Reiche will Wasserstoffmarkt mit Milliardenhilfen voranbringen

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will den Wasserstoffmarkt in Deutschland mit einem Zehn-Punkte-Plan beschleunigen. Das Bundeswirtschaftsministerium stellte am Montag, 19. Oktober 2026, ein Maßnahmenpaket vor, das Milliardenhilfen für Industrieunternehmen, neue Anreize für klimafreundlichen Stahl und die Umrüstung von Kraftwerken vorsieht. Hintergrund sind die weiterhin hohen Produktionskosten für Wasserstoff und die bislang schwache Nachfrage. Zugleich will die Bundesregierung den Aufbau der notwendigen Infrastruktur vorantreiben und europäische Vorschriften vereinfachen.

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Mindestens 1,5 Milliarden Euro für Wasserstoffprojekte

Ein Schwerpunkt des Plans ist die finanzielle Unterstützung energieintensiver Industrieunternehmen. Für Wasserstoffprojekte soll in der nächsten Förderrunde ein eigenes Budget von mindestens 1,5 Milliarden Euro bereitstehen, sofern ausreichend Interesse besteht. Die Förderung erfolgt über sogenannte CO2-Differenzverträge. Dabei übernimmt der Staat einen Teil der Mehrkosten, die Unternehmen durch den Wechsel von herkömmlichen auf klimafreundlichere Produktionsverfahren entstehen. Das soll Investitionen ermöglichen, die angesichts hoher Wasserstoffpreise bislang wirtschaftlich schwer umzusetzen sind.

Für das gesamte Förderprogramm sind im Entwurf des Bundeshaushalts 2027 bis zu 8,7 Milliarden Euro vorgesehen. Die Mittel sind allerdings nicht ausschließlich für Wasserstoff bestimmt. Auch andere Technologien zur Verringerung industrieller CO2-Emissionen können profitieren. Das vorbereitende Verfahren für die neue Förderrunde begann bereits am 19. Oktober. Das eigentliche Gebotsverfahren soll im Mai 2027 starten. Die Finanzierung steht noch unter dem Vorbehalt der parlamentarischen Haushaltsentscheidung sowie der beihilferechtlichen Genehmigung durch die Europäische Kommission.

Gaskraftwerke sollen auf Wasserstoff umgestellt werden

Neben der Industrieproduktion nimmt Reiche auch die Stromversorgung in den Blick. Die Bundesregierung will die technische Umrüstung von Gaskraftwerken mit einer Gesamtleistung von vier Gigawatt auf Wasserstoff fördern. Nach dem vorgesehenen Zeitplan sollen 2027 zunächst zwei Gigawatt ausgeschrieben werden, die ab 2040 mit Wasserstoff betrieben werden sollen. Weitere zwei Gigawatt sind für Ausschreibungen zwischen 2030 und 2032 vorgesehen. Diese Anlagen sollen ab 2043 umgestellt werden. Die gesetzlichen Grundlagen für die Förderung werden noch erarbeitet.

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Zusätzlich soll die Nachfrage nach emissionsarm produziertem Stahl steigen. Dazu will das Wirtschaftsministerium einen entsprechenden Absatzmarkt schaffen und den Einsatz von Stahl fördern, der mithilfe von erneuerbarem oder kohlenstoffarmem Wasserstoff hergestellt wird. Eine wichtige Rolle sollen dabei Offshore-Windkraftanlagen spielen. Für Stahlhersteller könnte dadurch ein zusätzlicher wirtschaftlicher Anreiz entstehen, ihre Produktionsverfahren umzustellen.

Wasserstoffimporte und europäische Regeln im Mittelpunkt

Ein weiterer Bestandteil des Zehn-Punkte-Plans betrifft die Kosten der Wasserstoffherstellung. Das Ministerium will sich auf europäischer Ebene für einfachere Anforderungen an erneuerbaren Wasserstoff einsetzen. Auch bei den Stromnetzentgelten für Elektrolyseanlagen, die Wasserstoff mithilfe elektrischer Energie erzeugen, strebt die Bundesregierung verlässlichere Rahmenbedingungen an. Für weit fortgeschrittene Projekte, die bis August 2029 in Betrieb gehen, soll die bestehende Befreiung von Netzentgelten erhalten bleiben.

Parallel dazu sollen Transportleitungen, Speicher und internationale Lieferverbindungen ausgebaut werden. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums wurden 2025 bereits mehr als 500 Kilometer des geplanten Wasserstoff-Kernnetzes in Betrieb genommen. Weitere rund 2.200 Kilometer befinden sich demnach in der Realisierung. Da Deutschland künftig erhebliche Wasserstoffmengen aus dem Ausland beziehen soll, setzt Reiche auf Lieferungen über europäische Pipelines und auf Schiffstransporte aus anderen Weltregionen. Ergänzend sind eine engere Ausrichtung des Nationalen Wasserstoffrats an den Anforderungen der Bundesregierung und ein Technologie-Fahrplan vorgesehen.

Wirtschaft fordert schnellere Umsetzung und begrenzte Förderung

Die Deutsche Industrie- und Handelskammer begrüßt grundsätzlich, dass das Bundeswirtschaftsministerium dem Aufbau des Wasserstoffmarktes mehr Aufmerksamkeit widmet. DIHK-Bereichsleiter Sebastian Bolay verwies am Montag allerdings darauf, dass zahlreiche der angekündigten Maßnahmen bereits bekannt seien. „Viele der vorgelegten Vorschläge sind jedoch nicht neu“, erklärte Bolay. Entscheidend sei deshalb eine schnellere Umsetzung. Besonders sinnvoll seien aus Sicht der DIHK der Ausbau der Infrastruktur, erleichterte Importe und praktikablere europäische Regeln für erneuerbaren und kohlenstoffarmen Wasserstoff.

Zurückhaltender bewertet die DIHK langfristige staatliche Eingriffe in den Markt. Förderinstrumente wie CO2-Differenzverträge und subventionierte Absatzmärkte sollten nach Auffassung des Verbands nur gezielt und zeitlich begrenzt eingesetzt werden. Sie könnten den Aufbau eines Wasserstoffmarktes unterstützen, dürften aber die Entwicklung eines eigenständigen Wettbewerbs nicht dauerhaft behindern. Damit bleibt die wirtschaftliche Tragfähigkeit der geplanten Projekte eine zentrale Herausforderung. Denn Wasserstoff ist für zahlreiche industrielle Anwendungen eine mögliche Alternative zu fossilen Energieträgern, seine Herstellung und Bereitstellung sind bislang jedoch deutlich teurer.

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