Finnische Behörde bremst Googles Rechenzentrumspläne im Norden

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Grzegorz Walczak

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Eine finnische Aufsichtsbehörde hat weitreichende Vorarbeiten an zwei geplanten Google-Rechenzentren in Nordfinnland vorerst gestoppt. Betroffen sind Projekte in Muhos und Kajaani. Die für die Vorhaben verantwortliche Tuike Finland Oy soll Arbeiten einstellen, die die Umwelt erheblich verändern können. Hintergrund sind noch nicht abgeschlossene Umweltverträglichkeitsprüfungen. Auf den Flächen wurden nach Angaben der Behörde bereits unter anderem Bäume entfernt, Oberboden abgetragen sowie Baustellenstraßen und Lagerflächen angelegt. Ein endgültiges Urteil darüber, ob die bisherigen Arbeiten rechtswidrig waren, ist damit jedoch nicht verbunden.

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Behörde verlangt Stopp bis spätestens 23. Oktober

Die zuständige Lupa- ja valvontavirasto, kurz LVV, veröffentlichte ihre Aufforderung am Dienstag, 6. Oktober 2026. Tuike Finland Oy soll die betreffenden Arbeiten unverzüglich und spätestens bis zum 23. Oktober einstellen. Die Einschränkung soll gelten, bis die Umweltverträglichkeitsprüfungen für die Projekte abgeschlossen sind. Grundlage der behördlichen Aufforderung ist Paragraf 32 Absatz 2 des finnischen Gesetzes über Umweltverträglichkeitsprüfungen. Die Prüfverfahren für Muhos und Kajaani laufen nach Angaben der LVV weiterhin. Die zugehörigen Umweltberichte sollen nach derzeitiger Planung noch im Laufe des Jahres 2026 fertiggestellt werden.

Von dem Stopp betroffen sind ausdrücklich Baumfällungen, das Entfernen von Oberboden, Grabungsarbeiten, Sprengungen, das Zerkleinern von Gestein, das Bewegen von Erdmassen, Entwässerungsarbeiten sowie der Bau von Baustellenstraßen und Lagerflächen. Planung, Vermessungen, Bodenuntersuchungen und andere Maßnahmen mit geringen und leicht rückgängig zu machenden Auswirkungen dürfen dagegen fortgesetzt werden. Die Bezeichnung als vollständiger Baustopp für beide Rechenzentren greift deshalb zu weit.

Hunderte Hektar an beiden Standorten betroffen

In Muhos wurden nach Angaben von Google rund 330 Hektar Wald gefällt. Der finnische Rundfunk Yle hatte diese Größenordnung bereits im Zusammenhang mit dem laufenden Verfahren genannt. In Kajaani beziehungsweise im dortigen Ortsteil Otanmäki sollen die Rodungs- und Vorbereitungsarbeiten knapp 200 Hektar umfasst haben. Damit geht es an beiden Standorten um sehr große Flächen.

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Die LVV selbst nennt in ihrer öffentlichen Mitteilung keine Hektarzahl. Sie hält jedoch fest, dass nach den ihr vorliegenden Unterlagen bereits umfangreiche Arbeiten vorgenommen wurden. Dazu zählen neben der Entfernung von Bäumen der Abtrag von Oberboden, Veränderungen an Gräben und Durchlässen sowie Maßnahmen für die Ableitung von Regenwasser. Nach Einschätzung der Behörde verändern solche Arbeiten die Umgebung in einem Umfang, dessen Auswirkungen gerade im Umweltprüfungsverfahren untersucht werden sollen.

Tuike Finland muss bis 14. Oktober Stellung nehmen

Neben der Aufforderung zur Einstellung der Arbeiten hat die LVV Tuike Finland Oy Gelegenheit zu einer schriftlichen Stellungnahme gegeben. Sie muss spätestens am 14. Oktober 2026 bei der Behörde eingehen. Das Unternehmen soll darin unter anderem erklären, ob es der Aufforderung folgen wird. Die Behörde hatte bereits am 18. September Informationen von Tuike Finland, der Gemeinde Muhos, der Stadt Kajaani und den jeweiligen Bauaufsichtsbehörden angefordert.

Sollte das Unternehmen die Aufforderungen für die beiden Standorte nicht befolgen, kann die LVV ein förmliches Verwaltungszwangsverfahren prüfen. Dieses könnte nach Angaben der Behörde nötigenfalls mit einem Zwangsgeld verbunden werden. Zunächst setzt die LVV jedoch auf eine freiwillige Umsetzung ihrer Vorgaben. Die Behörde hat damit noch keine endgültige Sanktion verhängt.

Google will Vorgaben der finnischen Behörde befolgen

Google erklärte nach Bekanntwerden der Entscheidung, die Bedenken nachvollziehen zu können. Der Konzern räumte zugleich ein, in diesem Fall den eigenen hohen Standards nicht entsprochen zu haben. Google kündigte an, die Feststellungen der LVV zu prüfen und deren Vorgaben zu befolgen. Zugleich vertritt das Unternehmen die Position, bei den Forstarbeiten in gutem Glauben auf Grundlage des finnischen Forstrechts gehandelt und Untersuchungen zum Schutz ökologisch wertvoller Bereiche vorgenommen zu haben.

Damit bestehen unterschiedliche Bewertungen der bisherigen Arbeiten. Die LVV sieht die Gefahr, dass umfangreiche Veränderungen vor Abschluss der Umweltprüfung deren vorbeugende Wirkung schwächen und die Prüfung möglicher Alternativen einschränken. Ob aus den bereits vorgenommenen Arbeiten darüber hinaus konkrete rechtliche Verstöße folgen, war zunächst nicht abschließend geklärt.

Google plant Milliardeninvestitionen in Finnland

Der Vorgang trifft Google mitten in einer erheblichen Ausweitung seiner Infrastruktur in Finnland. Erst am 9. September hatte der Konzern Investitionen von insgesamt 13 Milliarden Euro für die kommenden zwei Jahre angekündigt. Das Geld soll in digitale Infrastruktur, Energieprojekte und weitere Vorhaben fließen. Google bezeichnete das Programm als seine bislang größte einzelne Investition in Europa. Neben Muhos und Kajaani spielen dabei auch Vaala sowie der bereits etablierte Standort Hamina eine Rolle.

Der Ausbau steht im Zusammenhang mit dem wachsenden Bedarf an Rechenkapazitäten für klassische Internetdienste, Cloud-Anwendungen und künstliche Intelligenz. Finnland ist für große Rechenzentren unter anderem wegen seines vergleichsweise kühlen Klimas, verfügbarer Flächen und seiner Energieinfrastruktur attraktiv. Google betreibt in Hamina bereits seit Jahren ein großes Rechenzentrum. Die neuen Google-Rechenzentren in Finnland sollen die dortige Infrastruktur deutlich erweitern.

Umweltprüfung wird zum entscheidenden nächsten Schritt

Für die Projekte in Muhos und Kajaani steht nun zunächst der Abschluss der laufenden Umweltverträglichkeitsprüfungen im Mittelpunkt. Das finnische Verfahren soll sicherstellen, dass voraussichtlich erhebliche Auswirkungen auf Natur und Umwelt untersucht werden, bevor wesentliche Entscheidungen und Arbeiten zur Umsetzung eines Projekts erfolgen. Genau auf diesen zeitlichen Ablauf stützt die LVV ihre aktuelle Intervention.

Bis spätestens 14. Oktober muss Tuike Finland auf die Aufforderung reagieren. Spätestens am 23. Oktober müssen die von der LVV erfassten umweltverändernden Arbeiten eingestellt sein. Andere vorbereitende Tätigkeiten können weiterlaufen. Damit sind die beiden Rechenzentrumsprojekte nicht grundsätzlich untersagt. Ihr weiterer Fortgang hängt jedoch zunächst davon ab, dass die Umweltverfahren abgeschlossen und die offenen behördlichen Fragen geklärt werden.

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