
Bei neuen russischen Luftangriffen auf die Ukraine sind am Samstag mehrere Raketen und Drohnen in den Luftraum der Republik Moldau eingedrungen. Nach aktualisierten Angaben der moldauischen Armee wurden am Morgen des 3. Oktober insgesamt sechs unerlaubte Flüge registriert. Fünf Luftangriffsmittel, drei Raketen und zwei Drohnen, schlugen demnach auf moldauischem Gebiet ein beziehungsweise explodierten dort. Ein sechstes Objekt durchquerte den Luftraum für kurze Zeit und flog anschließend wieder in Richtung Ukraine.
Präsidentin Maia Sandu bezeichnete die fünf eingeschlagenen Objekte als russische Luftangriffsmittel. Nach ihren Angaben befanden sich darunter Raketen des Typs Banderol sowie Drohnen. Sie erklärte, Russlands Krieg gegen die Ukraine gefährde inzwischen unmittelbar auch die Bevölkerung ihres Landes. Die Ereignisse vom Samstag sind damit eine weitere Zuspitzung einer Serie von Luftraumverletzungen, die Moldau seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine registriert hat.
Nach Angaben des moldauischen Verteidigungsministeriums ereigneten sich die fünf bestätigten Vorfälle zwischen 7.45 Uhr und 8.00 Uhr. Zunächst hatten die Behörden von fünf unbemannten Fluggeräten gesprochen. Verteidigungsminister Anatolie Nosatîi präzisierte später, dass es sich um drei Raketen und zwei Drohnen gehandelt habe. Diese aktualisierte Einordnung wurde anschließend auch in der Mitteilung der Nationalen Armee übernommen.
Fragmente wurden nach Polizeiangaben an mehreren Orten gefunden. Betroffen waren unter anderem Gebiete außerhalb der Stadt Căușeni, nahe Dubovca im Bezirk Hîncești, zwischen Delacău und Puhăceni im Bezirk Anenii Noi sowie bei Crocmaz im südöstlichen Bezirk Ștefan Vodă. Dort löste eine Explosion in einem Weinbaugebiet einen Vegetationsbrand aus. Zudem wurden Fenster eines landwirtschaftlich genutzten Gebäudes beschädigt. Verletzte wurden nach Angaben der Polizei nicht gemeldet.
Damit sind russische Drohnen in Moldau ebenso wie Raketen erneut zu einem unmittelbaren Sicherheitsproblem geworden. Die Behörden forderten Einwohner auf, mögliche Trümmerteile nicht zu berühren und verdächtige Gegenstände über die Notrufnummer 112 zu melden. Polizei und Sicherheitskräfte untersuchten die Fundstellen und sicherten die betroffenen Bereiche.
Bei einer nachträglichen Auswertung der Überwachungsdaten stellte die moldauische Armee einen weiteren Vorfall fest. Das sechste Objekt soll um 8.04 Uhr aus Richtung Udobne in der ukrainischen Region Odesa in den moldauischen Luftraum eingedrungen sein. Es bewegte sich in Richtung Palanca und verließ das Staatsgebiet nach Angaben der Armee bereits um 8.05 Uhr wieder in Richtung des ukrainischen Bilyajiwka.
Damit registrierten die moldauischen Überwachungssysteme am Samstag insgesamt sechs unerlaubte Flüge. Zu Art und Typ des sechsten Flugobjekts machte die Armee in ihrer aktualisierten Mitteilung zunächst keine näheren Angaben. Bestätigt wurde lediglich die Flugroute und die kurze Dauer der Luftraumverletzung.
Das Außenministerium in Chișinău bestellte noch am Samstag den russischen Botschafterdesignierten Oleg Ozerov ein und übergab ihm eine Protestnote. Das Ministerium verwies dabei auf die fünf eingeschlagenen Luftangriffsmittel sowie den zusätzlich festgestellten unerlaubten Überflug. Die Vorfälle hätten Menschen gefährdet und Feuer sowie Sachschäden verursacht.
Es war bereits die zweite solche diplomatische Reaktion innerhalb weniger Tage. Am 1. Oktober hatte das moldauische Außenministerium Ozerov wegen drei Luftraumverletzungen vom 30. September einbestellt. Zwei der damals registrierten Drohnen waren nach Behördenangaben auf moldauischem Gebiet abgestürzt und explodiert.
Sandu hatte bereits am Vortag erklärt, russische Drohnen seien allein im Jahr 2026 mehr als 45-mal in den moldauischen Luftraum eingedrungen. Die Präsidentin verwies zugleich auf den Ausbau der Luftverteidigung. Das Verteidigungsministerium arbeitet nach eigenen Angaben an Systemen, mit denen künftig sowohl Drohnen als auch Raketen abgefangen werden sollen.
Die Republik Moldau grenzt unmittelbar an die Ukraine und liegt teilweise nur wenige Kilometer von regelmäßig angegriffenen Gebieten der Region Odesa entfernt. Seit Beginn des russischen Großangriffs auf die Ukraine im Februar 2022 wurden wiederholt Drohnen oder andere Flugkörper über moldauischem Gebiet registriert. Einige stürzten ab oder hinterließen Trümmer. Die Ereignisse vom 3. Oktober unterscheiden sich vor allem durch die Zahl der innerhalb kurzer Zeit registrierten Flugkörper und die bestätigten Einschläge an mehreren Orten.
Moldau ist kein Mitglied der NATO. Das Land befindet sich jedoch auf einem enger werdenden politischen Kurs zur Europäischen Union. Die EU führt mit der Republik Moldau Beitrittsverhandlungen und eröffnete im Juni und Juli 2026 erste Verhandlungscluster, darunter den Bereich Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik.
Die neuerlichen Luftraumverletzungen zeigen damit eine konkrete grenzüberschreitende Folge des Krieges. Für die Bevölkerung Moldaus bestand am Samstag nicht nur ein abstraktes Risiko durch Flugbewegungen über dem Land. An mehreren Stellen wurden tatsächlich Trümmer und Explosionsfolgen festgestellt. Zugleich lagen zunächst keine Meldungen über Verletzte oder Tote infolge der fünf Einschläge vor.
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