
Der französische Spielekonzern Ubisoft plant weitere Veränderungen an seinen deutschen Entwicklungsstandorten. Betroffen sind die Studios in Düsseldorf, Mainz und Berlin. Nach Informationen des US-Branchendienstes Game File könnten rund 100 Arbeitsplätze entfallen. Das Unternehmen bestätigte am Donnerstag, 15. Oktober 2026, entsprechende Verhandlungen mit den Betriebsräten, nannte jedoch keine konkrete Zahl. Auch das für die bekannte Anno-Spielereihe verantwortliche Studio in Mainz ist einbezogen.
Im Mittelpunkt der Gespräche steht ein Programm für freiwillige Personalabgänge. Beschäftigte sollen die Möglichkeit erhalten, das Unternehmen gegen eine finanzielle Abfindung zu verlassen. Ubisoft bestätigte, dass die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretungen bereits in der vergangenen Woche begonnen haben.
Eine endgültige Vereinbarung liegt bislang nicht vor. Auch die konkreten Bedingungen möglicher Abfindungen werden noch ausgehandelt. Nach Informationen von Game File wurde unter anderem über Zahlungen in Höhe von eineinhalb Monatsgehältern pro Beschäftigungsjahr gesprochen. Ubisoft hat diese mögliche Regelung nicht bestätigt.
Mit dem freiwilligen Programm sollen die geplanten personellen Veränderungen möglichst ohne betriebsbedingte Kündigungen umgesetzt werden. Ob dies gelingt und wie viele Beschäftigte die Angebote tatsächlich annehmen könnten, ist derzeit offen.
Die drei deutschen Studios gehören zum Entwicklerverbund Ubisoft Blue Byte. Insgesamt beschäftigte der Konzern dort zuletzt rund 580 Menschen. Sollten tatsächlich etwa 100 Arbeitsplätze wegfallen, entspräche dies ungefähr jedem sechsten Job.
Besonders stark könnte Düsseldorf betroffen sein. Der Standort ist das größte der drei deutschen Studios. Nach den Informationen von Game File soll mehr als die Hälfte des geplanten Personalabbaus auf Düsseldorf entfallen. Eine offizielle Aufschlüsselung für die einzelnen Standorte gibt es bislang nicht.
Die Teams in Düsseldorf und Berlin arbeiten an internationalen Ubisoft-Produktionen mit. Dazu gehören unter anderem die Spielereihen Rainbow Six und Rayman. Das Studio in Mainz ist vor allem für die Entwicklung der erfolgreichen Aufbaustrategieserie Anno bekannt. Zuletzt entstand dort Anno 117: Pax Romana, das im November 2025 veröffentlicht wurde.
Welche Entwicklungsabteilungen von den möglichen Einschnitten betroffen wären, wurde nicht bekannt. Auch zu konkreten Auswirkungen auf laufende Spieleprojekte gibt es bislang keine gesicherten Angaben.
Die möglichen Kürzungen in Deutschland sind Teil einer umfassenden Neuorganisation des französischen Spieleherstellers. Bereits Anfang 2025 waren am Standort Düsseldorf rund 65 Arbeitsplätze gestrichen worden.
Weltweit ist die Zahl der Beschäftigten bei Ubisoft in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Ende September 2022 arbeiteten noch rund 20.700 Menschen für den Konzern. Ende März 2026 waren es nach Unternehmensangaben 16.590. Allein im Geschäftsjahr 2025/26 verringerte sich die Belegschaft um ungefähr 1.200 Beschäftigte.
Auch andere internationale Standorte sind betroffen. Am 14. Oktober wurden bei Ubisoft Singapur 70 Stellen abgebaut. Gleichzeitig wurde bekannt, dass der Konzern die Schließung seines finnischen Studios RedLynx plant. Dort könnten bis zu 52 Arbeitsplätze wegfallen. Die Schließung ist noch Gegenstand eines Verhandlungsverfahrens.
Bereits im Sommer hatte Ubisoft die Schließung seiner Studios in Winnipeg und Belgrad angekündigt. Hinzu kamen Umstrukturierungen am Standort Barcelona.
Hinter den Veränderungen steht ein umfassender Sparkurs. Ubisoft hatte im Geschäftsjahr 2025/26 einen operativen Verlust von rund 1,32 Milliarden Euro nach internationalen Rechnungslegungsstandards ausgewiesen. Die sogenannten Net Bookings, eine zentrale Kennzahl für die Geschäftsentwicklung von Spieleherstellern, sanken um 17,4 Prozent auf etwa 1,53 Milliarden Euro.
Auch das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2026/27 brachte einen Rückgang. Zwischen April und Juni erreichten die Net Bookings rund 255,8 Millionen Euro und lagen damit 9,2 Prozent unter dem Vorjahreswert. Die Entwicklung fiel allerdings etwas besser aus als vom Unternehmen erwartet.
Ubisoft reagiert mit einer neuen Konzernstruktur, einer stärkeren Konzentration auf ausgewählte Spielemarken und weiteren Kostensenkungen. Bis März 2028 soll die jährliche Fixkostenbasis auf rund 1,25 Milliarden Euro zurückgehen. Ende März 2026 lag sie noch bei etwa 1,44 Milliarden Euro.
Gleichzeitig investiert der Konzern weiterhin in bekannte Marken wie Assassin’s Creed, Far Cry und Rainbow Six. Mit dem chinesischen Technologiekonzern Tencent hat Ubisoft zudem einen finanzstarken Partner für einen Teil seines Spieleportfolios gewonnen.
Für die Beschäftigten in Düsseldorf, Mainz und Berlin hängt die weitere Entwicklung nun von den Verhandlungen mit den Betriebsräten ab. Zunächst müssen die Bedingungen des vorgesehenen Freiwilligenprogramms festgelegt werden.
Ein verbindlicher Zeitplan für den Abschluss der Gespräche wurde nicht veröffentlicht. Ebenso wenig steht fest, wie viele Arbeitsplätze am Ende tatsächlich entfallen werden. Ubisoft hat angekündigt, zu einem späteren Zeitpunkt über den Fortgang des Verfahrens zu informieren.
Damit bleibt der Stellenabbau bei Ubisoft in Deutschland vorerst eine geplante Maßnahme. Fest steht jedoch, dass die drei deutschen Entwicklungsstudios in die weltweite Neuorganisation des Konzerns einbezogen werden sollen.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu