Next2Sun beantragt Eigenverwaltung für zwei Töchter und führt Projekte weiter

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Symbolbild: Evan Wise

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Der Agri-PV-Spezialist Next2Sun hat für zwei Gesellschaften seiner Unternehmensgruppe Insolvenzanträge gestellt. Betroffen sind die Next2Sun Technology GmbH und die Next2Sun Mounting Systems GmbH. Beim Amtsgericht Saarbrücken wurde nach Angaben des Unternehmens jeweils die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung beantragt. Die Next2Sun AG und die für die Projektentwicklung zuständige Next2Sun Projekt GmbH sind nach aktuellem Stand nicht betroffen. Auch Gesellschaften, die bereits fertiggestellte Agri-PV-Anlagen betreiben, sollen außerhalb der beantragten Verfahren bleiben.

Damit betrifft die finanzielle Krise zwar wichtige operative Teile der Gruppe, aber nicht sämtliche Aktivitäten des saarländischen Solarspezialisten. Die Next2Sun Projekt GmbH soll ihre laufenden Projektentwicklungen fortsetzen. Bei Projekten, die von den beiden betroffenen Gesellschaften bearbeitet werden, soll dagegen geprüft werden, ob sie wirtschaftlich weitergeführt werden können.

Finanzierung über neue Aktien reicht nicht aus

Dem Schritt war eine mehrere Wochen dauernde Suche nach frischem Kapital vorausgegangen. Next2Sun hatte im August eine Aktienemission mit einem Volumen von bis zu fünf Millionen Euro gestartet. Mit dem Kapital wollte das Unternehmen unter anderem eigene Solarprojekte vorantreiben und das weitere Wachstum finanzieren.

Im September verschärfte sich die Situation. Next2Sun erklärte, dass die Finanzierung für den Fortbestand des Unternehmens nicht ausreichend gesichert sei. Ende September lagen nach Unternehmensangaben zunächst Aktienzeichnungen und weitere Finanzierungsangebote von insgesamt mehr als fünf Millionen Euro vor. Damit schien das angestrebte Volumen nominell erreicht. Allerdings mussten die Zusagen noch auf ihre Verbindlichkeit geprüft werden.

Diese Prüfung führte schließlich zu einem anderen Ergebnis. Zwei größere Investmentzusagen konnten nach Angaben von Next2Sun nicht mit ausreichender Sicherheit umgesetzt werden. Die erforderliche Finanzierung kam deshalb nicht zustande. Die geplante Kapitalerhöhung wird nicht durchgeführt und bereits abgegebene Zeichnungen werden nicht angenommen. Anlegergelder sollen entsprechend nicht eingezogen werden.

Projektgesellschaft soll unabhängig weiterarbeiten

Die beantragten Insolvenzverfahren bei Next2Sun betreffen unterschiedliche Teile der Wertschöpfungskette. Die Technology GmbH ist unter anderem mit Entwicklung und technischen Lösungen beschäftigt. Die Mounting Systems GmbH verantwortet insbesondere Komponenten und Montagesysteme für die vertikal aufgestellten Photovoltaikanlagen.

Die Projektentwicklung ist dagegen in einer eigenen Gesellschaft organisiert. Die Next2Sun Projekt GmbH soll nach Angaben der Gruppe ihre laufenden Entwicklungen weiter vorantreiben. Auch bereits realisierte Agri-PV-Projekte in separaten Projektgesellschaften seien nicht insolvent. Das ist für Grundstückseigentümer, Projektpartner und Betreiber relevant, weil ein Insolvenzantrag innerhalb einer Unternehmensgruppe nicht automatisch sämtliche verbundenen Gesellschaften und Projekte erfasst.

Bei den beiden betroffenen Unternehmen soll der Geschäftsbetrieb ebenfalls fortgeführt werden. Laufende Vorhaben werden laut Next2Sun daraufhin geprüft, ob sie wirtschaftlich umgesetzt werden können. Zugleich soll die Suche nach Investoren weitergehen. Einen konkreten Zeitplan für eine Sanierung oder einen Einstieg neuer Kapitalgeber nannte das Unternehmen zunächst nicht.

Was die beantragte Eigenverwaltung bedeutet

Mit dem Antrag auf Eigenverwaltung verfolgt Next2Sun einen Sanierungsweg innerhalb des deutschen Insolvenzrechts. Wird eine Eigenverwaltung vom Insolvenzgericht angeordnet, bleibt die Verwaltung des Unternehmens grundsätzlich beim Schuldner. Sie erfolgt jedoch unter Aufsicht eines gerichtlich bestellten Sachwalters. Für eine vorläufige Eigenverwaltung prüft das Gericht unter anderem die vorgelegte Eigenverwaltungsplanung.

Für Next2Sun war am Montag zunächst entscheidend, dass die entsprechenden Verfahren beantragt wurden. Eine öffentlich bestätigte Entscheidung des Amtsgerichts Saarbrücken über die Anordnung der Eigenverwaltung lag zunächst nicht vor.

Welche unmittelbaren Folgen sich für die Beschäftigten ergeben, blieb ebenfalls offen. Next2Sun gibt für die gesamte Gruppe mehr als 140 Mitarbeitende an Standorten in Deutschland, Österreich, Polen und Japan an. Wie viele davon bei der Technology GmbH und der Mounting Systems GmbH beschäftigt sind, wurde in der aktuellen Mitteilung nicht aufgeschlüsselt. Konkrete Stellenstreichungen wurden nicht angekündigt. Als Ziel nennt das Unternehmen, möglichst viele Arbeitsplätze und das vorhandene Fachwissen zu erhalten.

Next2Sun setzte stark auf vertikale Agri-PV

Next2Sun gehört zu den spezialisierten Anbietern für senkrecht installierte bifaziale Solarmodule. Anders als klassische Freiflächenanlagen stehen die Module vertikal und können Sonnenlicht von beiden Seiten nutzen. Bei einer Ost-West-Ausrichtung verschiebt sich ein größerer Teil der Stromerzeugung in die Morgen- und Abendstunden. Gleichzeitig bleiben zwischen den Modulreihen landwirtschaftlich nutzbare Flächen erhalten.

Die Technik wird inzwischen auch außerhalb Deutschlands eingesetzt. Erst Ende September eröffnete Next2Sun gemeinsam mit Partnern im italienischen Portogruaro eine Agri-PV-Anlage mit einer Leistung von einem Megawatt. Auf der Fläche sollen neben der Stromproduktion weiterhin unter anderem Getreide, Soja und Kräuter angebaut werden. Insgesamt gibt Next2Sun für seine bislang realisierten Projekte im In- und Ausland eine Leistung von mehr als 65 Megawatt an.

Die finanzielle Krise steht damit einem zuletzt wachsenden Projektgeschäft gegenüber. Für 2026 hatte das Unternehmen noch mit der Auslieferung von rund 50 Megawatt Projektvolumen gerechnet. Ob dieses Ziel nach den Insolvenzanträgen vollständig erreicht werden kann, ist derzeit offen.

Förderunsicherheit belastet spezielle Solarprojekte

Next2Sun hatte seine Finanzierungsprobleme unter anderem mit Belastungen aus dem Geschäftsjahr 2025 und einer schwierigen Finanzierungssituation für Projekte im Bereich erneuerbarer Energien begründet. Das Unternehmen verwies dabei auch auf ausstehende beziehungsweise nicht wirksam gewordene Förderregelungen für Agri-PV.

Tatsächlich bestehen bei Teilen der deutschen Solarregulierung weiterhin offene europarechtliche Fragen. Die Bundesnetzagentur weist für Ausschreibungen 2026 darauf hin, dass mehrere mit dem Solarpaket I eingeführte Regelungen für Solaranlagen wegen fehlender beihilferechtlicher Genehmigung der Europäischen Kommission noch nicht angewendet werden können. Davon sind auch Regelungen für besondere Solaranlagen betroffen.

Damit ist allerdings nicht belegt, dass diese regulatorische Unsicherheit allein die finanzielle Lage von Next2Sun ausgelöst hat. Das Unternehmen nennt daneben ausdrücklich die Zurückhaltung von Investoren und Banken sowie die schwächere Geschäftsentwicklung im Jahr 2025.

Solarzubau wächst trotz wirtschaftlichen Drucks

Die Insolvenzanträge treffen eine Branche, deren Marktbild derzeit widersprüchlich ist. Der Ausbau der Photovoltaik in Deutschland wächst weiter. Nach Auswertung des Marktstammdatenregisters wurden allein im ersten Halbjahr 2026 rund 7,4 Gigawatt neue Solarleistung installiert. Das waren etwa neun Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Insgesamt waren zur Jahresmitte mehr als 125 Gigawatt Solarleistung installiert.

Gleichzeitig stehen einzelne Anbieter und Projektentwickler unter erheblichem Finanzierungs- und Wettbewerbsdruck. Im September meldete der große Solarparkentwickler Enerparc Insolvenz an. Anfang Oktober stellte auch der Leipziger Solaranbieter Energiekonzepte Deutschland einen Insolvenzantrag. Bei beiden Unternehmen soll das operative Geschäft während der Verfahren zumindest zunächst weiterlaufen.

Aus diesen Fällen lässt sich jedoch keine allgemeine Krise des Photovoltaikausbaus ableiten. Die installierte Leistung wächst weiter deutlich. Zugleich erhöhen schwankende Strompreise, Finanzierungsbedingungen, regulatorische Änderungen und der starke Wettbewerb den wirtschaftlichen Druck auf einzelne Geschäftsmodelle. Der Bundesverband Solarwirtschaft warnt zudem vor Investitionsunsicherheit durch geplante Änderungen der Förderbedingungen ab 2027.

Für Next2Sun entscheidet sich nun zunächst, ob die betroffenen Gesellschaften den Geschäftsbetrieb stabilisieren und neue Investoren gewinnen können. Die Projektentwicklung innerhalb der Gruppe läuft währenddessen weiter.

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