
Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan setzen ihr erst im August geschlossenes gemeinsames Verteidigungsabkommen erstmals konkret militärisch um. Bei einem Krisentreffen am Montag, 5. Oktober 2026, in Riad beschlossen die drei Staaten, vereinbarte Streitkräfte und militärische Fähigkeiten bereitzustellen und deren schnelle Verlegung in das Königreich vorzubereiten. Anlass sind die erneut stark eskalierten Kämpfe im Jemen sowie eine Serie von Raketen- und Drohnenangriffen auf Saudi-Arabien. Welche Einheiten aus der Türkei und Pakistan kommen sollen, wie viele Soldaten vorgesehen sind und welche Aufgaben sie übernehmen, wurde zunächst nicht mitgeteilt.
Die Entscheidung fiel bei einer außerordentlichen Sitzung des Strategischen Politik- und Verteidigungsausschusses des sogenannten Mekka-Verteidigungsbündnisses. Nach der gemeinsamen Erklärung soll unverzüglich mit der praktischen Umsetzung der kollektiven Verteidigungsverpflichtungen begonnen werden. Vorgesehen sind die Bereitstellung bereits vereinbarter militärischer Kräfte und Fähigkeiten sowie deren rasche Stationierung in Saudi-Arabien. Die jeweiligen nationalen Gesetze müssen dabei eingehalten werden.
Damit ist der Weg für Truppen nach Saudi-Arabien grundsätzlich freigegeben. Von einer bereits abgeschlossenen Verlegung größerer türkischer oder pakistanischer Verbände kann am Dienstagmorgen jedoch noch nicht gesprochen werden. Angaben zu Truppenstärke, Standorten, Waffensystemen oder einem möglichen Kampfeinsatz enthält die Erklärung nicht.
An dem Treffen waren auf türkischer Seite unter anderem Außenminister Hakan Fidan, Verteidigungsminister Yaşar Güler und Generalstabschef Selçuk Bayraktaroğlu beteiligt. Zugleich wurde der frühere pakistanische Generalleutnant Nauman Mahmood für drei Jahre zum ersten Generalsekretär des Bündnisses bestimmt.
Saudi-Arabien wirft der vom Iran unterstützten Huthi-Bewegung aus dem Jemen eine Serie von Angriffen auf Städte, zivile Einrichtungen und wirtschaftliche Infrastruktur vor. Das saudische Außenministerium nannte am Montag ausdrücklich Riad sowie Abha, Khamis Mushait, Dschisan, Nadschran, Taif und Yanbu. Auch saudische Schiffe im südlichen Roten Meer und in der Meerenge Bab al-Mandab seien angegriffen worden. Riad bekräftigte daraufhin sein Recht, sein Staatsgebiet und seine Infrastruktur militärisch zu verteidigen.
Nicht jeder einzelne gemeldete Treffer ist allerdings bestätigt. Die Huthi erklärten am Montag, sie hätten unter anderem den internationalen Flughafen King Khalid in Riad, eine Aramco-Raffinerie in Rabigh, den Flughafen von Abha sowie einen Militärstandort in Khamis Mushait mit Raketen und Drohnen angegriffen. Eine unabhängige Bestätigung für diese konkreten Angaben lag zunächst nicht vor. Auch Saudi-Arabien und Aramco hatten einzelne von den Huthi behauptete Treffer zunächst nicht bestätigt.
Bereits am Samstag hatten die Huthi erklärt, eine Aramco-Anlage in Riad angegriffen zu haben. Ein Augenzeuge berichtete über Feuer und starken Rauch in der Nähe einer Aramco-Einrichtung. Eine offizielle saudische Bestätigung, dass die Anlage tatsächlich getroffen worden war, lag zunächst nicht vor.
Besonders politische und religiöse Bedeutung haben die Vorwürfe zu Angriffen auf Mekka und Medina. Die saudisch geführte Militärkoalition erklärte Anfang Oktober, eine Stromverteilerstation in Medina sei durch einen Huthi-Angriff beschädigt worden. Die Station versorgt nach saudischen Angaben auch die Prophetenmoschee. Ein Transformator sei ausgefallen, die Stromversorgung insgesamt aber nicht beeinträchtigt worden. Die Koalition erklärte, Untersuchungen von Drohnentrümmern hätten eine Beteiligung der Huthi ergeben. Die Huthi bestritten den Angriff.
Auch einen zuvor von Saudi-Arabien gemeldeten Versuch, Mekka mit einer Drohne anzugreifen, wiesen die Huthi zurück. Saudi-Arabien hatte erklärt, die Drohne sei südlich der Stadt abgefangen worden. Die gemeinsame Erklärung Saudi-Arabiens, der Türkei und Pakistans vom Montag verurteilte Versuche, Mekka und Medina anzugreifen, nannte in diesem Absatz aber keinen Verantwortlichen. Das saudische Außenministerium machte in einer separaten Stellungnahme die Huthi für die Angriffsserie verantwortlich.
Das Mekka-Abkommen ist noch keine zwei Monate alt. Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan hatten es am 7. August 2026 in Mekka unterzeichnet. Kern des Vertrags ist eine klassische Beistandsklausel: Ein bewaffneter Angriff auf einen der drei Staaten soll als Angriff auf alle gelten. Pakistan bezeichnete die Vereinbarung bei ihrer Unterzeichnung ausdrücklich als defensives Bündnis.
Ende August begannen die drei Länder mit dem Aufbau gemeinsamer Strukturen. Vorgesehen sind unter anderem ein Sekretariat in Saudi-Arabien, eine engere Zusammenarbeit der Streitkräfte sowie Kooperation bei Rüstung, Technologieentwicklung und gemeinsamer Produktion. Mit dem Beschluss vom 5. Oktober erhält das bislang vor allem institutionelle Bündnis nun erstmals eine unmittelbar operative Komponente.
Pakistan hatte bereits vor dem Treffen deutlich gemacht, seine Verpflichtungen gegenüber Saudi-Arabien einhalten zu wollen. Zugleich hielt Islamabad diplomatische Kontakte zu Iran offen. Außenminister Ishaq Dar hatte noch am Freitag erklärt, Teheran habe Gespräche über einen politischen Kontakt zu den Huthi angeregt. Dabei handelte es sich nach seinen Angaben nicht um ein formelles Verhandlungsangebot.
Parallel zur Bündnisaktivierung läuft im Jemen eine große Gegenoffensive der international anerkannten Regierungstruppen gegen die Huthi. Mit massiver saudischer Luftunterstützung rückten Regierungseinheiten am Montag entlang der Küste am Bab al-Mandab vor. Die Meerenge verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und gehört zu den wichtigsten Schifffahrtswegen zwischen Europa und Asien.
Am Dienstag teilte die saudisch geführte Koalition zudem mit, in Sanaa eine Abschussplattform für ballistische Raketen sowie in der Provinz Saada ein Raketenlager angegriffen und zerstört zu haben. In dem Lager hätten sich nach Angaben der Koalition 20 ballistische Raketen befunden. Unabhängig überprüfbare Angaben zum Ausmaß der Schäden lagen zunächst nicht vor.
Der Konflikt im Jemen hatte nach der UN-vermittelten Waffenruhe von 2022 mehrere Jahre deutlich an Intensität verloren. Seit dem Sommer 2026 sind die grenzüberschreitenden Angriffe und die Kämpfe innerhalb des Landes jedoch wieder massiv angestiegen. Zehntausende Menschen wurden erneut vertrieben. Die ohnehin schwere humanitäre Krise verschärft sich dadurch weiter.
Die Eskalation wirkt sich auch auf die Energiemärkte aus. Am Dienstagmorgen lag die Nordseesorte Brent bei rund 100,59 Dollar je Barrel, etwa 0,3 Prozent höher als zuvor. US-Öl der Sorte WTI notierte bei 89,73 Dollar. Die Huthi-Angriffe auf Saudi-Arabien tragen zum geopolitischen Risikoaufschlag bei, sind aber nicht der einzige Grund für das hohe Preisniveau. Auch die Sicherheitslage rund um die Straße von Hormus, gestiegene Transportkosten und Probleme bei der Energieversorgung in der gesamten Golfregion spielen eine wichtige Rolle.
Gleichzeitig haben sich die Ölexporte aus mehreren Golfstaaten zuletzt stärker erholt als erwartet. Saudi-Arabien konnte seine Rohölausfuhren im September deutlich erhöhen. Außerdem haben die G7-Staaten die Freigabe von 100 Millionen Barrel Öl und Diesel aus strategischen Reserven vereinbart. Diese Faktoren begrenzen derzeit den zusätzlichen Preisdruck. Neue Angriffe auf Förderanlagen, Raffinerien oder wichtige Schifffahrtswege könnten die Versorgungslage jedoch erneut verändern.
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