
RB Leipzig steht nach der deutlichen 1:6-Niederlage beim FC Bayern München vor einer schwierigen sportlichen Phase. Trainer Martín Demichelis muss sich nach dem Auftritt vom Samstag, 17. Oktober 2026, mit wachsender Kritik auseinandersetzen. Sportgeschäftsführer Marcel Schäfer fand anschließend klare Worte zur Leistung der Mannschaft. Gleichzeitig sorgen die schwankenden Ergebnisse seit Saisonbeginn für Diskussionen über die Entwicklung unter dem im Sommer verpflichteten Argentinier.
Die Situation von Martín Demichelis bei RB Leipzig ist dennoch von den öffentlichen Entscheidungen der Vereinsführung zu unterscheiden. Noch vor wenigen Tagen hatten Verantwortliche dem 45-Jährigen ausdrücklich den Rücken gestärkt. Eine Entlassung oder ein Ultimatum wurde nach der Niederlage in München zunächst nicht offiziell bekannt gegeben. Bereits am Mittwoch steht für Leipzig mit dem Champions-League-Spiel bei Real Madrid die nächste anspruchsvolle Aufgabe an.
Die Reaktionen aus der Leipziger Vereinsführung fielen nach dem Auftritt beim deutschen Rekordmeister ungewöhnlich deutlich aus. Sportgeschäftsführer Marcel Schäfer erklärte in einem Interview bei Sky, das RB Leipzig anschließend auf seiner Vereinswebsite dokumentierte: „Das war ein komplettes Versagen in allen Bereichen.“ Er verwies darauf, dass die Mannschaft gegen Bayern praktisch chancenlos gewesen sei und umfassende Verbesserungen notwendig seien. Seine Kritik bezog sich auf das gesamte Auftreten des Teams, nicht ausdrücklich auf die Position des Cheftrainers.
Demichelis selbst übernahm Verantwortung für den Auftritt. „Wir müssen uns bei unseren Fans entschuldigen“, erklärte der Argentinier nach der Partie. Zudem sagte er: „Am meisten enttäuscht bin ich als Trainer.“ Er kritisierte insbesondere das Verhalten seiner Mannschaft gegen den Ball und die fehlende Aktivität im eigenen Ballbesitz. Einzelne Spieler wollte er trotz Nachfragen nicht für die Niederlage verantwortlich machen. Vielmehr stellte er die gemeinsame Leistung in den Mittelpunkt seiner Bewertung.
Auch außerhalb des Vereins wurde die Arbeit des Trainers kritisiert. Sky-Experte Lothar Matthäus beanstandete insbesondere die Entscheidung, Lukas Klostermann gegen Bayern in die Startelf zu nehmen. Der frühere Nationalspieler Thomas Helmer äußerte sich in einer Kolumne für den kicker ebenfalls kritisch zur Vorbereitung der Leipziger auf die Begegnung. Dabei handelt es sich um persönliche sportliche Bewertungen. Rückschlüsse auf eine mögliche Entscheidung der RB-Geschäftsführung lassen sich daraus nicht ableiten.
Die jüngste Diskussion über die Trainerposition trifft auf eine zuvor ausdrücklich formulierte Unterstützung der Verantwortlichen. Bereits am 11. September hatte Geschäftsführer Sport Marcel Schäfer in einer offiziellen Stellungnahme betont, dass der Verein geschlossen zusammenstehe. „Jeder hat unsere Unterstützung und unser Vertrauen“, erklärte er damals mit Blick auf Mitarbeiter, Mannschaft und Trainerteam. Zugleich verwies Schäfer auf die zahlreichen Veränderungen im Kader und darauf, dass eine neu zusammengestellte Mannschaft Zeit benötige, um Abläufe zu entwickeln.
Eine weitere Rückendeckung folgte Anfang Oktober. Roger Schmidt, globaler Fußballchef bei Red Bull, äußerte sich im ZDF-Sportstudio zu Spekulationen über eine mögliche Rückkehr von Julian Nagelsmann nach Leipzig. Schmidt erklärte, man sei von einem Trainerwechsel „ganz weit davon entfernt“. Er betonte die Bedeutung von Kontinuität und äußerte sich positiv über Demichelis. Die Aussagen wurden am 11. Oktober unter anderem von Sky Sport aufgegriffen. Sie erfolgten allerdings vor der deutlichen Niederlage in München.
Demichelis hatte die Leipziger Mannschaft zur Saison 2026/27 übernommen. Der ehemalige argentinische Nationalspieler unterschrieb im Juni einen Vertrag bis zum 30. Juni 2028. Sein Vorgänger Ole Werner war trotz der erfolgreichen Qualifikation für die Champions League im Sommer freigestellt worden. Demichelis hatte zuvor unter anderem River Plate in Argentinien, CF Monterrey in Mexiko und zuletzt RCD Mallorca in Spanien trainiert. In Deutschland war er bereits als Spieler sowie als Nachwuchs- und Amateurtrainer des FC Bayern München tätig gewesen.
Sportlich fällt die bisherige Saisonbilanz wechselhaft aus. Nach sechs Spieltagen belegt RB Leipzig mit neun Punkten den siebten Tabellenplatz. Drei Siegen stehen drei Niederlagen gegenüber. Das Torverhältnis liegt bei 16:11. Zum Vergleich: Die vergangene Bundesligasaison hatte Leipzig noch auf dem dritten Platz abgeschlossen und sich damit für die Champions League qualifiziert.
Besonders auffällig sind die Unterschiede zwischen den Heim- und Auswärtsergebnissen. In der Bundesliga gewann Leipzig seine ersten drei Heimspiele gegen Borussia Mönchengladbach mit 3:0, den Hamburger SV mit 5:0 und Eintracht Frankfurt mit 6:0. Alle drei Auswärtsspiele gingen dagegen verloren. Auf ein 1:3 bei Werder Bremen folgten ein 0:2 bei Bayer Leverkusen und schließlich das 1:6 in München. Damit holte die Mannschaft bislang sämtliche Ligapunkte vor eigenem Publikum.
Auch auf europäischer Ebene sind die Leistungen bislang unterschiedlich ausgefallen. Zum Auftakt der Champions-League-Ligaphase unterlag RB Leipzig bei Como 1907 mit 1:4. Anschließend gelang ein 1:0-Heimsieg gegen die PSV Eindhoven. Der Erfolg gegen den niederländischen Meister folgte unmittelbar auf den deutlichen Bundesligasieg gegen Frankfurt. Die Niederlage beim FC Bayern beendete diese kurze Erfolgsserie.
Eine am Dienstag, 20. Oktober, veröffentlichte FanPuls-Abstimmung verdeutlicht zusätzlich die kritische Stimmung unter den Teilnehmern. Demnach erwarten 33,2 Prozent der Abstimmenden, dass Demichelis als nächster Bundesligatrainer seinen Posten verliert. 55,6 Prozent halten ihn nicht für den richtigen Trainer von RB Leipzig. Die Zahlen beschreiben ein Meinungsbild der teilnehmenden Fußballfans, keine repräsentative Befragung und erst recht keine Entscheidung des Vereins.
Bereits am Mittwoch, 21. Oktober, um 21 Uhr tritt RB Leipzig im Estadio Santiago Bernabéu gegen Real Madrid an. Für Demichelis und seine Mannschaft bietet sich damit unmittelbar die nächste Gelegenheit, nach der deutlichen Niederlage in München eine sportliche Reaktion zu zeigen. Das Spiel hat zugleich Bedeutung für die Leipziger Chancen auf das Weiterkommen in der Champions League. Nach zwei Begegnungen stehen drei Punkte auf dem Konto.
Bei der Vorbereitung auf das Duell spielt auch die Personalsituation eine Rolle. Offensivspieler Christoph Baumgartner, der seit dem Sommer wegen einer Muskelverletzung im rechten Oberschenkel gefehlt hatte, nahm am Dienstag wieder am vollständigen Mannschaftstraining teil. Damit kommt der österreichische Nationalspieler für eine Rückkehr in den Spieltagskader infrage. Eine endgültige Entscheidung über seinen Einsatz war zunächst nicht bestätigt.
Die Zusammenstellung des Kaders war bereits vor Saisonbeginn eine zentrale Aufgabe für Demichelis und die sportliche Leitung um Marcel Schäfer. Im Sommer verließen mehrere Spieler den Verein, während neue Kräfte integriert wurden. Schäfer hatte die Umstellung und wiederkehrende Verletzungsprobleme im September ausdrücklich als Faktoren für den schwierigen Saisonstart genannt. Mit der Rückkehr weiterer Spieler erweitert sich inzwischen der personelle Handlungsspielraum.
Nach der Partie in Madrid wartet in der Bundesliga mit der SV Elversberg ein weiterer Gegner, der aktuell vor Leipzig platziert ist. Der Aufsteiger liegt nach sechs Spielen mit zehn Punkten auf Rang sechs. Für RB Leipzig geht es damit in den kommenden Begegnungen sowohl um die internationale Ausgangslage als auch um den Anschluss an die vorderen Tabellenplätze. Demichelis steht weiterhin als Cheftrainer in der Verantwortung. Ob die Vereinsführung ihre bislang öffentlich vertretene Unterstützung nach dem Rückschlag gegen Bayern unverändert fortsetzt, blieb zunächst offen.
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