
Die Autofahrer in Deutschland starten trotz des neuen Tankrabatts mit ungewöhnlich hohen Kraftstoffpreisen in das Feiertagswochenende. Nach einem Rekordmonat im September sind Benzin und Diesel seit dem 1. Oktober zwar vielerorts günstiger geworden. Der weiterhin hohe Rohölpreis und die angespannte Versorgungslage auf den internationalen Energiemärkten begrenzen jedoch die Entlastung.
Der Benzinpreis in Deutschland hatte im September neue Höchststände erreicht. Im Monatsdurchschnitt kostete ein Liter Super E10 2,266 Euro, Diesel lag bei 2,386 Euro. Damit war September nach Angaben des ADAC der bislang teuerste Tankmonat. Den höchsten Tageswert erreichte Super E10 am 16. September mit durchschnittlich 2,314 Euro je Liter. Diesel stieg einen Tag später auf 2,471 Euro.
Seit Donnerstag gilt erneut eine vorübergehende Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel. Zusammen mit dem geringeren Mehrwertsteueranteil entspricht die Entlastung rechnerisch knapp 17 Cent je Liter.
An vielen Tankstellen waren bereits in der ersten Nacht deutliche Preisrückgänge zu beobachten. Auswertungen von Kraftstoffpreisportalen zeigten bundesweit Rückgänge von etwa zehn bis elf Cent innerhalb kurzer Zeit. An einzelnen Stationen fiel Super E10 wieder unter die Marke von zwei Euro.
Ein vollständiger bundesweiter Durchschnittswert für Freitagmorgen lag zunächst nicht in derselben Form vor wie die regelmäßigen ADAC-Wochenwerte. Der jüngste ADAC-Vergleich vor Inkrafttreten der Steuersenkung bezifferte Super E10 am 29. September auf durchschnittlich 2,258 Euro je Liter. Diesel kostete damals 2,409 Euro.
Damit liegt das aktuelle Preisniveau zwar unter den Spitzenwerten aus der zweiten Septemberhälfte. Im längerfristigen Vergleich bleibt Tanken jedoch außergewöhnlich teuer.
Ein wesentlicher Faktor ist der Ölmarkt. Die Nordseesorte Brent kostete am Freitagmorgen rund 102 Dollar je Barrel. Am Donnerstag war der Preis zeitweise deutlich gestiegen und hatte den Handel bei gut 102 Dollar beendet.
Neben geopolitischen Spannungen wirken derzeit mehrere Faktoren auf den Markt. Dazu gehören eingeschränkte Exporte von Mineralölprodukten aus mehreren wichtigen Lieferländern und weiterhin bestehende Risiken für Transportwege im Nahen Osten.
Die Entwicklung ist auch für deutsche Tankstellen relevant. Rohölpreise bestimmen zwar nicht allein den Preis von Benzin und Diesel. Hinzu kommen Raffineriekosten, Transport, Steuern, Wechselkurse und die Margen im Großhandel und an den Tankstellen. Ein dauerhaft hoher Ölpreis erhöht jedoch grundsätzlich den Kostendruck.
Besondere Aufmerksamkeit richtet sich auf Saudi-Arabien. Die Ost-West-Pipeline des Landes war im September nach einem Drohnenangriff zeitweise geschlossen worden. Die rund 1.200 Kilometer lange Verbindung ist strategisch wichtig, weil sie Erdöl aus dem Osten Saudi-Arabiens bis zur Küste des Roten Meeres transportiert und damit eine Alternative zur Route durch die Straße von Hormus bietet.
Der Betrieb wurde inzwischen wieder aufgenommen. Auch im saudischen Exporthafen Yanbu werden wieder Tanker beladen. Die Förder- und Transportmöglichkeiten hatten sich damit zuletzt verbessert.
Vollständig verschwunden sind die Risiken für den internationalen Ölhandel dennoch nicht. Die Meerenge von Hormus bleibt ein zentraler Transportweg für Rohöl und Flüssiggas. Gleichzeitig bestehen Spannungen rund um das Rote Meer und die Meerenge Bab al-Mandab fort.
Die Huthi im Jemen hatten bereits im Sommer eine Blockade saudischer Schifffahrt angekündigt. Eine vollständige Sperrung des Seewegs wurde daraus bislang nicht. Die Drohung erhöhte jedoch das Risiko für Reedereien und Energieunternehmen, weil der Bab al-Mandab zu den bedeutendsten Engstellen des internationalen Seehandels zählt.
Für den Ölmarkt ist bereits die Gefahr weiterer Angriffe relevant. Unsicherheit über Pipelines, Häfen und Schifffahrtsrouten kann Preise und Transportkosten bewegen, auch wenn die tatsächlichen Liefermengen nicht unmittelbar ausfallen.
Für Autofahrer ergibt sich damit am Freitag vor dem Tag der Deutschen Einheit ein gemischtes Bild. Der Tankrabatt hat die unmittelbaren Kosten an vielen Zapfsäulen gesenkt. Gleichzeitig startet die Entlastung von einem außergewöhnlich hohen Ausgangsniveau.
Im September kostete Super E10 im Monatsdurchschnitt mehr als zwölf Cent je Liter mehr als beim bisherigen Monatsrekord. Bei Diesel lag der Abstand ebenfalls bei mehr als zehn Cent. Selbst ein Preisrückgang durch die Steuersenkung bedeutet deshalb nicht automatisch eine Rückkehr zu den Werten aus früheren Jahren.
Wie stark sich Benzin und Diesel in den kommenden Tagen verbilligen, hängt neben der Weitergabe der Steuersenkung vor allem von den Großhandelspreisen für Kraftstoffe und der weiteren Entwicklung des Ölmarktes ab. Die wieder angelaufenen saudischen Exporte wirken derzeit entlastend. Gleichzeitig halten die politischen und militärischen Risiken im Nahen Osten die Unsicherheit hoch.






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