Tegut verschwindet schrittweise: Rewe will weitere Märkte übernehmen

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Die Supermarktkette Tegut steht nach fast 80 Jahren vor dem Aus. Während zahlreiche Filialen Ende Oktober an neue Betreiber übergehen, ist die Zukunft von 36 Standorten noch ungeklärt. Zugleich hat Rewe einen weiteren Übernahmeantrag beim Bundeskartellamt eingereicht. Für Kunden bedeutet der Rückzug Veränderungen beim Sortiment, bei Bonusprogrammen und teilweise auch bei den Einkaufsmöglichkeiten.

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Edeka, Rewe und Tante Enso übernehmen 252 Tegut-Märkte

Der Schweizer Handelskonzern Migros hatte im März 2026 angekündigt, sich von seiner deutschen Tochter Tegut zu trennen. Hintergrund waren anhaltende wirtschaftliche Schwierigkeiten. Das Ende von Tegut als eigenständiger Lebensmittelkette wird seitdem schrittweise umgesetzt.

Für 252 der zuletzt 288 Supermärkte sind Übernahmen vereinbart und kartellrechtlich freigegeben. Edeka erhält mit 178 Standorten den größten Anteil. Davon sollen 60 Märkte zum Discounter Netto gehören, darunter drei bislang noch nicht fertiggestellte Standorte. Die Rewe-Gruppe übernimmt 38 Filialen, von denen 36 künftig als Rewe und zwei als Penny betrieben werden sollen. Weitere 36 Märkte gehen an den kleineren Handelsanbieter Tante Enso.

Für die verbleibenden 36 Standorte sucht Migros weiterhin Käufer. Ein zusätzliches Bieterverfahren läuft. Zu diesen Filialen gehören unter anderem Märkte in Fulda, Neuhof, Hünfeld und Schlüchtern.

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Rewe stellt neuen Antrag beim Bundeskartellamt

Am 14. Oktober hatte das Bundeskartellamt die Übernahme von 38 Tegut-Märkten durch Rewe unter Auflagen freigegeben. Ursprünglich wollte der Handelskonzern 40 Standorte erwerben. Auf die Filialen in Marburg-Ketzerbach und Schlüchtern muss Rewe wegen wettbewerblicher Bedenken vier Jahre lang verzichten.

Inzwischen ist ein weiteres Verfahren hinzugekommen. Am 20. Oktober meldete die Rewe-Zentralfinanz eG beim Bundeskartellamt den geplanten Erwerb zusätzlicher Tegut-Märkte an. Das Verfahren wird unter dem Aktenzeichen B4-75/26 geführt.

Wie viele Standorte der neue Antrag umfasst und welche Filialen betroffen sind, war zunächst nicht bekannt. Eine Entscheidung über diese zusätzliche Übernahme lag zunächst ebenfalls nicht vor.

Kartellamt begrenzt auch die Übernahmen durch Edeka

Bereits Ende September hatte das Bundeskartellamt die geplante Edeka-Übernahme eingeschränkt. Statt ursprünglich 202 darf der Handelsverbund nur 178 Tegut-Märkte erwerben. Für 24 weitere Standorte gilt ein vierjähriges Erwerbsverbot.

Betroffen sind unter anderem Märkte in Würzburg, Gerbrunn und Bad Neustadt sowie in anderen Regionen Hessens, Thüringens und Baden-Württembergs.

Die Wettbewerbshüter begründen die Einschränkungen mit der bereits hohen Konzentration des deutschen Lebensmittelhandels. Nach ihren Ermittlungen entfielen 2025 mehr als 90 Prozent der bundesweiten Branchenumsätze auf Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland.

Tegut-Märkte schließen zu unterschiedlichen Terminen

Der 31. Oktober bedeutet nicht das gleichzeitige Ende sämtlicher Tegut-Filialen. Viele Märkte, die an Edeka oder Netto übergehen, haben bereits am 30. Oktober ihren letzten Verkaufstag unter dem bisherigen Namen. In Thüringen ist teilweise schon am 29. Oktober Schluss.

Anschließend werden die Geschäfte umgebaut und schrittweise wiedereröffnet. Zahlreiche Edeka-Märkte sollen ab dem 5. November wieder öffnen. Bei Netto sind Neueröffnungen im November vorgesehen.

Für Filialen ohne Käufer gelten andere Fristen. Nach Angaben von Migros sollen diese voraussichtlich bis zum 19. Dezember geöffnet bleiben. Bis dahin wird weiter nach Übernahmelösungen gesucht.

Bonuspunkte und Sortiment: Das ändert sich für Kunden

Mit dem Ende von Tegut wird auch das Kundenprogramm Tebonus eingestellt. Punkte können noch bis zum 31. Oktober gesammelt und bis zum 28. November in weiterhin geöffneten Tegut-Märkten eingelöst werden. Eine eigene Kündigung ist nicht notwendig. Migros informiert die Teilnehmer per Post oder E-Mail.

Auch vorhandene Geschenkgutscheine können nur noch in bestehenden Tegut-Filialen eingelöst werden. Pfandbons sollten Kunden vor der jeweiligen Marktübergabe verwenden, da sie an den ausstellenden Markt gebunden sind.

Beim Warenangebot stehen ebenfalls Veränderungen bevor. Die neuen Betreiber werden ihre eigenen Handelsmarken einführen. Rewe hat angekündigt, regionale Lieferbeziehungen sowie die Versorgung mit Bio-Produkten möglichst fortzuführen. Auch Edeka und Netto planen weiterhin entsprechende Angebote. Ob einzelne bisherige Tegut-Produkte erhältlich bleiben, hängt vom jeweiligen Betreiber ab.

Tausende Beschäftigte von der Umstellung betroffen

Insgesamt waren nach Angaben von Migros rund 7.400 Beschäftigte vom angekündigten Verkauf der Unternehmensgruppe betroffen. Für einen großen Teil der Filialmitarbeiter eröffnen die Übernahmen neue berufliche Perspektiven. Allein Edeka übernimmt Märkte mit rund 3.800 Beschäftigten einschließlich Auszubildender. Rewe will den Mitarbeitern seiner übernommenen Standorte ebenfalls Beschäftigungsangebote machen.

Anders ist die Situation in der Tegut-Zentrale in Fulda. Sie soll zum 31. März 2027 geschlossen werden. Rund 470 Beschäftigte der zentralen Dienste wurden bereits über ihre Kündigungen informiert.

Auch beim Logistikzentrum in Michelsrombach gibt es Veränderungen. Edeka will den Standort weiter nutzen. Nach bisherigen Planungen sollen dort rund 120 Arbeitsplätze erhalten bleiben.

Damit endet die Geschichte einer traditionsreichen deutschen Supermarktkette, die 1947 in Fulda gegründet wurde und seit 2013 zur Schweizer Migros gehörte. Während ein Großteil der Geschäfte unter neuen Namen weitergeführt werden soll, bleibt für die noch nicht verkauften Standorte die Zukunft offen.

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