
Der VfL Wolfsburg nimmt mitten in seiner ersten Zweitligasaison nach dem Abstieg eine Veränderung im Trainerstab vor. Co-Trainer Murat Ural verlässt den Verein. Der zunächst vom Kicker aufgegriffene Personalwechsel ist inzwischen offiziell bestätigt: Der VfL und der 39-Jährige haben sich nach Angaben des Klubs auf eine Aufhebung des Arbeitsverhältnisses zum 1. Oktober 2026 verständigt.
Konkrete sportliche oder persönliche Gründe für die Trennung nennt der Verein nicht. Damit bleibt offen, welche Überlegungen im Einzelnen zu der Entscheidung geführt haben. Fest steht dagegen, dass Ural erst im März nach Wolfsburg gekommen war und damit nur rund sieben Monate zum Trainerteam des VfL gehörte.
Murat Ural wechselte im März 2026 gemeinsam mit Dieter Hecking und Frank Geideck zum VfL Wolfsburg. Hecking hatte damals erneut das Traineramt übernommen. Ural kannte ihn bereits aus der gemeinsamen Zeit beim VfL Bochum, wo er ebenfalls als Assistenztrainer unter Hecking gearbeitet hatte.
In Wolfsburg gehörte Ural in der Schlussphase der Bundesliga-Saison zum Funktionsteam. Nach Angaben des VfL saß er in elf Ligaspielen als Assistenzcoach auf der Bank. Der angestrebte Klassenerhalt gelang nicht. Wolfsburg erreichte zunächst die Relegation, stieg anschließend aber in die 2. Bundesliga ab.
Nach dem Abstieg wurde die sportliche Führung umfassend neu organisiert. Hecking wechselte zum 1. Juni vom Trainerposten in die Geschäftsführung und übernahm als Geschäftsführer Sport die Verantwortung für den Männerfußball, den Frauenbereich und die Akademie. Sein Vertrag läuft nach Vereinsangaben bis 2028.
Für die Profimannschaft verpflichtete Wolfsburg Tobias Strobl als neuen Cheftrainer. Der damals 38-Jährige kam vom SC Verl und erhielt einen Vertrag bis zum 30. Juni 2028.
Trotz des Trainerwechsels durfte Ural im Sommer beim VfL bleiben. Bei der Zusammenstellung des Stabs unter Tobias Strobl bestätigte Wolfsburg ausdrücklich, dass der Schweizer weiterhin zum Trainerteam gehören werde.
Gleichzeitig kamen zwei neue Assistenten hinzu. Jerome Polenz wechselte nach Wolfsburg, nachdem er zuvor als Co-Trainer beim 1. FC Nürnberg gearbeitet hatte. Sergej Schmik folgte Strobl vom SC Verl. Schmik hatte dort bereits mehrere Jahre als Assistenztrainer gearbeitet und kannte den neuen Wolfsburger Chefcoach entsprechend aus der gemeinsamen Zeit in Verl.
Torwarttrainer Pascal Formann blieb ebenfalls im Stab. Frank Geideck, der im März zusammen mit Hecking und Ural nach Wolfsburg gekommen war, verließ den Verein dagegen im Zuge der Neuaufstellung.
Damit war Ural im neuen Trainerteam einer der wenigen personellen Verbindungen zur kurzen Amtszeit Heckings auf der Bank. Diese Verbindung endet nun ebenfalls.
Der VfL Wolfsburg spricht ausdrücklich von einer gemeinsamen Entscheidung. Geschäftsführer Sport Dieter Hecking erklärte: „In offenen und transparenten Gesprächen sind wir übereingekommen, die Zusammenarbeit zu beenden. Wir haben sowohl in Bochum als auch hier in Wolfsburg eng und vertrauensvoll zusammengearbeitet.“
Hecking ergänzte über Ural: „Murat ist für mich ein Mensch, den ich fachlich wie persönlich sehr schätze. Ich wünsche ihm für die Zukunft alles erdenklich Gute.“
Auch Ural äußerte sich in der Vereinsmitteilung. Er bedankte sich bei den Verantwortlichen, insbesondere bei Hecking, sowie bei der Mannschaft für die Zusammenarbeit. Zugleich erklärte er: „Ich bin überzeugt, dass der VfL Wolfsburg mit der sportlichen Neuausrichtung rasch wieder in die Erfolgsspur zurückkehren wird.“
Weitere Einzelheiten zu den Gesprächen oder zu Urals ursprünglicher Vertragslaufzeit veröffentlichte der VfL nicht. Auch zu finanziellen Modalitäten der Vertragsauflösung gibt es keine bestätigten Angaben.
Die Veränderung muss vor dem Hintergrund der sportlichen Neuaufstellung nach dem Bundesliga-Abstieg betrachtet werden. Wolfsburg hatte im Sommer nicht nur den Cheftrainer ausgetauscht, sondern mehrere Verantwortungsbereiche neu strukturiert.
Strobl brachte mit Schmik einen langjährigen Vertrauten aus Verl mit. Polenz ergänzte den Stab als weiterer Assistent. Gleichzeitig arbeiten Julian Klamt und Koen Stam nach Vereinsangaben im Übergangsbereich zwischen Nachwuchs und Profifußball sowie an der vereinsweiten Spielphilosophie. Dieser Bereich wird unter der Leitung von Geschäftsführer Sport Dieter Hecking und Sportdirektor Pirmin Schwegler mit der Akademie abgestimmt.
Durch den Abschied Urals wird das unmittelbare Trainerteam um Strobl nun kleiner. Eine Nachbesetzung kündigte der Verein in seiner Mitteilung zur Vertragsauflösung zunächst nicht an.
Sportlich befindet sich der Bundesliga-Absteiger nach sechs Spieltagen in der Spitzengruppe der 2. Bundesliga. Wolfsburg hat elf Punkte gesammelt und steht auf Tabellenplatz vier. Die Bilanz umfasst drei Siege, zwei Unentschieden und eine Niederlage. Das Torverhältnis beträgt 15:8.
Der Saisonstart verlief dabei nicht durchgehend konstant. Nach einem 0:0 gegen den 1. FC Kaiserslautern gewann Wolfsburg bei Hannover 96 mit 1:0 und anschließend mit 5:2 beim Karlsruher SC. Gegen Energie Cottbus gab der VfL eine zwischenzeitliche 3:0-Führung aus der Hand und spielte 4:4.
Es folgte eine 0:1-Niederlage beim FC St. Pauli. Unmittelbar vor der aktuellen Länderspielpause gelang dann ein deutliches 5:1 gegen den SV Darmstadt 98. Alexander Bernhardsson und Robert Glatzel trafen jeweils doppelt, Muhammed Damar erzielte das weitere Wolfsburger Tor.
Damit liegt der VfL nach sechs Partien hinter Hertha BSC, dem 1. FC Nürnberg und dem 1. FC Heidenheim. Tabellenführer Hertha hat 18 Punkte, Nürnberg 16 und Heidenheim 13.
Das nächste Pflichtspiel ist für den 10. Oktober angesetzt. Dann tritt Wolfsburg beim 1. FC Nürnberg an. Für Trainer Tobias Strobl und sein verändertes Funktionsteam beginnt damit die nächste Phase der Zweitligasaison.
Personell ist die Rollenverteilung inzwischen klarer als noch unmittelbar nach dem Abstieg. Hecking verantwortet den sportlichen Bereich aus der Geschäftsführung, Strobl steht als Cheftrainer an der Seitenlinie und wird von seinem im Sommer zusammengestellten Stab unterstützt.
Der Abschied von Murat Ural ist damit eine weitere personelle Veränderung innerhalb des Neuaufbaus. Hinweise auf einen Trainerwechsel an der Spitze oder eine grundsätzliche Abkehr vom im Sommer eingeschlagenen Kurs gibt es dagegen nicht. Wolfsburg hat die Zusammenarbeit mit Strobl bis 2028 angelegt und befindet sich nach sechs Spieltagen in unmittelbarer Nähe zu den Aufstiegsplätzen.






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