
Die Adidas-Aktie ist am Freitag, 23. Oktober 2026, unter Druck geraten. Auslöser war eine gesenkte Umsatzprognose des amerikanischen Schuhkonzerns Deckers Outdoor, zu dem die Marken Hoka und Ugg gehören. Obwohl Adidas erst wenige Tage zuvor starke Geschäftszahlen vorgelegt und seine Gewinnprognose erhöht hatte, sorgten die Nachrichten aus den USA für Verunsicherung an der Börse. Die Aktie notierte am Freitag um 11.55 Uhr bei 156,65 Euro und damit 1,48 Prozent unter dem Vortagesschluss. Das geht aus Kursdaten von EOD Historical Data hervor.
Der amerikanische Schuhhersteller Deckers Outdoor rechnet für sein laufendes Geschäftsjahr mit weniger Umsatz als bislang erwartet. Nach Angaben des Unternehmens vom Donnerstagabend soll der Erlös im Geschäftsjahr 2027, das am 31. März 2027 endet, zwischen 5,70 und 5,725 Milliarden US-Dollar liegen. Zuvor hatte Deckers mit 5,86 bis 5,91 Milliarden Dollar gerechnet.
Die Anpassung betrifft insbesondere die Wachstumsaussichten der beiden wichtigsten Marken. Für den Laufschuhhersteller Hoka erwartet Deckers inzwischen nur noch ein Umsatzwachstum im hohen einstelligen Prozentbereich. Bislang war ein niedriges zweistelliges Wachstum vorgesehen. Bei Ugg wurde die Erwartung von einem mittleren auf einen niedrigen einstelligen Prozentbereich zurückgenommen.
Die Prognosesenkung löste deutliche Kursverluste bei Deckers aus. Im vorbörslichen US-Handel lag die Aktie am Freitag laut einer um 10.48 Uhr veröffentlichten Meldung von dpa-AFX zeitweise rund neun Prozent im Minus. Auch am deutschen Aktienmarkt reagierten Anleger zurückhaltend.
Deckers verzeichnete im zweiten Geschäftsquartal, das Ende September abgeschlossen wurde, einen Umsatz von rund 1,48 Milliarden US-Dollar. Das entsprach einem Anstieg um 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Die Marke Hoka steigerte ihren Umsatz um 6,8 Prozent auf 677,2 Millionen Dollar. Bei Ugg legten die Erlöse um 3,5 Prozent auf 786,4 Millionen Dollar zu. Beide Marken konnten damit weiterhin wachsen, die Entwicklung blieb jedoch hinter den bisherigen Wachstumserwartungen zurück.
Auffällig war insbesondere das Geschäft mit Endkunden. Der Umsatz über eigene Vertriebskanäle sank konzernweit um 1,8 Prozent. Auf vergleichbarer Basis belief sich der Rückgang auf 6,4 Prozent. Dagegen stiegen die Umsätze im Großhandelsgeschäft um 5,5 Prozent.
Deckers verwies auf ein schwieriges Konsumumfeld und den zunehmenden Preiswettbewerb. Insbesondere Rabattaktionen konkurrierender Anbieter erschweren den Absatz von Schuhen im höherpreisigen Segment.
Die schwächeren Aussichten des US-Konkurrenten treffen Adidas zu einem Zeitpunkt, an dem der deutsche Sportartikelhersteller zuletzt deutlich bessere Ergebnisse gemeldet hatte.
Erst am Dienstag, 20. Oktober, veröffentlichte Adidas vorläufige Geschäftszahlen für das dritte Quartal 2026. Demnach stieg der Umsatz um neun Prozent auf den Rekordwert von 7,252 Milliarden Euro. Währungsbereinigt lag das Wachstum bei sieben Prozent. Das operative Ergebnis erhöhte sich um 37 Prozent auf 1,008 Milliarden Euro.
Aufgrund der Geschäftsentwicklung erhöhte Adidas seine Prognose für das Gesamtjahr. Statt der bisher erwarteten rund 2,3 Milliarden Euro rechnet der Konzern nun mit einem operativen Gewinn von etwa 2,5 Milliarden Euro.
Zum höheren Ergebnis tragen auch Rückerstattungen zuvor gezahlter US-Zölle bei. Adidas bezifferte diesen positiven Effekt im dritten Quartal auf rund 200 Millionen Euro.
Die Geschäftsentwicklung von Deckers macht deutlich, wie stark der Wettbewerb im internationalen Schuhmarkt geworden ist. Besonders Hersteller, die auf hochwertige und vergleichsweise teure Modelle setzen, stehen vor der Herausforderung, ihre Preise trotz zunehmender Rabattangebote zu behaupten.
Auch Adidas hatte bei der Vorstellung seiner Quartalszahlen auf Schwierigkeiten im Geschäft mit Lifestyle-Schuhen hingewiesen. Konzernchef Bjørn Gulden führte die angespannte Situation unter anderem auf hohe Warenbestände und umfangreiche Preisnachlässe im Markt zurück.
Gleichzeitig betonte Adidas die Bedeutung seines Geschäfts mit Fußball-, Lauf- und Trainingsprodukten. Diese Bereiche hätten zuletzt zu einem starken und profitablen Wachstum beigetragen.
Die Entwicklung bei Deckers lässt sich deshalb nicht unmittelbar auf Adidas übertragen. Beide Unternehmen bedienen teilweise unterschiedliche Kundengruppen und Produktsegmente. Die Prognosesenkung des amerikanischen Herstellers verstärkt allerdings die Aufmerksamkeit für die Nachfrageentwicklung und den Preisdruck in der gesamten Branche.
Die Ergebnisse von Deckers enthalten neben der gesenkten Umsatzprognose auch positive Entwicklungen. Der verwässerte Gewinn je Aktie stieg im zweiten Geschäftsquartal von 1,82 auf 2,31 US-Dollar. Gleichzeitig hob das Unternehmen seine Gewinnerwartung für das gesamte Geschäftsjahr auf 7,80 bis 7,95 Dollar je Aktie an.
Ein wesentlicher Grund dafür sind Rückerstattungen amerikanischer Importzölle. Deckers berücksichtigt in seiner Jahresprognose einen positiven Ergebniseffekt von rund 52 US-Cent je Aktie aus bereits erhaltenen Erstattungen. Damit profitieren sowohl Deckers als auch Adidas von entsprechenden Rückzahlungen, während sich die Erwartungen an die Umsatzentwicklung unterscheiden.
Für Adidas richtet sich der Blick nun auf die vollständige Veröffentlichung der Quartalsergebnisse am 29. Oktober 2026. Der Konzern will dann die endgültigen Zahlen für das dritte Quartal präsentieren.
Die bisherigen vorläufigen Ergebnisse belegen eine deutliche Verbesserung der operativen Profitabilität. Zugleich zeigen die neuen Prognosen von Deckers, dass steigende Umsätze einzelner Marken nicht automatisch eine anhaltend hohe Wachstumsdynamik garantieren.
Am Freitag überwogen bei der Adidas-Aktie zunächst die Sorgen über das internationale Marktumfeld. Ob sich die schwächeren Wachstumsaussichten von Hoka und Ugg auch bei anderen Sportartikelherstellern in den Geschäftszahlen niederschlagen, ist damit noch nicht geklärt.
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