Neue Marinefregatten: Bund setzt auf TKMS und streitet mit Damen um Milliarden

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der Marineschiffbauer TKMS hat bei der Modernisierung der Deutschen Marine einen milliardenschweren Auftrag gesichert. Nach einer weiteren Entscheidung des Bundestages sollen insgesamt acht Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU für rund 11,6 Milliarden Euro beschafft werden. Gleichzeitig entwickelt sich der Abbruch des bisherigen Fregattenprojekts F126 zu einer kostspieligen rechtlichen Auseinandersetzung. Der niederländische Werftkonzern Damen fordert rund 4,7 Milliarden Euro vom Bund.

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Bundestag genehmigt acht TKMS-Fregatten für 11,6 Milliarden Euro

Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat am 8. Oktober 2026 die Beschaffung von vier weiteren MEKO-Fregatten genehmigt. Bereits im Juli hatte das Gremium vier baugleiche Schiffe bewilligt. Für das erste Los sind rund 6,3 Milliarden Euro vorgesehen, die vier zusätzlichen Einheiten sollen rund 5,3 Milliarden Euro kosten. Damit erreicht das Gesamtprogramm ein Volumen von etwa 11,6 Milliarden Euro.

Für TKMS ist es nach Unternehmensangaben der größte Auftrag für Überwasserkriegsschiffe in der Firmengeschichte. Die erste Fregatte soll Ende 2029 an die Deutsche Marine übergeben werden. Weitere Schiffe sollen anschließend in vergleichsweise kurzen Abständen folgen.

Die neuen Fregatten sind insbesondere für die U-Boot-Abwehr vorgesehen. Deutschland will damit seine Verpflichtungen innerhalb der NATO erfüllen und maritime Verbindungen in der Nordsee, Ostsee und im Nordatlantik schützen. Die Entscheidung für acht baugleiche Schiffe soll außerdem Wartung, Ausbildung und langfristigen Betrieb vereinfachen.

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Damen fordert nach gescheitertem F126-Projekt 4,7 Milliarden Euro

Der neue Auftrag steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Ende des Fregattenprogramms F126. Am 24. Juni 2026 hatte das Verteidigungsministerium beschlossen, die ursprünglich vorgesehenen sechs Kriegsschiffe nicht weiterzubauen. Als Gründe nannte das Ministerium erhebliche Verzögerungen, steigende Kosten und Risiken bei einem möglichen Wechsel des Generalunternehmers.

Das ursprünglich mit rund zehn Milliarden Euro kalkulierte Projekt hätte bei einer Fortsetzung nach Berechnungen des Ministeriums mehr als 18 Milliarden Euro beansprucht. Damen Schelde Naval Shipbuilding war der bisherige Generalunternehmer und bestreitet die Darstellung, dass die Verantwortung für die Entwicklung allein beim Unternehmen liege.

Anfang Oktober machte Damen über seine anwaltliche Vertretung Zahlungs- und Freistellungsansprüche von rund 4,7 Milliarden Euro gegenüber der Bundesrepublik geltend. Nach Darstellung der Werft verletzte der Bund mit der Beendigung des Projekts vertragliche Verpflichtungen. Weitere Schadensersatzforderungen würden geprüft.

Die Bundesregierung weist diese Position zurück. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums erklärte am 5. Oktober, der Bund habe bei nicht eingehaltenen Kosten und Terminen das Recht zum Vertragsrücktritt. Deutschland wolle seinerseits mögliche Ansprüche geltend machen, um finanzielle Schäden für den Bundeshaushalt abzuwenden.

Die rechtliche Auseinandersetzung betrifft somit den früheren F126-Vertrag und nicht unmittelbar die neue Beschaffung bei TKMS. Ob Damen bereits eine förmliche Klage bei einem Gericht eingereicht hat, war zunächst nicht bestätigt. Auch über die Berechtigung der gegenseitigen Forderungen ist damit nicht entschieden.

Milliardenauftrag stärkt TKMS, Fregatten entstehen nicht in Kiel

Für die deutsche Werftindustrie bedeutet die Beschaffung eine langfristige Auslastung von Fertigungskapazitäten und Zulieferketten. TKMS hat bereits vor der endgültigen parlamentarischen Freigabe mit vorbereitenden Arbeiten begonnen. Das Unternehmen will zudem prüfen, ob Kapazitäten aus dem eingestellten F126-Projekt in die Produktion einbezogen werden können.

Der Standort Kiel profitiert vor allem als Unternehmenssitz und Zentrum der Marinesparte. Die eigentlichen Fregatten werden allerdings nicht auf der Kieler TKMS-Werft gebaut, die auf U-Boote spezialisiert ist. Die ersten vier MEKO-Schiffe entstehen mit Industriepartnern in Bremerhaven. Wo die zusätzlichen vier Einheiten gefertigt werden, war nach Angaben des Unternehmens vom 8. Oktober noch offen.

Damit eröffnet der Auftrag auch anderen deutschen Werftstandorten und Zulieferunternehmen wirtschaftliche Perspektiven. Konkrete zusätzliche Beschäftigungszahlen für Kiel oder die beteiligten Betriebe wurden zunächst nicht genannt.

TKMS-Aktie profitiert von langfristiger Auftragsplanung

Auch für den Kapitalmarkt ist die Entscheidung bedeutsam. TKMS ist seit Oktober 2025 eigenständig börsennotiert. Thyssenkrupp hielt bei der Abspaltung 51 Prozent der Anteile.

Die TKMS-Aktie notierte am Freitag, 16. Oktober 2026, laut MarketScreener um 17.35 Uhr auf Xetra bei 84,00 Euro. Daraus lässt sich allerdings kein eindeutiger Kurseffekt der bereits am 8. Oktober beschlossenen Fregattenbeschaffung ableiten.

Wirtschaftlich stärkt die Ausweitung des MEKO-Programms die langfristige Planbarkeit des Unternehmens. TKMS hatte Ende Juni 2026 bereits einen Auftragsbestand von rund 20,1 Milliarden Euro ausgewiesen. Der Vertrag für die ersten vier MEKO-Fregatten wurde erst nach diesem Bilanzstichtag unterzeichnet.

Der Milliardenbetrag fließt dem Unternehmen nicht unmittelbar als Gewinn zu. Entscheidend für die tatsächliche Ertragsentwicklung sind die Produktionskosten, die termingerechte Fertigstellung sowie die über mehrere Jahre verteilte Umsatzrealisierung.

Für TKMS eröffnet die Entscheidung damit zusätzliche Geschäftsperspektiven. Für den Bund bleibt neben der Umsetzung des neuen Marineprogramms zugleich die finanzielle Aufarbeitung des gescheiterten F126-Projekts eine offene Aufgabe.

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