Boeing erhält nach jahrelanger Verzögerung Zulassung für 737 MAX 10

Mittendrin Flughafen Frankfurt – Terminal 3 Testbetrieb mit Komparsen
Mittendrin Flughafen Frankfurt heute um 21:00 Uhr im HR (Foto: Symbolbild)

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Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat die Boeing 737 MAX 10 am Dienstag, 20. Oktober 2026, offiziell zugelassen. Damit kann der amerikanische Flugzeughersteller erstmals mit der Auslieferung der größten Variante seiner 737-MAX-Familie beginnen. Die Entscheidung beendet ein jahrelanges Zulassungsverfahren und ist für Boeing wirtschaftlich von großer Bedeutung. Nach Unternehmensangaben liegen für das Modell weltweit 1.555 Bestellungen vor.

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Boeing kündigte an, die ersten Maschinen in den kommenden Monaten an Fluggesellschaften übergeben zu wollen. Die Zulassung ermöglicht auch die Aufnahme der regulären Produktion. Wann die ersten Flugzeuge tatsächlich im Passagierverkehr eingesetzt werden, hängt jedoch von den Auslieferungen und den Vorbereitungen der jeweiligen Airlines ab.

FAA bestätigt Zulassung nach umfangreichen Sicherheitsprüfungen

Mit der Entscheidung erteilte die FAA ein erweitertes Musterzertifikat für die Boeing 737 MAX 10 und aktualisierte zugleich die Produktionsgenehmigung. Die Behörde bestätigte damit, dass die Konstruktion des Flugzeugs die geltenden Sicherheitsanforderungen erfüllt. Nach Angaben von Boeing umfasste das Zulassungsprogramm nahezu 1.000 Testflüge mit mehr als 2.000 Flugstunden sowie rund 1.000 Stunden Bodentests. Hinzu kamen umfangreiche technische Prüfungen und Sicherheitsbewertungen.

Besondere Bedeutung hatten Verbesserungen an der Flugsteuerung. Die FAA verlangte unter anderem ein erweitertes System zur Ermittlung des Anstellwinkels, das zusätzliche Informationen über die Fluglage liefert. Damit setzt die Behörde Anforderungen aus dem amerikanischen Gesetz zur Verbesserung der Flugzeugzertifizierung von 2020 und Empfehlungen der US-Unfalluntersuchungsbehörde NTSB um. Die 737 MAX 10 ist nach Boeing-Angaben das erste Verkehrsflugzeug, das vollständig nach den entsprechenden Vorgaben dieses Gesetzes zertifiziert wurde.

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Die verschärften Anforderungen stehen im Zusammenhang mit der Sicherheitsgeschichte der 737-MAX-Reihe. Bei zwei Abstürzen von Maschinen des Typs 737 MAX 8 in Indonesien 2018 und Äthiopien 2019 kamen insgesamt 346 Menschen ums Leben. Ein weiterer Zwischenfall im Januar 2024, bei dem sich während eines Fluges einer Boeing 737 MAX 9 ein Kabinenteil löste, führte zu erneuten Untersuchungen der Fertigungsqualität. Die FAA behält die Aufsicht über die Produktion. Auch nach der Musterzulassung muss jedes einzelne Flugzeug die Voraussetzungen für den Flugbetrieb erfüllen.

Mehr als 30 Fluggesellschaften und Kunden warten auf die 737 MAX 10

Für internationale Fluggesellschaften schafft die Zertifizierung eine wichtige Voraussetzung für die Flottenplanung. Zu den Kunden zählen United Airlines, Delta Air Lines, American Airlines, Alaska Airlines und der europäische Billigflieger Ryanair. Insgesamt haben nach Boeing-Angaben mehr als 30 Kunden die größere Variante der 737 MAX bestellt. Die 1.555 bestellten Maschinen entsprechen mehr als 30 Prozent der noch offenen Bestellungen innerhalb der gesamten 737-MAX-Familie.

Ryanair gehört zu den Fluggesellschaften, die auf eine baldige Auslieferung setzen. Unternehmenschef Michael O’Leary erklärte am Dienstag, die Airline rechne mit der Übernahme von 16 Maschinen Anfang 2027. Die nun erfolgte FAA-Zulassung schafft dafür eine wesentliche Voraussetzung. Einen verbindlichen Auslieferungstermin für diese Flugzeuge bestätigte Boeing mit der Zulassungsmitteilung allerdings nicht.

Die Boeing 737 MAX 10 kann in einer besonders dichten Bestuhlung bis zu 230 Passagiere aufnehmen. Bei einer üblichen Aufteilung in zwei Reiseklassen sieht der Hersteller zwischen 185 und 210 Plätze vor. Damit richtet sich das Modell vor allem an Fluggesellschaften, die auf stark nachgefragten Strecken zusätzliche Kapazitäten anbieten wollen. Mehr Sitzplätze pro Flug können die Betriebskosten je Passagier senken. Ob sich daraus günstigere Ticketpreise ergeben, hängt jedoch auch von Auslastung, Treibstoffkosten und Wettbewerb ab.

Zulassung stärkt Boeing im Wettbewerb mit Airbus

Für Boeing ist die Zulassung auch ein wichtiger Schritt im Wettbewerb mit dem europäischen Hersteller Airbus. Die 737 MAX 10 soll insbesondere mit Flugzeugen aus der A321neo-Familie konkurrieren. Durch die wiederholten Verzögerungen bei der Zertifizierung konnte Airbus seine Position im Markt für größere Mittelstreckenflugzeuge ausbauen. Mit der Freigabe erhält Boeing nun die Möglichkeit, seine gesamte 737-MAX-Modellfamilie an Kunden auszuliefern. Die kleinere 737 MAX 7 hatte bereits im August 2026 die FAA-Zulassung erhalten.

Für die Fertigung hat Boeing zusätzliche Kapazitäten geschaffen. Im Juli nahm der Konzern in Everett im US-Bundesstaat Washington eine weitere Produktionslinie für die 737 in Betrieb. Die Flugzeuge werden außerdem am bisherigen Standort Renton gefertigt. Die Erweiterung soll insbesondere die Herstellung der längeren Varianten unterstützen und zusätzliche Spielräume beim Produktionshochlauf schaffen.

Wirtschaftlich ist die Zertifizierung ein bedeutender Fortschritt, weil Boeing damit einen großen Teil seines Auftragsbestands schrittweise in Auslieferungen und Einnahmen umwandeln kann. Sie bedeutet allerdings nicht, dass alle 1.555 bestellten Maschinen kurzfristig übergeben werden können. Das tatsächliche Auslieferungstempo hängt von den Fertigungskapazitäten, der Einhaltung der Qualitätsanforderungen und den vereinbarten Lieferplänen ab. Mit der FAA-Entscheidung fällt nun jedoch eine wesentliche regulatorische Voraussetzung weg, die den Markteintritt der Boeing 737 MAX 10 über Jahre verzögert hatte.

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