unter anderem ABC Entertainment, Disney Branded Television, Hulu Originals, National Geographic sowie Produktionsbereiche wie 20th Television.

Streaming erhält innerhalb des Konzerns mehr Gewicht

Erst im September hatte Disney weitere Veränderungen im Streaminggeschäft bekanntgegeben. Adam Smith wurde zum Chairman Direct-to-Consumer von Disney Entertainment ernannt. Zu seinem Verantwortungsbereich gehören Disney+ und Hulu sowie unter anderem Technik, Werbetechnologie, Programmstrategie, Partnerschaften und Datenanalyse.

Parallel dazu übernahm Joe Earley eine neu geschaffene Funktion für Franchise- und Content-Strategie innerhalb von Disney Entertainment Television. Die Veränderungen verdeutlichen, dass Disney Inhalte, Streamingplattformen und klassische Fernsehmarken organisatorisch enger miteinander verbinden will.

Disney hatte bereits bei der Vorstellung der neuen Unternehmensstruktur im März erklärt, verschiedene Entertainmentbereiche stärker gemeinsam steuern zu wollen. Vorstandschef D’Amaro sprach bei seinem Amtsantritt von einer stärker verbundenen Unternehmensstrategie. Die nun berichtete Neuordnung des Fernsehgeschäfts würde diesen Kurs fortsetzen.

Weitere Stellenstreichungen erst wenige Tage zuvor

Die geplanten Veränderungen im Fernsehen folgen unmittelbar auf eine weitere Runde von Stellenstreichungen bei Disney. Ende September wurden nach Angaben einer mit der Angelegenheit vertrauten Quelle mehrere Hundert Stellen abgebaut. Betroffen waren vor allem Bereiche wie Personalwesen und Informationstechnologie.

Diese Kürzungen sind von dem nun berichteten möglichen Stellenabbau im Fernsehgeschäft zu unterscheiden. Es handelt sich nicht um dieselbe Maßnahme. Sollte die TV-Neuordnung wie beschrieben umgesetzt werden, würde damit eine zusätzliche Runde von Personalkürzungen hinzukommen.

Disney hatte bereits zuvor wiederholt Arbeitsplätze abgebaut. Im Frühjahr 2026 wurden rund 1.000 Stellen in verschiedenen Konzernbereichen gestrichen. Betroffen waren unter anderem Marketing, Studios, Fernsehen, ESPN, Technologie und Unternehmensfunktionen. Bereits 2023 hatte Disney unter dem damaligen Vorstandschef Bob Iger einen deutlich größeren Stellenabbau eingeleitet.

Ende des Geschäftsjahres 2025 beschäftigte Disney weltweit rund 231.000 Menschen.

Klassisches Fernsehen steht unter wirtschaftlichem Druck

Hinter dem Umbau steht ein strukturelles Problem der gesamten US-Medienbranche. Millionen Haushalte haben in den vergangenen Jahren klassische Kabelabonnements gekündigt oder reduzieren ihre Nutzung traditioneller Fernsehsender. Damit verlieren Medienkonzerne Einnahmen aus Kabelgebühren und Werbung.

Gleichzeitig müssen Unternehmen wie Disney hohe Summen in Streamingtechnik, Inhalte und internationale Plattformen investieren. Streamingdienste sind deshalb zwar ein zentraler Wachstumsbereich, können den Rückgang traditioneller TV-Geschäfte aber nicht in allen Bereichen unmittelbar ausgleichen.

Disney versucht deshalb seit mehreren Jahren, Doppelstrukturen abzubauen und Produktion, Vermarktung und Verbreitung stärker auf die Nutzung über Streamingplattformen auszurichten.

Konzernumbau reicht über das Fernsehen hinaus

Die Veränderungen beschränken sich nicht auf das Fernsehgeschäft. Disney hatte erst im September auch eine neue Struktur für sein Konsumgütergeschäft angekündigt. Teile des Geschäfts mit Lizenzen und Veröffentlichungen werden ab Anfang Oktober enger mit den Studios verzahnt. Andere Bereiche wie Merchandise in den Freizeitparks und der Disney Store bleiben bei Disney Experiences.

Damit setzt der Konzern seinen Kurs fort, Geschäftsbereiche stärker entlang gemeinsamer Inhalte, Marken und Vertriebswege zu organisieren.

Wann die nun berichtete Neuordnung des Fernsehgeschäfts vollständig umgesetzt werden soll, war zunächst offen. Ebenso lagen zunächst keine bestätigten Angaben dazu vor, wie viele Arbeitsplätze bei ABC Entertainment, 20th Television, Hulu Originals oder anderen betroffenen Einheiten tatsächlich entfallen werden.

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