Verdi ruft zu bundesweiten Warnstreiks bei Banken auf

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Bei Deutschlands privaten Banken stehen ab Montag, 26. Oktober 2026, erste bundesweite Warnstreiks bevor. Die Gewerkschaft Verdi hat Beschäftigte zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen, nachdem die erste Runde der Tarifverhandlungen ohne Gehaltsangebot der Arbeitgeber beendet worden war. Insgesamt geht es um die Arbeitsbedingungen von rund 150.000 Beschäftigten. Der Bankenstreik könnte insbesondere in Filialen zu Einschränkungen führen. Wie viele Standorte tatsächlich betroffen sein werden, steht bislang nicht fest.

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Bankenstreik beginnt am Montag in Hamburg

Der bundesweite Warnstreik bei Banken soll am 26. Oktober beginnen. Verdi hat für den Zeitraum bis einschließlich 2. November zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Welche Beschäftigten an welchen Tagen die Arbeit niederlegen sollen, legen regionale Streikaufrufe fest. Damit ist nicht automatisch jeder Standort eines betroffenen Kreditinstituts an sämtlichen Tagen von einem Ausstand betroffen.

Ein erster konkreter Schwerpunkt ist Hamburg. Dort sollen am Montag ganztägige Warnstreiks stattfinden. Aufgerufen sind unter anderem Beschäftigte von Filialen der Deutschen Bank, der Commerzbank und der italienischen Großbank UniCredit, zu der in Deutschland die HypoVereinsbank gehört. Weitere regionale Aktionen sollen im Laufe der kommenden Woche bekanntgegeben werden.

Hintergrund sind die festgefahrenen Tarifverhandlungen mit dem Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes (AGV Banken). Die erste Gesprächsrunde hatte am 8. Oktober in Berlin stattgefunden. Dabei legten die Arbeitgeber kein beziffertes Gehaltsangebot vor. Am 2. November sollen die Gespräche in Frankfurt am Main fortgesetzt werden. Die Warnstreiks fallen damit unmittelbar in die Zeit vor dem nächsten Verhandlungstermin.

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Verdi fordert sechs Prozent mehr Gehalt und höhere Ausbildungsvergütungen

Im Mittelpunkt der Tarifrunde steht die Forderung nach sechs Prozent mehr Gehalt bei einer Vertragslaufzeit von zwölf Monaten. Für Auszubildende und andere Nachwuchskräfte verlangt Verdi eine monatliche Erhöhung um 300 Euro. Die Gewerkschaft begründet ihre Forderungen mit den gestiegenen Lebenshaltungskosten und den Gewinnen der Bankenbranche.

Die Gehaltserhöhungen sollen nach dem Willen von Verdi auch auf Beschäftigte übertragen werden, deren Vergütung über den tarifvertraglich festgelegten Gehältern liegt oder außerhalb der üblichen Tarifgruppen vereinbart wurde. Eine solche Übertragung ist bislang jedoch nicht vereinbart. Verdi-Verhandlungsführer Jan Duscheck verlangt eine stärkere Beteiligung der Beschäftigten am wirtschaftlichen Erfolg ihrer Arbeitgeber.

Arbeitgeber weisen Forderungen zurück und legen kein Angebot vor

Der Arbeitgeberverband AGV Banken hält die Forderungen für überhöht. Bereits beim Verhandlungsauftakt am 8. Oktober hatte der Verband deutlich gemacht, dass er die Gehaltsvorstellungen beider beteiligten Gewerkschaften nicht akzeptiert. Ein eigenes Angebot mit konkreten Prozentzahlen liegt weiterhin nicht vor.

Die Arbeitgeber verweisen auf wirtschaftliche Unsicherheiten, steigende Risiken im Kreditgeschäft und notwendige Investitionen in Digitalisierung und IT-Sicherheit. Nach Darstellung des Verbandes belasten insbesondere Unternehmensinsolvenzen und die damit verbundene Risikovorsorge die Banken. Zugleich müssten die Institute ihre Kosten kontrollieren, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.

Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Thomas A. Lange, hatte am 8. Oktober erklärt, dass die Banken zu einem Interessenausgleich bereit seien. Allerdings dürften steigende Personalkosten die Unternehmen nicht überfordern. Der Verband fordert außerdem, die Verhandlungen stärker auf das Thema Gehalt zu konzentrieren.

Auch nach der Warnstreikankündigung vom Freitag blieb die Arbeitgeberseite bei ihrer Position. AGV-Hauptgeschäftsführer Carsten Rogge-Strang erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, dass ein Gehaltsangebot auch von der Verhandlungsbereitschaft der Gewerkschaft abhänge. Die Arbeitgeber erwarten nach seinen Angaben keine größeren Beeinträchtigungen des regulären Bankbetriebs.

Streit um künstliche Intelligenz und zusätzliche freie Tage

Neben den Gehältern steht der technologische Wandel der Branche im Mittelpunkt des Konflikts. Verdi verlangt verbindliche tarifvertragliche Regelungen zum Beschäftigungsschutz, zur Personalplanung und zur Qualifizierung. Besonders der zunehmende Einsatz künstlicher Intelligenz soll nach Vorstellung der Gewerkschaft mit klaren Perspektiven für die Beschäftigten verbunden werden.

Eine weitere Forderung betrifft die Arbeitszeit. Beschäftigte sollen künftig freiwillig Teile ihres Gehalts in bis zu 20 zusätzliche freie Tage pro Jahr umwandeln können. Dabei handelt es sich nicht um eine Forderung nach 20 zusätzlichen bezahlten Urlaubstagen. Vielmehr soll ein tariflich geregeltes Wahlrecht zwischen Gehalt und Freizeit entstehen.

Die Arbeitgeber lehnen einen solchen individuellen Anspruch ab. Sie argumentieren, dass die Regelung rechnerisch einer Arbeitszeitverkürzung von nahezu zehn Prozent entsprechen könnte. Dadurch würden Personalplanung und Arbeitsorganisation erheblich erschwert. Auch zusätzliche branchenweite Kündigungsschutzregeln wollen die Bankenarbeitgeber nicht vereinbaren.

Verdi fordert darüber hinaus eine unbefristete Übernahme von Nachwuchskräften in Vollzeit. Außerdem möchte die Gewerkschaft die bisherige gesetzliche Grundregel bei kurzen Erkrankungen tarifvertraglich absichern. Demnach soll bei einer Erkrankung von bis zu drei Kalendertagen grundsätzlich kein ärztliches Attest erforderlich sein.

Auswirkungen auf Kunden: Einschränkungen in Filialen möglich

Für Bankkunden könnten die angekündigten Warnstreiks insbesondere beim persönlichen Service Folgen haben. Wenn Beschäftigte in Filialen ihre Arbeit niederlegen, können Beratungstermine, Schalterdienstleistungen und andere Vorgänge mit direktem Personaleinsatz eingeschränkt sein. Ob einzelne Filialen schließen oder nur mit reduzierter Besetzung arbeiten, hängt vom tatsächlichen Streikumfang ab.

Für Hamburg stehen mit der Deutschen Bank, der Commerzbank und UniCredit bereits mehrere große Institute auf den Streikaufrufen. Eine vollständige bundesweite Übersicht der betroffenen Filialen lag am Freitag zunächst nicht vor. Ebenso gab es noch keine gesicherten Angaben zur erwarteten Zahl der Streikenden.

Onlinebanking, Kartenzahlungen und Geldautomaten funktionieren grundsätzlich unabhängig von der regulären Besetzung einzelner Bankschalter. Aus der Warnstreikankündigung allein ergibt sich deshalb keine generelle Unterbrechung dieser Dienstleistungen. Eine uneingeschränkte Verfügbarkeit sämtlicher Angebote während der Arbeitsniederlegungen wurde allerdings ebenfalls nicht ausdrücklich zugesichert.

Kunden mit geplanten Beratungsterminen oder anderen zeitkritischen Bankgeschäften sollten deshalb die aktuellen Mitteilungen ihres Kreditinstituts beachten. Gerade bei persönlichen Dienstleistungen kann die Situation von Filiale zu Filiale unterschiedlich ausfallen.

Tarifverhandlungen betreffen rund 150.000 Beschäftigte

Nach Angaben von Verdi erstreckt sich die aktuelle Tarifrunde auf rund 150.000 Beschäftigte in gut 80 privaten Banken. Zu dieser Gruppe gehören große Geschäftsbanken ebenso wie weitere private Kreditinstitute. Die Zahl beschreibt den Umfang der Tarifverhandlungen und nicht die Anzahl der Beschäftigten, die tatsächlich streiken werden.

Nicht sämtliche Banken in Deutschland unterliegen denselben Tarifverträgen. Für Sparkassen, öffentliche Banken und genossenschaftliche Institute bestehen andere tarifliche Strukturen. Auch für den Postbank-Bereich innerhalb des Deutsche-Bank-Konzerns gab es 2026 eine eigenständige Tarifrunde. Ein Warnstreikaufruf im privaten Bankgewerbe bedeutet deshalb nicht, dass sämtliche deutschen Bankfilialen betroffen sind.

Die aktuelle Auseinandersetzung folgt auf einen mehrjährigen Tarifabschluss aus dem Jahr 2024. Damals verständigten sich Verdi und der Arbeitgeberverband nach drei Verhandlungsrunden und bundesweiten Streiks auf Gehaltserhöhungen in drei Stufen. Die tariflichen Vergütungen stiegen zum August 2024 um 5,5 Prozent, zum August 2025 um weitere drei Prozent und zum Juli 2026 um zwei Prozent. Insgesamt ergab sich nach Angaben der Tarifparteien eine Erhöhung um 10,5 Prozent über eine Laufzeit von 28 Monaten. Für Nachwuchskräfte wurden in diesem Zeitraum zusätzliche 250 Euro vereinbart.

Die letzte Erhöhungsstufe dieses Abschlusses trat erst im Juli 2026 in Kraft. Schon wenige Monate später verhandeln Gewerkschaften und Arbeitgeber erneut über die künftige Gehaltsentwicklung.

Nächste Verhandlungsrunde am 2. November in Frankfurt

Die zweite Verhandlungsrunde ist für Montag, 2. November 2026, in Frankfurt am Main vorgesehen. Bis dahin will Verdi mit bundesweiten Warnstreiks ihre Forderungen unterstreichen. Ein weiterer regulärer Verhandlungstermin ist für den 23. November in Berlin vereinbart.

Neben Verdi beteiligt sich auch der Deutsche Bankangestellten-Verband (DBV) an den Tarifgesprächen. Er fordert eine Gehaltserhöhung um 9,5 Prozent bei einer Laufzeit von 24 Monaten sowie 160 Euro zusätzlich für Nachwuchskräfte. Die unterschiedlichen Forderungen der beiden Gewerkschaften treffen damit auf eine Arbeitgeberseite, die bisher keine eigene bezifferte Gehaltssteigerung vorgeschlagen hat.

Ob die für Anfang November angesetzten Verhandlungen eine Annäherung bringen, ist offen. Für die Beschäftigten geht es um Einkommen, Arbeitsplatzsicherheit und Mitbestimmung beim technologischen Wandel. Für die Banken stehen neben den Personalkosten auch die künftige Ausgestaltung ihrer Arbeitsorganisation und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Mittelpunkt.

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