Russlands Zentralbank hält Leitzins hoch und erwartet mehr Inflation

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Die russische Zentralbank hat ihren Leitzins am Freitag, 23. Oktober 2026, erneut unverändert bei 14 Prozent belassen. Gleichzeitig korrigierte die Bank of Russia ihre Inflationsprognose für das laufende Jahr nach oben. Die Währungshüter rechnen damit, dass die Zinsen auch im kommenden Jahr auf einem hohen Niveau bleiben. Damit verschärft sich der Zielkonflikt zwischen der Bekämpfung steigender Verbraucherpreise und der Unterstützung einer schwach wachsenden Wirtschaft.

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Russische Zentralbank belässt Leitzins bei 14 Prozent

Der Leitzins in Russland liegt damit zum zweiten Mal in Folge unverändert bei 14 Prozent. Bereits bei der Sitzung am 11. September hatte die Zentralbank auf eine weitere Senkung verzichtet. Zuvor war der Zinssatz seit Mitte 2025 schrittweise von seinem Höchststand bei 21 Prozent zurückgenommen worden.

Die Entscheidung vom Freitag entsprach den Erwartungen der befragten Finanzanalysten. Hintergrund ist die weiterhin hohe Inflation, die deutlich über dem langfristigen Zielwert der Notenbank von vier Prozent liegt. Nach Einschätzung der Zentralbank hat sich der grundlegende Preisdruck zuletzt nicht ausreichend abgeschwächt.

Inflationsprognose für 2026 deutlich angehoben

Für das Jahresende 2026 erwartet die Bank of Russia inzwischen eine Inflationsrate zwischen 7,1 und 7,6 Prozent. Im Juli hatte sie noch mit sechs bis sieben Prozent gerechnet. Nach vorläufigen Berechnungen lag die jährliche Teuerungsrate am 19. Oktober bei 6,8 Prozent.

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Auch kurzfristige Preisentwicklungen sprechen für anhaltenden Inflationsdruck. Im dritten Quartal erreichte der saisonbereinigte Preisanstieg auf das Jahr hochgerechnet acht Prozent. Im zweiten Quartal hatte dieser Wert noch bei 4,8 Prozent gelegen. Die entsprechend berechnete Kerninflation erhöhte sich von 4,5 auf 6,2 Prozent.

Zu den Belastungsfaktoren zählen insbesondere gestiegene Kraftstoffpreise und Produktionsausfälle in einzelnen Branchen. Nach Angaben von Reuters verteuerte sich Benzin seit Jahresbeginn um 21 Prozent, Diesel um 13,4 Prozent. Ukrainische Drohnenangriffe hatten die Verarbeitungskapazitäten russischer Raffinerien beeinträchtigt. Hinzu kommen höhere Gebühren für öffentliche Versorgungsleistungen, die seit Anfang Oktober wirksam sind.

Hohe Zinsen könnten Russland auch 2027 belasten

Mit der neuen Prognose zeichnet sich ab, dass Unternehmen und private Haushalte länger mit hohen Finanzierungskosten rechnen müssen. Die Zentralbank erhöhte ihre Erwartung für den durchschnittlichen Leitzins im Jahr 2027 auf 12,5 bis 13,5 Prozent. Zuvor hatte sie einen Korridor von 10,5 bis 12,5 Prozent angenommen.

Hohe Kreditzinsen verteuern Investitionen und erschweren Unternehmen die Finanzierung neuer Vorhaben. Gleichzeitig sollen sie die Kreditnachfrage und den Konsum begrenzen, um den Preisauftrieb zu bremsen. Für Sparer können hohe Einlagenzinsen dagegen attraktiv bleiben.

Die Zentralbankchefin Elvira Nabiullina erklärte nach der Sitzung, dass die Bekämpfung der Inflation voraussichtlich länger eine restriktive Geldpolitik erfordern werde. Die Notenbank hält dennoch an ihrer Prognose fest, dass die jährliche Inflation Ende 2027 wieder vier Prozent erreichen soll. Im Jahresdurchschnitt 2027 erwartet sie allerdings noch eine Teuerungsrate zwischen 5,2 und 5,7 Prozent.

Rubel legt nach Zinsentscheidung gegenüber dem Dollar zu

An den Finanzmärkten zeigte sich nach der Entscheidung eine unterschiedliche Reaktion. Nach Angaben von Reuters gewann der russische Rubel im Handel am Freitag rund 1,5 Prozent gegenüber dem US-Dollar und erreichte damit seinen stärksten Stand seit Anfang August. Der Moskauer Aktienindex verlor dagegen rund 1,3 Prozent.

Hohe Zinsen können den Rubel stützen, weil Anlagen in russischer Währung dadurch vergleichsweise attraktiv bleiben. Allerdings wird der Wechselkurs auch von Exporterlösen, Rohstoffpreisen und weiteren wirtschaftlichen Faktoren beeinflusst.

Nabiullina verwies auf gestiegene Exporterlöse durch höhere Preise für Öl und andere Rohstoffe, die den Rubel bereits in den vergangenen Monaten gestützt hätten. Die Zentralbank erhöhte zugleich ihre Annahme für den durchschnittlichen steuerlich relevanten russischen Ölpreis im Jahr 2026 von 60 auf 72 US-Dollar je Barrel.

Russlands Wirtschaft wächst weiterhin nur langsam

Die hohen Zinsen treffen auf eine Wirtschaft mit begrenztem Wachstum. Für 2026 erwartet die russische Zentralbank inzwischen einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts zwischen 0,5 und 1,0 Prozent. Die bisherige Prognose hatte bei null bis einem Prozent gelegen. Für 2027 senkte die Notenbank ihre Wachstumserwartung dagegen von 1,5 bis 2,5 Prozent auf 1,0 bis 2,0 Prozent.

Gleichzeitig bleibt die Lage am Arbeitsmarkt angespannt. Zwar gehen die Personalengpässe in einzelnen Branchen zurück, dennoch liegt die Arbeitslosigkeit nach Einschätzung der Notenbank weiterhin nahe historischen Tiefständen. Lohnsteigerungen, die längerfristig über dem Produktivitätswachstum liegen, zählen zu den Risiken für die Preisstabilität.

Hinzu kommen die wirtschaftlichen Folgen des russischen Staatshaushalts. Steigende Finanzierungskosten belasten die öffentlichen Finanzen. Für 2026 wird ein Haushaltsdefizit von 3,2 Prozent der Wirtschaftsleistung erwartet. Auch die Entwicklung der staatlichen Ausgaben beeinflusst, wie schnell die Inflation zurückgehen kann.

Nächste Zinsentscheidung für Dezember geplant

Die nächste reguläre Zinsentscheidung der russischen Zentralbank ist für den 18. Dezember 2026 vorgesehen. Dann wird erneut über den Leitzins entschieden. Maßgeblich werden insbesondere die weitere Entwicklung der Verbraucherpreise, die Inflationserwartungen und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sein.

Schon jetzt deutet die angehobene Zinsprognose darauf hin, dass sich die russische Wirtschaft auf eine längere Phase vergleichsweise teurer Kredite einstellen muss.

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