Forvia-Chef sieht Autozulieferer vor weiterer Konsolidierung

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Symbolbild: Evan Wise

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Der Chef des französischen Autozulieferers Forvia erwartet weitere tiefgreifende Veränderungen in der internationalen Zulieferindustrie. Vorstandschef Martin Fischer rechnet angesichts des Kostendrucks und der Veränderungen im weltweiten Automarkt mit einer Konsolidierung der Branche. Gleichzeitig setzt Forvia seinen bereits laufenden Konzernumbau in Europa fort, der bis Ende 2028 Auswirkungen auf bis zu 10.000 Stellen haben kann.

Die Aussagen fallen in eine Phase, in der die Krise der Autozulieferer trotz erster Anzeichen einer Stabilisierung weiter deutlich sichtbar ist. In Europa haben Zulieferunternehmen allein im ersten Halbjahr 2026 den Abbau von 18.900 Stellen angekündigt. Damit fällt das Tempo zwar geringer aus als in besonders schwierigen Phasen der Jahre 2024 und 2025, der strukturelle Druck auf die Branche bleibt jedoch hoch.

Forvia-Chef warnt vor Risiken in den Lieferketten

Fischer verwies auf die enge Verzahnung innerhalb der Automobilproduktion. Schon der Ausfall eines kleineren spezialisierten Zulieferers könne Auswirkungen auf größere Produktionsabläufe haben. Er erwartet deshalb weltweit Zusammenschlüsse, Übernahmen und andere Formen der Konsolidierung unter Zulieferunternehmen.

Eine konkrete Prognose dazu, wie viele Unternehmen zahlungsunfähig werden könnten, nannte Fischer nicht. Auch die Zahl von bis zu 10.000 Stellen bei Forvia ist nicht als Schätzung möglicher Arbeitsplatzverluste durch Insolvenzen in der gesamten Branche zu verstehen.

Sie gehört vielmehr zum europäischen Restrukturierungsprogramm EU-FORWARD des Konzerns. Forvia hatte dieses Programm bereits im Februar 2024 angekündigt. Es läuft von 2024 bis 2028 und soll die europäischen Aktivitäten wettbewerbsfähiger machen. Nach Konzernangaben können im gesamten Zeitraum bis zu 10.000 Arbeitsplätze betroffen sein. Ein Teil der Verringerung sollte von Beginn an über natürliche Fluktuation und eine begrenzte Wiederbesetzung frei werdender Stellen erfolgen.

Forvia baut Geschäft und Kostenstruktur um

Der Konzern befindet sich zugleich in einem umfassenden Umbau seines Geschäfts. Forvia bestätigte im Sommer seine Prognose für das Gesamtjahr 2026. Im ersten Halbjahr erreichte das Unternehmen einen Umsatz von rund 10,5 Milliarden Euro. Die operative Marge stieg auf 6,0 Prozent, während der Nettoverschuldungsgrad weiter sank.

Ein weiterer Bestandteil des Umbaus ist die geplante Trennung vom Geschäft mit Fahrzeuginnenräumen. Forvia hatte erklärt, dass die Veräußerung die Nettoverschuldung um mindestens eine Milliarde Euro reduzieren soll. Wachstumsschwerpunkte sieht der Konzern unter anderem bei Elektronik und Fahrzeugsitzen.

Zum Konzern gehört auch der deutsche Licht- und Elektronikspezialist Forvia Hella. Das börsennotierte Unternehmen mit Sitz in Lippstadt beschäftigte Ende 2025 rund 34.000 Menschen und erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen bereinigten Umsatz von rund acht Milliarden Euro.

Europas Zulieferer verlieren weiter Arbeitsplätze

Fischers Einschätzung trifft auf eine Branche, die bereits seit mehreren Jahren umfangreiche Restrukturierungen durchläuft. Nach Berechnungen des europäischen Zulieferverbandes CLEPA wurden in den Jahren 2024 und 2025 zusammen rund 104.000 Stellenstreichungen bei europäischen Automobilzulieferern angekündigt.

Im ersten Halbjahr 2026 kamen weitere 18.900 angekündigte Stellenverluste hinzu. Gleichzeitig wurden 5.440 neue Arbeitsplätze angekündigt. Ein großer Teil der neu geschaffenen Stellen entfiel auf Bereiche rund um Elektromobilität.

Auch die Profitabilität vieler Unternehmen steht unter Druck. In einer CLEPA-Umfrage vom Frühjahr 2026 erwarteten 24 Prozent der befragten Zulieferer für dieses Jahr eine negative Profitabilität. 76 Prozent rechneten mit einer Rendite von weniger als fünf Prozent.

China verändert die Wettbewerbsbedingungen

Ein zentraler Faktor ist der zunehmende Wettbewerb mit chinesischen Herstellern und Zulieferern. Chinesische Autohersteller gewinnen international an Bedeutung und haben zugleich Lieferketten aufgebaut, die sich in Kosten, Geschwindigkeit und lokaler Fertigung teilweise deutlich von den traditionellen europäischen Strukturen unterscheiden.

Forvia ist selbst stark in China aktiv und arbeitet dort auch mit chinesischen Autobauern zusammen. Fischer spricht sich zugleich dafür aus, industrielle Wertschöpfung in Europa zu erhalten. In der europäischen Autoindustrie wird deshalb über Vorgaben diskutiert, mit denen ein bestimmter Anteil der Produktion und Zulieferung innerhalb Europas abgesichert werden könnte.

Die Handelszahlen verdeutlichen die Verschiebung. Nach Angaben von CLEPA erreichten die EU-Importe von Automobilkomponenten aus China im ersten Halbjahr 2026 rund fünf Milliarden Euro. Das waren 23 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die europäischen Exporte nach China gingen dagegen innerhalb von zwei Jahren deutlich zurück.

Damit stehen Zulieferer gleichzeitig vor mehreren Aufgaben: Sie müssen Kosten senken, neue Technologien finanzieren, ihre internationale Produktion neu ausrichten und auf veränderte Bestellungen der Autobauer reagieren. Forvias laufender Stellenabbau ist Teil dieser Anpassung. Fischers aktuelle Warnung geht jedoch darüber hinaus und richtet den Blick auf eine mögliche weitere Konzentration der gesamten Branche.

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