
Nike kommt bei seinem Konzernumbau weiter nur mühsam voran. Der US-Sportartikelhersteller hat für sein erstes Geschäftsquartal 2026/27 einen Umsatzrückgang gemeldet und zugleich einen tiefgreifenden Umbau seiner Organisation angekündigt. Das neue Programm „Pace“ soll die Kosten bis 2031 um insgesamt rund 2,5 Milliarden US-Dollar senken. Dazu gehören auch weitere Stellenstreichungen. Wie viele Arbeitsplätze betroffen sein werden und an welchen Standorten Stellen wegfallen, stand zunächst noch nicht fest.
Die Zahlen für die drei Monate bis zum 31. August 2026 zeigen, dass Nike weiterhin mit schwacher Nachfrage in wichtigen Teilen seines Geschäfts kämpft. Der Konzernumsatz sank gegenüber dem Vorjahresquartal um vier Prozent auf 11,2 Milliarden Dollar. Währungsbereinigt lag das Minus bei fünf Prozent. Damit verfehlte Nike auch die durchschnittliche Analystenschätzung von 11,32 Milliarden Dollar, die Reuters unter Berufung auf Daten von LSEG nannte.
Besonders deutlich war der Rückgang im Geschäft, das Nike unmittelbar mit den Verbrauchern macht. Die Erlöse von Nike Direct sanken um acht Prozent auf 4,1 Milliarden Dollar. Währungsbereinigt lag der Rückgang bei neun Prozent. Die digitalen Verkäufe der Marke Nike gingen sogar um 13 Prozent zurück, die Umsätze der eigenen Geschäfte um fünf Prozent.
Das Großhandelsgeschäft erwies sich als stabiler. Dort setzte Nike 6,8 Milliarden Dollar um, ein Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Das unterstreicht die Bedeutung des Strategiewechsels, mit dem der Konzern seine Beziehungen zu externen Händlern wieder ausgebaut hat.
Auch Converse blieb ein Problemfeld. Der Umsatz der Nike-Tochter sank um 28 Prozent auf 263 Millionen Dollar. Für die Kernmarke Nike insgesamt gingen die Erlöse um vier Prozent auf rund elf Milliarden Dollar zurück.
Trotz des Umsatzrückgangs verbesserten sich einige Ergebniskennzahlen. Die Bruttomarge stieg um 0,6 Prozentpunkte auf 42,8 Prozent. Nike führte dies vor allem auf niedrigere Lager- und Logistikkosten zurück. Die Vertriebs- und Verwaltungskosten gingen um drei Prozent auf 3,9 Milliarden Dollar zurück. Unter dem Strich verdiente Nike rund 712 Millionen Dollar, etwa zwei Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Der verwässerte Gewinn je Aktie lag bei 0,48 Dollar.
Besonders schwierig ist die Entwicklung in Greater China. Dort brachen die Erlöse im ersten Geschäftsquartal währungsbereinigt um 26 Prozent ein. Reuters zufolge war es bereits das neunte Quartal in Folge mit sinkenden Umsätzen in der Region. Nordamerika entwickelte sich dagegen besser: Dort stiegen die Erlöse währungsbereinigt um zwei Prozent.
China ist für Nike nicht nur wegen seiner Größe wichtig. Der Markt gilt zugleich als Beispiel für den stärkeren Wettbewerb in der internationalen Sportartikelbranche. Neben globalen Konkurrenten gewinnen dort chinesische Anbieter an Bedeutung. Auch spezialisierte Marken wie On und Hoka haben sich in wichtigen Sportsegmenten stärker positioniert.
Dass Schwierigkeiten bei Nike nicht automatisch für eine allgemeine Krise der gesamten Branche stehen, zeigt der Blick auf Adidas. Der deutsche Wettbewerber hatte Ende Juli für sein zweites Quartal 2026 ein währungsbereinigtes Umsatzplus von 14 Prozent auf 6,74 Milliarden Euro gemeldet. Besonders stark entwickelte sich dort das Performance-Geschäft mit Fußball und Running.
Mit dem Programm „Pace“ will Nike nun tiefer in seine Kostenstruktur eingreifen. Geplant sind unter anderem eine Modernisierung der globalen Lieferkette, ein neuer Unternehmensstandort in Indien, eine Neuordnung der regionalen Organisation und eine weitere Verschlankung des Konzerns. Künftig soll Nike seine Geschäfte in drei statt bisher vier geografischen Regionen organisieren.
Bis zum Geschäftsjahr 2031 erwartet das Unternehmen durch das Programm kumulierte Einsparungen von etwa 2,5 Milliarden Dollar. Gleichzeitig rechnet Nike mit zusätzlichen Vorsteuerbelastungen von rund einer Milliarde Dollar, die überwiegend aus Abfindungen und anderen personalbezogenen Kosten bestehen sollen. Hinzu kommen rund 300 Millionen Dollar an Abfindungskosten, die bereits im Geschäftsjahr 2025/26 erfasst wurden. Für 2026/27 erwartet Nike weitere rund 300 Millionen Dollar an Belastungen aus dem Programm.
Damit steht fest, dass der Konzern weitere Stellen abbauen will. Die konkrete Größenordnung ist allerdings noch offen. Reuters zufolge erklärte Nike, dass die Zahl der betroffenen Stellen und deren Standorte noch nicht bekannt seien. Beschäftigte sollen demnach ab 2027 über Entscheidungen informiert werden.
Der Schritt folgt auf bereits erfolgte Einschnitte. Im April 2026 hatte Nike den Abbau von rund 1.400 Unternehmensstellen angekündigt, vor allem im Technologiebereich. Diese früher angekündigten Kürzungen sind von den nun geplanten zusätzlichen Maßnahmen zu unterscheiden.
Für Anleger war neben den Quartalszahlen vor allem der Ausblick entscheidend. Nike erwartet für das gesamte Geschäftsjahr 2026/27 inzwischen einen Umsatzrückgang im hohen einstelligen Prozentbereich. Die durchschnittliche Analystenerwartung hatte laut LSEG zuvor lediglich bei einem Rückgang von ungefähr zwei Prozent gelegen. Beim bereinigten verwässerten Gewinn je Aktie stellt Nike 1,15 bis 1,35 Dollar in Aussicht. Restrukturierungskosten von etwa 0,15 Dollar je Aktie sind dabei ausgeklammert.
Die erste Reaktion an der Börse fiel deutlich aus. Im nachbörslichen US-Handel am 1. Oktober verlor die Nike-Aktie nach Veröffentlichung der Zahlen zeitweise 8,5 Prozent, wie Reuters berichtete. Am Freitag, 2. Oktober 2026, schloss die Aktie an der New York Stock Exchange bei 33,87 Dollar. Das entsprach einem Tagesverlust von 3,64 Prozent. Der Schlusskurs bezieht sich auf 16 Uhr US-Ostküstenzeit und stammt aus den historischen Kursdaten von StockAnalysis.
Bemerkenswert war die Schwäche auch deshalb, weil der breite US-Aktienmarkt an diesem Tag zulegte. Der S&P 500 gewann am 2. Oktober laut Reuters 0,73 Prozent, während Nike 3,6 Prozent verlor. Die Bewegung lässt sich damit nicht allein mit der allgemeinen Marktentwicklung erklären.
Die aktuellen Zahlen ergeben ein gemischtes Bild. Positiv sind die höhere Bruttomarge und niedrigere operative Kosten. Gleichzeitig schrumpft der Umsatz, das Direktgeschäft verliert deutlich und ausgerechnet der wichtige chinesische Markt bleibt stark unter Druck. Hinzu kommt, dass ein großer Teil der erwarteten Einsparungen aus „Pace“ erst in späteren Geschäftsjahren wirksam werden soll.
Damit verschiebt sich der Blick von kurzfristigen Quartalsergebnissen stärker auf die Frage, ob Nike wieder nachhaltiges Umsatzwachstum erreichen kann. Kostenkürzungen können Margen stabilisieren, ersetzen jedoch keine erfolgreichen Produkte oder steigende Nachfrage. Für die internationale Sportartikelbranche zeigen die Zahlen zugleich, wie unterschiedlich die Entwicklung derzeit verläuft: Während Nike mit rückläufigen Erlösen, China-Problemen und einem weitreichenden Konzernumbau kämpft, weisen einzelne Wettbewerber weiterhin deutliches Wachstum auf.
Eine Aussage darüber, wie sich die Nike-Aktie künftig entwickeln wird, lässt sich daraus nicht ableiten. Die Kursreaktion macht jedoch deutlich, dass Investoren neben Einsparungen vor allem Fortschritte bei Umsatz, Produktportfolio und dem Geschäft in China erwarten dürften.
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