Verbraucher starten mit weniger Zuversicht ins Schlussquartal

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

Teilen:

Die Stimmung der Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland hat sich zum Beginn des letzten Quartals 2026 wieder verschlechtert. Das HDE-Konsumbarometer Oktober 2026 fällt gegenüber dem September um 1,19 Punkte auf 93,51 Zähler. Damit liegt der Indikator zugleich rund drei Punkte unter dem Stand des Vorjahresmonats. Vor allem die Erwartungen an die wirtschaftliche Entwicklung und an die eigenen Einkommen haben nachgelassen.

Die Entwicklung fällt in eine wirtschaftlich widersprüchliche Phase. Während Forschungsinstitute ihre Wachstumserwartungen für Deutschland zuletzt angehoben haben, kommt die konjunkturelle Erholung bei vielen privaten Haushalten bislang nur begrenzt an. Gleichzeitig verteuern hohe Energiepreise den Alltag und die Lage auf dem Arbeitsmarkt bleibt angespannt. Das kann die Bereitschaft bremsen, größere Anschaffungen vorzuziehen oder den laufenden Konsum deutlich auszuweiten.

HDE-Konsumbarometer sinkt deutlich im Oktober

Das Konsumbarometer wird vom Handelsblatt Research Institute im Auftrag des Handelsverbands Deutschland erstellt. Grundlage ist eine repräsentative monatliche Befragung von rund 1.600 Personen. Erfasst werden unter anderem Anschaffungsneigung, Sparverhalten, Erwartungen an die eigene finanzielle Situation sowie Einschätzungen zur Konjunktur, zu Preisen und Zinsen. Der Index soll damit vor allem Hinweise auf die Konsumstimmung der kommenden Monate geben und misst nicht unmittelbar die tatsächlichen Ausgaben der Haushalte.

Im September hatte sich der Index nach einem Rückgang im August noch auf 94,70 Punkte erholt. Nun dreht die Entwicklung wieder nach unten. Gegenüber dem Jahresbeginn und dem Vorjahresniveau bleibt die Verbraucherstimmung damit schwach.

Innerhalb des Barometers entwickeln sich die einzelnen Komponenten allerdings nicht einheitlich. Die Befragten beurteilen sowohl die weitere Konjunkturentwicklung als auch ihre eigenen Einkommensaussichten schlechter als zuvor. Gleichzeitig gingen die Erwartungen an steigende Preise und Zinsen zurück. Auch die Sparneigung nahm ab. Der Rückgang des Gesamtindex lässt sich deshalb nicht allein mit zunehmender Inflationsangst erklären.

Inflation steigt auf 3,3 Prozent

Die tatsächliche Preisentwicklung bleibt dennoch ein wichtiger Belastungsfaktor für Haushalte. Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes lagen die Verbraucherpreise im September 2026 um 3,3 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Im August hatte die Inflationsrate noch 2,9 Prozent betragen. Gegenüber August stiegen die Preise im September um 0,6 Prozent.

Besonders deutlich verteuerte sich Energie. Die Energiepreise lagen nach den vorläufigen Daten 14,9 Prozent über dem Vorjahresniveau. Im August hatte der Anstieg 10,5 Prozent betragen. Ohne Nahrungsmittel und Energie errechnete Destatis dagegen eine Kerninflation von 2,4 Prozent. Bei Nahrungsmitteln fiel die Jahresteuerung mit 0,4 Prozent vergleichsweise gering aus. Die endgültigen Inflationsdaten für September will das Statistische Bundesamt am 13. Oktober veröffentlichen.

Für Verbraucher bedeutet das, dass die persönliche Belastung stark davon abhängt, welchen Anteil Energie und andere überdurchschnittlich teure Güter an den jeweiligen Haushaltsausgaben haben. Auch wenn die Erwartungen der Befragten an die künftige Inflation zuletzt etwas zurückgingen, ist das Preisniveau damit weiterhin ein relevanter Faktor für die verfügbaren Einkommen.

Arbeitsmarkt liefert bislang wenig Rückenwind

Auch vom Arbeitsmarkt kommen bislang keine eindeutigen Entlastungssignale. Im September waren in Deutschland 2,994 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren 67.000 weniger als im August. Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Prozentpunkte auf 6,4 Prozent. Der Rückgang ist allerdings zu einem erheblichen Teil saisonal geprägt. Bereinigt um jahreszeitliche Einflüsse nahm die Arbeitslosigkeit gegenüber August um 12.000 Personen zu. Gegenüber September 2025 waren 40.000 Menschen mehr arbeitslos.

Auch bei der Beschäftigung zeigt sich die Schwäche. Die Zahl der Erwerbstätigen ging im August saisonbereinigt um 29.000 zurück und lag mit 45,58 Millionen um 236.000 unter dem Vorjahreswert. Die Bundesagentur für Arbeit bewertet die Herbstbelebung deshalb als schwunglos.

Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen ebenfalls damit, dass die wirtschaftliche Erholung erst mit Verzögerung auf dem Arbeitsmarkt sichtbar wird. In ihrer Gemeinschaftsdiagnose erwarten sie für 2026 im Jahresdurchschnitt eine Arbeitslosenquote von 6,4 Prozent und zunächst eine weiter sinkende Erwerbstätigkeit.

Wirtschaft wächst stärker als im Frühjahr erwartet

Bemerkenswert ist die schwache Verbraucherstimmung vor allem deshalb, weil sich die gesamtwirtschaftlichen Aussichten zuletzt verbessert haben. Die an der Gemeinschaftsdiagnose beteiligten Institute erwarten für Deutschland 2026 inzwischen ein preisbereinigtes Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1,3 Prozent. Im Frühjahr hatten sie noch 0,6 Prozentpunkte weniger prognostiziert. Für 2027 rechnen die Institute mit einem Wachstum von 1,1 Prozent.

Getragen wurde die bisherige Erholung insbesondere von Exporten und dem verarbeitenden Gewerbe. Unternehmensinvestitionen und privater Konsum blieben dagegen vergleichsweise schwach. Hohe Energiepreise belasten zudem die weitere Entwicklung. Damit erklärt sich zumindest teilweise, weshalb bessere gesamtwirtschaftliche Daten bislang nicht automatisch zu größerer Zuversicht in den privaten Haushalten führen.

Für den Einzelhandel ist diese Diskrepanz besonders relevant. Ein kräftiger Konsumimpuls lässt sich aus dem Oktober-Barometer nicht ableiten. Sinkende Sparneigung kann zwar zusätzliche Ausgaben ermöglichen, gleichzeitig sprechen schwächere Einkommens- und Konjunkturerwartungen gegen eine breite und nachhaltige Belebung. Wie stark sich das zum Jahresende auf das Weihnachtsgeschäft auswirkt, lässt sich aus dem Frühindikator allein nicht bestimmen.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu