Deutz plant weiteren Stellenabbau und stärkt sich mit Millionen-Kapitalerhöhung

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Der Kölner Motorenbauer Deutz steht vor weiteren Einschnitten im traditionellen Geschäft mit kleineren Motoren. Während am Stammwerk Arbeitsplätze wegfallen könnten, treibt der Konzern seine Expansion in neue Geschäftsfelder voran. Eine bereits abgeschlossene Kapitalerhöhung hat dem Unternehmen rund 179 Millionen Euro eingebracht.

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Bei Deutz könnten insgesamt bis zu 400 Stellen wegfallen

Bei der Deutz AG zeichnet sich ein weiterer Stellenabbau am Stammsitz in Köln ab. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Unternehmenskreisen sollen bis Ende 2028 zunächst zwischen 130 und 200 zusätzliche Arbeitsplätze wegfallen. Im äußersten Fall könnten es bis zu 300 werden. Eine endgültige Entscheidung über den Umfang lag zunächst nicht vor.

Bereits zuvor waren rund 100 Stellen gestrichen worden oder befanden sich im Abbau. Das Handelsblatt hatte am 6. Oktober unter Berufung auf Insider über einen möglichen Abbau von insgesamt etwa 400 Arbeitsplätzen berichtet. Diese Zahl beschreibt damit ein mögliches Gesamtszenario und keinen abschließend beschlossenen Personalabbau.

Ein Unternehmenssprecher bestätigte dem WDR am 7. Oktober, dass Gespräche mit Arbeitnehmervertretern laufen. Im Mittelpunkt steht das Geschäft mit kleineren Motoren am Standort Köln-Porz. Dort beschäftigt Deutz rund 2.600 Menschen.

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Schwache Nachfrage belastet das traditionelle Motorengeschäft

Hintergrund der geplanten Einschnitte ist die geringere Nachfrage nach kleineren Motoren, wie sie unter anderem in landwirtschaftlichen Maschinen und Flurförderzeugen eingesetzt werden. Dieser Bereich zählt zum langjährigen Kerngeschäft des Unternehmens.

Dabei entwickeln sich die einzelnen Geschäftsbereiche unterschiedlich. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz der Motorensparte Engines um 3,7 Prozent auf 642 Millionen Euro. Die bereinigte operative Marge lag bei 3,8 Prozent und damit deutlich unter dem Konzernwert von 7,1 Prozent.

Das Unternehmen wächst insgesamt wesentlich stärker als sein traditionelles Motorengeschäft. Die unterschiedlichen Entwicklungen erklären, weshalb Deutz trotz steigender Konzernumsätze im klassischen Produktionsbereich weitere Anpassungen plant.

Kapitalerhöhung bringt Deutz rund 179 Millionen Euro

Parallel zur geplanten Neuausrichtung hat Deutz seine finanzielle Basis gestärkt. Am 15. September 2026 meldete der Konzern den erfolgreichen Abschluss einer Kapitalerhöhung. Insgesamt wurden 15.263.810 neue Aktien zu einem Platzierungspreis von jeweils 11,70 Euro ausgegeben. Daraus ergab sich ein Bruttoemissionserlös von rund 179 Millionen Euro.

Die neuen Aktien wurden im Rahmen eines beschleunigten Platzierungsverfahrens institutionellen Investoren angeboten. Das Bezugsrecht bestehender Aktionäre war ausgeschlossen. Durch die Transaktion erhöhte sich die Aktienzahl um zehn Prozent auf 167.901.915 Stück.

Den Nettoerlös will Deutz zur Verbesserung seiner Kapitalstruktur und zur Stärkung des finanziellen Handlungsspielraums für künftige Wachstumschancen nutzen. Die Kapitalerhöhung ist damit eine Maßnahme zur Unternehmensfinanzierung und kein gesondert ausgewiesenes Finanzierungsprogramm für den Personalabbau.

Umsatz und operatives Ergebnis steigen deutlich

Die wirtschaftliche Entwicklung des Gesamtkonzerns zeigt bislang einen Wachstumskurs. Im ersten Halbjahr 2026 erzielte Deutz einen Umsatz von 1,115 Milliarden Euro. Das entsprach einem Anstieg um 10,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Der Auftragseingang erhöhte sich um 28,7 Prozent auf 1,331 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern stieg um 43,1 Prozent auf 79,7 Millionen Euro.

Auch das Motorengeschäft konnte sein bereinigtes operatives Ergebnis verbessern. Mit 24,3 Millionen Euro lag es deutlich über dem Vorjahreswert von 4,7 Millionen Euro. Dazu trugen nach Unternehmensangaben unter anderem eine höhere Werksauslastung und Einsparungen aus dem Kostenprogramm Future Fit bei.

Gleichzeitig sank der operative Cashflow von 60,8 auf 31,9 Millionen Euro. Der freie Cashflow vor Ausgaben für Unternehmenskäufe lag bei minus 29,7 Millionen Euro. Die Zahlen verdeutlichen, dass höhere Gewinne nicht automatisch mit einem entsprechend stärkeren Mittelzufluss verbunden sind.

Für das Gesamtjahr 2026 hatte Deutz zuletzt einen Umsatz zwischen 2,3 und 2,5 Milliarden Euro sowie eine bereinigte operative Marge von 6,5 bis 8,0 Prozent prognostiziert.

Expansion in Verteidigung und Energieversorgung

Ein wichtiger Bestandteil der Unternehmensstrategie ist der Ausbau des Verteidigungsgeschäfts. Im Juli 2026 vereinbarte Deutz den Erwerb der FFG Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft. Das Unternehmen entwickelt, modernisiert und wartet militärische Fahrzeuge und arbeitet unter anderem für die Bundeswehr sowie weitere Streitkräfte.

Der vereinbarte Kaufpreis beträgt rund 1,6 Milliarden Euro. Davon sollen etwa eine Milliarde Euro über eine fremdfinanzierte Barzahlung und rund 600 Millionen Euro durch die Ausgabe neuer Deutz-Aktien an die bisherigen Eigentümer finanziert werden. Die Aktionäre stimmten der dafür notwendigen Kapitalerhöhung gegen Sacheinlage am 24. August 2026 zu.

Diese Transaktion ist von der im September abgeschlossenen Barkapitalerhöhung über 179 Millionen Euro zu unterscheiden. Für den Vollzug der FFG-Übernahme hatte Deutz ursprünglich Ende 2026 oder das erste Quartal 2027 vorgesehen.

Darüber hinaus baut Deutz das Geschäft mit dezentraler Energieversorgung aus. Mit dem Erwerb des deutschen Aggregatebauers Frerk und des brasilianischen Generatorenherstellers Maxi Trust Power hat der Konzern 2026 sein internationales Geschäft erweitert.

Der geplante Stellenabbau bei Deutz betrifft damit einen Geschäftsbereich, der zwar weiterhin einen erheblichen Umsatzbeitrag liefert, aber unter schwächerer Nachfrage und einer vergleichsweise niedrigen Marge steht. Zugleich richtet sich der Konzern stärker auf Energieversorgung, Verteidigung und Dienstleistungen aus.

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