Ukraine-Verhandlungen zwischen USA und Russland bekommen wirtschaftliche Dimension

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Gespräche zwischen den USA und Russland über ein mögliches Ende des Ukraine-Kriegs reichen inzwischen über militärische und politische Fragen hinaus. Auch ein mögliches Ölgeschäft zwischen USA und Russland spielt dabei eine Rolle. Im Mittelpunkt steht ein möglicher Verkauf der internationalen Vermögenswerte des sanktionierten russischen Ölkonzerns Lukoil. Die Geschäfte könnten einen Wert von mehreren Milliarden Dollar haben. Während Gespräche über künftige Energieprojekte offiziell bestätigt sind, sind wesentliche Einzelheiten des konkreten Lukoil-Vorhabens bislang nicht unabhängig bestätigt.

US-Regierungsvertreter bestätigen Gespräche über Energie

Fest steht, dass Energiefragen Bestandteil der Kontakte zwischen Washington und Moskau sind. Ein Vertreter der US-Regierung bestätigte Ende September, dass der russische Wirtschaftsunterhändler Kirill Dmitriev in Washington über eine friedliche Lösung des Kriegs und mögliche amerikanisch-russische Energieprojekte für die Zeit nach einem Kriegsende gesprochen habe.

Dmitriev leitet den russischen Staatsfonds RDIF und gehört zu den zentralen Wirtschaftsunterhändlern von Präsident Wladimir Putin. Bei seinem Besuch führte er nach Angaben aus dem Umfeld der Gespräche auch Termine mit Vertretern des US-Finanzministeriums und des Energieministeriums. Zuvor hatten die US-Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner Putin Anfang September in Moskau getroffen.

Energiegeschäfte sind damit nicht erstmals Teil der diplomatischen Kontakte. Bereits 2025 hatten amerikanische und russische Regierungsvertreter über mögliche Projekte gesprochen. Dazu gehörten eine mögliche Rückkehr des US-Konzerns Exxon Mobil zum Öl- und Gasprojekt Sachalin 1 sowie amerikanische Technik für russische Flüssiggasprojekte. Konkrete Vereinbarungen entstanden daraus zunächst nicht.

Lukoil-Verkauf soll Teil der Gespräche geworden sein

Neu ist der mögliche Zusammenhang mit dem Verkauf internationaler Lukoil-Vermögenswerte. Nach Darstellung der „New York Times“, die sich auf acht mit den Verhandlungen vertraute Personen beruft, soll Putin das Geschäft bei seinem Treffen mit Witkoff und Kushner am 5. September angesprochen haben.

Demnach geht es um internationale Beteiligungen, Ölfelder, Raffinerien und Tankstellen des russischen Konzerns. Eine unabhängige Bestätigung dafür, dass Putin persönlich den Verkauf in dieser Form mit den amerikanischen Unterhändlern verknüpfte, lag zunächst nicht vor.

Als aussichtsreicher Interessent gilt dem Bericht zufolge eine Investorengruppe um den US-Geschäftsmann Todd Boehly. Außerdem sollen Investoren aus Katar und Abu Dhabi beteiligt sein. Auch eine finanzielle Beteiligung der US-Regierung werde erwogen. Der genaue Kaufpreis und die endgültige Struktur eines möglichen Geschäfts waren zunächst nicht öffentlich festgelegt.

Lukoil steht seit 2025 unter US-Sanktionen

Ein Verkauf kann nicht allein zwischen Lukoil und möglichen Käufern vereinbart werden. Das amerikanische Finanzministerium setzte den russischen Konzern im Oktober 2025 auf die Sanktionsliste. Die Maßnahmen sollten nach offiziellen US-Angaben den finanziellen Druck auf Russland erhöhen und dessen Einnahmen aus dem Energiesektor begrenzen.

Die US-Sanktionsbehörde OFAC erlaubt derzeit ausdrücklich Verhandlungen über einen Verkauf von Lukoil International und verbundenen Unternehmen. Diese Genehmigung läuft nach dem aktuellen Stand bis zum 22. Oktober 2026. Sie erlaubt jedoch noch nicht den tatsächlichen Eigentumsübergang. Dafür wäre eine separate Genehmigung notwendig.

Washington hat dafür konkrete Bedingungen formuliert. Eine Transaktion soll die Verbindung der verkauften Unternehmen zu Lukoil vollständig beenden. Zahlungen an den sanktionierten Konzern sollen blockiert bleiben, solange die Sanktionen gelten. Zudem soll ein Verkauf Lukoil keinen unmittelbaren finanziellen Sondervorteil verschaffen.

Damit kann ein Ölgeschäft zwischen USA und Russland in der derzeit diskutierten Form nur zustande kommen, wenn die amerikanischen Behörden zustimmen.

Auslandsvermögen hat einen Wert von rund 22 Milliarden Dollar

Das internationale Geschäft von Lukoil ist umfangreich. Der Konzern besitzt beziehungsweise besaß Beteiligungen an Förderprojekten in mehreren Weltregionen sowie Raffinerien und Tankstellennetze außerhalb Russlands. Zu Beginn des Jahres wurde der Wert dieser Vermögenswerte auf rund 22 Milliarden Dollar geschätzt. Zu den Interessenten gehörten zeitweise verschiedene internationale Energieunternehmen und Finanzinvestoren.

Damit wäre der Verkauf auch unabhängig von den Friedensgesprächen eine bedeutende internationale Energietransaktion. Die politische Dimension entsteht vor allem durch die Sanktionen und dadurch, dass die amerikanische Regierung ihre Genehmigung ausdrücklich von außenpolitischen und sicherheitspolitischen Kriterien abhängig macht.

Wirtschaftliche Angebote begleiten die Friedensdiplomatie

Die aktuellen Vorgänge zeigen, dass Washington und Moskau neben Sicherheitsfragen auch über mögliche wirtschaftliche Beziehungen nach einem Ende des Kriegs sprechen. Einen Abschluss der Friedensverhandlungen oder eine Einigung über zentrale Streitpunkte bedeutet das nicht.

Auch ein Vertrag über die Lukoil-Vermögenswerte war zunächst nicht abgeschlossen. Bestätigt sind Gespräche über Energiekooperation und laufende, von der US-Sanktionsbehörde zugelassene Verhandlungen über den Verkauf internationaler Lukoil-Aktiva. Nicht unabhängig bestätigt waren dagegen zentrale Details darüber, welchen Einfluss Putin auf das konkrete Geschäft genommen hat, wie die geplante Käufergruppe endgültig zusammengesetzt wäre und ob die US-Regierung selbst Kapital investieren würde.

Die wirtschaftlichen Kontakte laufen zugleich vor dem Hintergrund eines weiterhin andauernden Kriegs. Russland begann seine großangelegte Invasion der Ukraine im Februar 2022. Sanktionen gegen den russischen Energiesektor gehören seither zu den wichtigsten wirtschaftlichen Druckmitteln westlicher Staaten. Ein Verkauf milliardenschwerer Lukoil-Auslandswerte wäre deshalb nicht nur ein Unternehmensgeschäft, sondern berührt unmittelbar die Sanktionspolitik gegenüber Russland.

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