
Beim Kölner Motorenhersteller Deutz könnten bis zu 400 Arbeitsplätze wegfallen. Nach Informationen des Handelsblatts sind rund 100 der betroffenen Stellen bereits im Abbau oder schon weggefallen. Über einen möglichen Wegfall weiterer 300 Arbeitsplätze sei am Dienstag, 6. Oktober, intern abgestimmt worden. Besonders betroffen wäre demnach das Geschäft mit kleineren Motoren. Deutz wollte sich dem Handelsblatt zufolge auf Anfrage nicht zu dem Vorgang äußern. Eine offizielle Bestätigung für Umfang, Standorte oder einen konkreten Zeitplan lag zunächst nicht vor.
Der mögliche Stellenabbau bei Deutz würde vor allem einen Bereich betreffen, der weiterhin einen großen Teil des Konzernumsatzes erwirtschaftet. Das Engines-Segment bündelt das traditionelle Verbrennungsmotorengeschäft für Anwendungen wie Bau- und Landmaschinen, Gabelstapler, Hebebühnen und andere professionelle Fahrzeuge und Geräte. Nach Angaben des Handelsblatts soll insbesondere das Geschäft mit kleineren Motoren unter schwacher Nachfrage und Kostendruck stehen. Wie sich die genannten Stellen auf einzelne Standorte, Funktionen oder Länder verteilen könnten, blieb zunächst offen. Ebenfalls unklar war, in welchem Umfang die Maßnahmen mit bereits laufenden Restrukturierungen zusammenhängen.
Die jüngsten veröffentlichten Geschäftszahlen zeigen, weshalb Deutz im klassischen Motorengeschäft weiter auf Kosten und Effizienz schaut. Im ersten Halbjahr 2026 erhöhte sich der Umsatz des Segments Engines gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,7 Prozent auf 642,4 Millionen Euro. Der Auftragseingang stieg um 14,3 Prozent auf 703 Millionen Euro. Das bereinigte operative Ergebnis verbesserte sich zwar kräftig von 4,7 Millionen auf 24,3 Millionen Euro, die bereinigte EBIT-Marge lag mit 3,8 Prozent aber weiterhin deutlich unter der Konzernmarge von 7,1 Prozent.
Auf Konzernebene entwickelte sich Deutz wesentlich dynamischer. Der Umsatz stieg im ersten Halbjahr um 10,7 Prozent auf 1,115 Milliarden Euro. Der Auftragseingang legte um 28,7 Prozent auf 1,331 Milliarden Euro zu. Das bereinigte EBIT erhöhte sich um 43,1 Prozent auf 79,7 Millionen Euro. Deutz beschäftigte zum 30. Juni 2026 insgesamt 6.316 Mitarbeiter auf Vollzeitbasis, 13,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Anstieg hing auch mit Zukäufen und dem Ausbau neuer Geschäftsfelder zusammen.
Ein Personalabbau wäre für Deutz nicht neu. Der Konzern hatte bereits mit dem Programm Future Fit seine Kostenbasis im traditionellen Geschäft gesenkt. Ende 2025 waren nach Unternehmensangaben 203 Beschäftigte über ein freiwilliges Abfindungsprogramm ausgeschieden. Frühere Planungen sahen eine Reduzierung um insgesamt 300 Vollzeitstellen vor, davon 225 in Deutschland und 75 im Ausland. Das Unternehmen hatte zugleich Einsparungen von mehr als 50 Millionen Euro jährlich angestrebt.
Im Mai 2026 erklärte Deutz, die Maßnahmen des Programms seien umgesetzt und das ursprüngliche Einsparziel werde voraussichtlich um rund zehn Prozent übertroffen. Mehr als 40 Millionen Euro der Einsparungen sollten auf das Engines-Segment entfallen. Unklar blieb am Dienstagabend, ob und in welchem Umfang sich die nun genannten bis zu 400 Arbeitsplätze mit bereits bekannten Maßnahmen aus Future Fit überschneiden oder darüber hinausgehen.
Parallel zur Kostensenkung im traditionellen Geschäft baut Deutz sein Geschäftsmodell stark um. Service und dezentrale Energieversorgung sollen größere Umsatz- und Ergebnisbeiträge liefern. Im ersten Halbjahr setzte das Servicegeschäft 298,2 Millionen Euro um, 10,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das Energy-Segment wuchs sogar um 46,9 Prozent auf 116,5 Millionen Euro. Seine bereinigte EBIT-Marge lag mit 10,6 Prozent deutlich über der des klassischen Motorengeschäfts.
Besonders weitreichend ist die geplante Übernahme der Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft, kurz FFG. Deutz vereinbarte im Juli den Kauf des Herstellers militärischer Land- und Spezialfahrzeuge für 1,6 Milliarden Euro. Die Aktionäre stimmten der dafür notwendigen Kapitalmaßnahme im August nahezu einstimmig zu. Der Abschluss der Transaktion wird vorbehaltlich der noch erforderlichen Genehmigungen für Ende 2026 oder das erste Quartal 2027 erwartet. Im September nahm Deutz zudem über eine Kapitalerhöhung rund 179 Millionen Euro brutto ein.
An der Börse hatte die Deutz-Aktie den Dienstag im Plus beendet. Im Xetra-Handel schloss das Papier bei 11,24 Euro und damit 1,08 Prozent über dem Vortag. Der Bericht über den möglichen Stellenabbau wurde erst um 19.17 Uhr veröffentlicht und damit nach Ende des regulären Xetra-Handels. Der Schlusskurs vom Dienstag lässt sich deshalb nicht als Reaktion auf die Meldung über den möglichen Jobabbau werten.
Die Aktie hatte Anfang September zeitweise mehr als 13 Euro gekostet. Am 10. September wurde auf Xetra ein Tageshoch von 13,35 Euro erreicht. Danach gab der Kurs wieder nach. Eine eindeutige Verbindung dieser Entwicklung zu einzelnen operativen Nachrichten lässt sich daraus nicht ableiten.
Für das Gesamtjahr 2026 hält Deutz bislang an seiner Prognose fest. Der Konzern erwartet einen Umsatz zwischen 2,3 und 2,5 Milliarden Euro und eine bereinigte EBIT-Marge zwischen 6,5 und 8,0 Prozent. Für den freien Cashflow vor Ausgaben für Übernahmen wurde zuletzt ein hoher zweistelliger Millionenbetrag in Aussicht gestellt.
Die nächsten regulären Geschäftszahlen sollen am 5. November mit der Mitteilung für die ersten neun Monate 2026 folgen. Dann dürfte sich auch deutlicher zeigen, wie sich das klassische Motorengeschäft im dritten Quartal entwickelt hat. Für die nun genannten bis zu 400 Stellen lagen am Dienstagabend dagegen noch keine offiziell bestätigten Details zu Standorten, Zeitplan oder konkreter Umsetzung vor.
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