Vonovia stellt neue Wohnungsprojekte in Berlin infrage

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Der Wohnungskonzern Vonovia stellt weitere Neubauprojekte in Berlin vorerst infrage. Nach der Fertigstellung von rund 1.000 bereits im Bau befindlichen Wohnungen könnten zunächst keine neuen Vorhaben mehr beginnen. Vorstandschef Luka Mucic verweist auf die politische Unsicherheit in der Hauptstadt. Hintergrund ist die Diskussion über eine mögliche Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen nach dem Wahlsieg der Linken. Auch an der Börse hinterlässt die Entwicklung Spuren.

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Rund 1.000 Wohnungen sollen noch fertiggestellt werden

Wie Konzernchef Luka Mucic im Gespräch mit Business Insider deutlich machte, prüft Vonovia eine Pause bei neuen Bauprojekten in Berlin. Die bereits begonnenen Vorhaben sollen allerdings abgeschlossen werden. Derzeit entstehen nach Unternehmensangaben rund 1.000 Wohnungen in der Hauptstadt.

Anschließend könnten weitere Neubaustarts zunächst ausbleiben. Entscheidend sind aus Sicht des Unternehmens die politischen Rahmenbedingungen und die Frage, ob die künftige Berliner Landesregierung die Vergesellschaftung großer privater Wohnungsbestände vorantreibt.

Vonovia gehört zu den größten privaten Wohnungsvermietern Europas. Gemeinsam mit der Tochter Deutsche Wohnen verfügt der Konzern in Berlin und Umgebung über rund 138.000 Wohnungen. Politische Entscheidungen in der Hauptstadt haben deshalb erhebliche Bedeutung für das Unternehmen.

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Berliner Enteignungsdebatte gewinnt an Bedeutung

Auslöser der neuerlichen Auseinandersetzung ist die Abgeordnetenhauswahl vom 20. September 2026. Die Linke wurde mit 25,7 Prozent stärkste Kraft und setzt sich für die Überführung großer privater Wohnungsbestände in Gemeineigentum ein.

Gemeinsam mit SPD und Grünen lotet die Partei derzeit die Bildung einer neuen Landesregierung aus. Am 8. Oktober verständigten sich die drei Parteien auf Voraussetzungen für Sondierungsgespräche. Eine Einigung über die künftige Wohnungspolitik ist damit noch nicht verbunden.

Insbesondere die mögliche Vergesellschaftung bleibt umstritten. Während die Linke das Vorhaben ausdrücklich verfolgt, lehnt die SPD Enteignungen bislang ab. Die Grünen stehen dem Ansatz grundsätzlich offener gegenüber, sehen aber ungeklärte rechtliche und finanzielle Fragen.

Die Linke verweist auf den Volksentscheid von 2021. Damals unterstützte eine Mehrheit der Abstimmenden die Forderung, ein Gesetz zur Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen auszuarbeiten. Ziel ist es, den öffentlichen Einfluss auf die Mietentwicklung und die Bewirtschaftung bestehender Wohnungen zu vergrößern.

Eine Vergesellschaftung ist noch nicht beschlossen

Rechtlich ist eine Übertragung der Wohnungen keineswegs unmittelbar möglich. Berlin verabschiedete zwar im März 2026 ein Rahmengesetz zur Vergesellschaftung nach Artikel 15 des Grundgesetzes. Dieses tritt jedoch erst im März 2028 in Kraft und führt selbst zu keiner Übertragung von Immobilien.

Für eine tatsächliche Vergesellschaftung wäre ein weiteres Gesetz notwendig. Darin müssten unter anderem die betroffenen Bestände und die Entschädigung geregelt werden. Auch die Verhältnismäßigkeit und die finanziellen Folgen für das Land Berlin wären zu berücksichtigen.

Wie teuer ein solches Vorhaben werden könnte, ist umstritten. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung untersuchte Anfang Oktober verschiedene Modelle mit Entschädigungssummen zwischen acht und 29 Milliarden Euro. Die Wissenschaftler warnen vor erheblichen Belastungen für den Landeshaushalt und möglichen negativen Auswirkungen auf private Investitionen in den Wohnungsbau. Dabei handelt es sich um Modellrechnungen, nicht um bereits feststehende Kosten.

Vonovia-Chef Mucic fordert verlässliche Bedingungen

Mucic hatte bereits unmittelbar nach der Berliner Wahl eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Politik und Wohnungswirtschaft gefordert. Neue Wohnungen und bezahlbare Mieten müssten im Mittelpunkt stehen.

„Vergesellschaftung schafft keine einzige neue Wohnung“, erklärte der Konzernchef am 21. September. Zugleich bot er einer möglichen neuen Landesregierung Gespräche über die angespannte Situation auf dem Berliner Wohnungsmarkt an.

Die geplante Zurückhaltung beim Neubau trifft eine Stadt, in der seit Jahren erheblicher Wohnungsmangel herrscht. Nach Berechnungen des DIW wurden 2025 lediglich 11.027 Wohnungen fertiggestellt. Der rechnerische jährliche Bedarf liegt dagegen bei rund 14.000 zusätzlichen Wohnungen.

Vonovia-Aktie bleibt deutlich unter Druck

Die politischen Entwicklungen in Berlin beschäftigen auch die Finanzmärkte. Bereits unmittelbar nach dem Wahlsieg der Linken gerieten die Aktien von Vonovia und anderen Immobilienunternehmen unter Druck.

Die Vonovia-Aktie verlor in den vergangenen Wochen deutlich an Wert. Am Freitag, 9. Oktober, schloss sie im Xetra-Handel bei 16,31 Euro. Gegenüber dem Vortag bedeutete das zwar einen leichten Anstieg um 0,65 Prozent. Seit Mitte September hat das Papier jedoch spürbar nachgegeben.

Neben den politischen Risiken belasten steigende Finanzierungskosten und das schwierige wirtschaftliche Umfeld die Immobilienbranche. Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der jüngsten Äußerung von Mucic und einer konkreten Kursbewegung lässt sich deshalb nicht feststellen.

Für Vonovia in Berlin hängt die weitere Neubauplanung nun auch davon ab, welchen wohnungspolitischen Kurs die künftige Landesregierung einschlägt. Die laufenden Bauprojekte sollen fertiggestellt werden. Ob danach neue Wohnungen entstehen, ist derzeit offen.

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu