
Wer zu Beginn der Schulferien mit der Deutschen Bahn verreist, muss auf vielen Fernverkehrsstrecken mit höheren Ticketpreisen rechnen. Eine am Dienstag, 20. Oktober 2026, veröffentlichte Untersuchung des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) zeigt, dass Fahrkarten am ersten Feriensamstag häufig mehr kosten als eine Woche zuvor. Besonders auffällig sind die Unterschiede bei günstigen Sparangeboten. Der Verband verlangt deshalb mehr Transparenz bei der Preisgestaltung. Die Deutsche Bahn weist die Vorwürfe mangelnder Transparenz bei der Preisgestaltung zurück.
Für die Untersuchung analysierte der Verbraucherzentrale Bundesverband die Bahnpreise zu Ferienbeginn auf 20 Direktverbindungen zwischen Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt am Main. Berücksichtigt wurden Schulferien zwischen Juni 2024 und April 2026. Der Verband verglich die ermittelten mittleren Ticketpreise für den ersten Feriensamstag mit denen des Samstags der Vorwoche. Grundlage waren 2.479 Verbindungsabfragen für Fahrten in der zweiten Klasse mit einer Abfahrt zwischen 7 und 19 Uhr. Die Preise wurden mit einem Buchungsvorlauf von drei Wochen untersucht.
Das Ergebnis: Bei 62 Prozent der untersuchten Kombinationen aus Strecke und Ferienzeitraum lagen die Medianpreise zum Ferienbeginn höher als eine Woche zuvor. Dieser Anteil zeigte sich sowohl beim Super Sparpreis als auch beim Flexpreis. Über sämtliche untersuchten Strecken und Ferienzeiträume hinweg lagen die Super Sparpreise am ersten Feriensamstag im Median 21 Prozent über dem Vergleichswert der Vorwoche. Beim Flexpreis erreichte der entsprechende Aufschlag zehn Prozent. Allerdings entwickelten sich die Preise nicht überall gleich. Bei einem Teil der Vergleiche blieben sie unverändert oder fielen niedriger aus.
Die größten durchschnittlichen Aufschläge stellte der Verband für die Weihnachtsferien 2024 fest. Damals lagen die untersuchten Super Sparpreise am ersten Feriensamstag im Median 156 Prozent über dem Preisniveau des vorherigen Samstags. Für die Weihnachtsferien 2025 ermittelte der vzbv dagegen einen Medianaufschlag von 21 Prozent. Die untersuchten Sommer- und Herbstferien zeigten insgesamt wesentlich geringere Unterschiede. Auch das Reiseziel spielte eine Rolle. Besonders ausgeprägt waren die Preissteigerungen bei Verbindungen mit dem Ziel Frankfurt am Main, für die über alle Ferienzeiträume hinweg ein mittlerer Aufschlag von 39 Prozent beim Super Sparpreis festgestellt wurde.
Wie stark die Unterschiede auf einzelnen Strecken ausfallen können, verdeutlicht ein Beispiel aus den Berliner Winterferien 2025. Für die Verbindung Berlin nach München lag der günstigste erfasste Super Sparpreis am ersten Feriensamstag im Median bei 99,99 Euro. Für den Samstag der Vorwoche waren es 17,99 Euro. Das entspricht einem Anstieg um 456 Prozent. Auch beim Flexpreis dokumentierte der Verband erhebliche Unterschiede. Auf den Verbindungen zwischen Frankfurt und Köln lagen die erfassten Medianpreise zu Beginn der Weihnachtsferien 2025 bei 98,80 Euro, verglichen mit 59 Euro eine Woche zuvor. Die Zahlen beschreiben konkrete Vergleiche unterschiedlicher Reisetage und lassen sich nicht auf sämtliche Verbindungen übertragen.
vzbv-Vorständin Ramona Pop fordert angesichts der Ergebnisse eine verständlichere Preisgestaltung. Gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung betonte sie, Reisende müssten die finanziellen Kosten einer Bahnfahrt verlässlich planen können. Besonders zu Ferienbeginn seien viele Menschen auf Zugverbindungen angewiesen. Die teils erheblichen Unterschiede zwischen den Ticketpreisen erschwerten aus Sicht des Verbands die Planung. Die Forderung richtet sich damit nicht allein gegen höhere Fahrpreise, sondern vor allem gegen deren aus Verbrauchersicht mangelnde Nachvollziehbarkeit.
Die Deutsche Bahn widerspricht dieser Bewertung. Gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung wies das Unternehmen den Vorwurf mangelnder Transparenz ausdrücklich zurück. Nach Darstellung der Bahn erhalten Reisende bei der Buchung das jeweils günstigste passende Angebot, wenn sie ihr Alter und mögliche Ermäßigungen angeben. Die Ticketpreise orientierten sich vor allem an der Nachfrage. Ähnlich wie im Flugverkehr oder bei Hotelbuchungen seien besonders günstige Angebote während stark nachgefragter Reisezeiten schneller vergriffen. Die Bahn verweist außerdem darauf, mit ihrer Preisgestaltung eine möglichst gute Auslastung der Züge erreichen zu wollen.
Bereits im August hatte der vzbv eine umfassendere Untersuchung der Fernverkehrspreise veröffentlicht. Demnach lag das günstigste für eine Tagesverbindung erfasste Super Sparpreisangebot an 76 Prozent der untersuchten Tage über dem jeweils beworbenen Einstiegspreis. Die Verbraucherschützer sehen darin einen weiteren Hinweis auf Schwierigkeiten bei der Suche nach günstigen Fahrkarten. Nach ihren Ergebnissen bestehen besonders gute Chancen auf preiswerte Tickets bei langfristiger Buchung sowie bei Fahrten am frühen Morgen oder späteren Abend. Für Reisende, die wegen der Schulferien an bestimmte Termine gebunden sind, sind diese Ausweichmöglichkeiten allerdings nicht immer praktikabel.
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