
Hannover 96 hat sich nach den schweren Ausschreitungen beim Niedersachsenderby gegen Eintracht Braunschweig deutlich vom Verhalten eines Teils seiner Anhänger distanziert. Nach dem Zweitligaspiel am Sonntag, 25. Oktober 2026, verurteilte der Verein den Einsatz von Feuerwerkskörpern gegen andere Zuschauerbereiche. Die Polizei bestätigte zwei Leichtverletzte durch Raketenbeschuss während der Partie. Hannover 96 kündigte an, bei der Identifizierung der Verantwortlichen mitzuwirken. Auch weitere sportrechtliche Konsequenzen sind möglich.
Im Mittelpunkt der Stellungnahme des Vereins steht das Geschehen im Gästeblock des Eintracht-Stadions. Nach dem zweiten Treffer der Braunschweiger, die das Derby mit 2:0 gewannen, wurden Feuerwerkskörper in Richtung anderer Tribünen abgeschossen. Außerdem kam es nach Vereinsangaben zu Vandalismus.
Hannover 96 bezeichnete die Vorgänge in seiner Mitteilung vom Sonntag als „inakzeptable Eskalation“. Der Verein verurteilte das Geschehen ausdrücklich und erklärte, es gebe dafür keinerlei Entschuldigung. Die Beteiligten hätten nach Auffassung des Klubs die Gesundheit anderer Menschen bewusst gefährdet.
Zugleich kündigte Hannover 96 an, sich an der Identifizierung der Verantwortlichen zu beteiligen. Welche konkreten Maßnahmen der Verein dafür ergreifen will, wurde zunächst nicht mitgeteilt. Auch über bereits ausgesprochene Stadionverbote machte Hannover 96 in seiner Stellungnahme keine Angaben.
Der Klub hob zudem hervor, dass die Organisation der Anreise und der Stadionzugang weitgehend problemlos verlaufen seien. Für die weitere Aufarbeitung wolle man mit den beteiligten Stellen im Austausch bleiben.
Die Pyrotechnik im Niedersachsenderby beschäftigte auch die Polizei. Nach Angaben der Polizeiinspektion Braunschweig wurden in der Nachspielzeit Raketen aus dem Gästebereich in Richtung der benachbarten Heimtribüne abgefeuert.
Dabei gerieten nicht nur Zuschauer, sondern auch Ordnungskräfte sowie Einsatzkräfte von Polizei und Rettungsdienst unter Beschuss. Ein Zuschauer und eine Polizeibeamtin erlitten leichte Verletzungen.
Die Feuerwehr musste während der Ausschreitungen kleinere Brände löschen. Schiedsrichter Tobias Reichel unterbrach die Begegnung für etwa zehn Minuten, bevor sie fortgesetzt werden konnte.
Die Polizei bewertete die Angriffe auf Zuschauer und Einsatzkräfte als besonders schwerwiegend. Braunschweigs Polizeipräsident Thomas Ring verurteilte das Verhalten der beteiligten Hannoveraner Anhänger. Auch die gemeinsamen Einsatzleiter von Landespolizei und Bundespolizei kündigten an, die Übergriffe konsequent zu verfolgen.
Welche strafrechtlichen Vorwürfe einzelnen Personen gemacht werden und wie viele Beteiligte bereits identifiziert werden konnten, blieb zunächst offen. Ebenso lag zunächst keine bezifferte Schadenshöhe für die vom Verein gemeldeten Sachbeschädigungen vor.
Die Ereignisse in der Schlussphase waren nicht die einzigen Zwischenfälle des Tages. Nach Polizeiangaben waren bereits während eines Fanmarsches von rund 2.000 Braunschweiger Anhängern vier Menschen durch Feuerwerkskörper verletzt worden. Auch ein Mitarbeiter der Braunschweiger Verkehrs-GmbH erlitt Verletzungen und wurde in ein Krankenhaus gebracht.
Diese Vorfälle ereigneten sich vor dem Spiel und sind von den späteren Ausschreitungen im Gästeblock zu unterscheiden.
Für das als Hochrisikospiel eingestufte Derby hatte die Polizeiinspektion Braunschweig rund 800 Einsatzkräfte eingeplant. Die Bundespolizei war mit etwa 300 Beamtinnen und Beamten beteiligt. Trotz der Vorfälle bewerteten beide Behörden die Zusammenarbeit bei der Sicherung der Reisewege und rund um das Stadion grundsätzlich positiv.
Auch innerhalb der sportlichen Führung von Hannover 96 stießen die Ausschreitungen auf deutliche Ablehnung. Geschäftsführer Jonas Boldt bezeichnete die Szenen nach der Begegnung als völlig unnötig.
Eine Enttäuschung über die Derby-Niederlage sei zwar nachvollziehbar, rechtfertige aber keinesfalls ein solches Verhalten. Boldt betonte, derartige Vorfälle hätten in Fußballstadien keinen Platz.
Gegenüber dem NDR wies der Geschäftsführer zugleich darauf hin, dass problematisches Fanverhalten kein ausschließliches Thema von Hannover 96 sei.
Damit steht der Verein vor zwei voneinander getrennten Herausforderungen: der sportlichen Aufarbeitung der Niederlage und dem Umgang mit den schweren Sicherheitsvorfällen. Die öffentliche Stellungnahme des Klubs konzentriert sich bei Letzteren zunächst auf eine klare Distanzierung und die Unterstützung bei der Identifizierung der Beteiligten.
Neben möglichen strafrechtlichen Konsequenzen für einzelne Beteiligte könnten die Ausschreitungen auch ein sportgerichtliches Verfahren nach sich ziehen.
Hannover 96 musste bereits in der Vergangenheit erhebliche Geldstrafen wegen des Verhaltens seiner Anhänger bezahlen. Erst am 3. September 2026 setzte das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes nach einer mündlichen Verhandlung zwei zuvor verhängte Geldstrafen auf insgesamt 330.000 Euro fest.
Davon entfielen 205.000 Euro auf Vorfälle beim Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig am 20. März 2026. Weitere 125.000 Euro betrafen die Begegnung beim 1. FC Magdeburg vom 30. Januar 2026. Das Urteil ist rechtskräftig.
Bis zu 111.000 Euro dieser Gesamtsumme darf Hannover 96 nach DFB-Angaben für eigene Sicherheitsmaßnahmen und Gewaltprävention verwenden. Die entsprechenden Ausgaben müssen bis Ende März 2027 nachgewiesen werden.
Bereits im Februar 2026 hatte das DFB-Sportgericht außerdem Geldstrafen von zusammen 204.430 Euro für drei andere Begegnungen ausgesprochen. Darunter befand sich das Auswärtsspiel in Braunschweig vom 26. Oktober 2025, bei dem Hannoveraner Anhänger mindestens 110 bengalische Feuer und einen Rauchtopf gezündet hatten. Alle drei Entscheidungen waren rechtskräftig.
Für mögliche Konsequenzen aus dem jüngsten Derby spielt auch eine Änderung der DFB-Strafzumessung eine Rolle. Der Verband hatte am 31. Juli 2026 beschlossen, besonders gefährliche Formen des Pyrotechnikeinsatzes strenger zu behandeln.
Die neuen Regeln unterscheiden stärker zwischen dem Abbrennen pyrotechnischer Gegenstände und besonders gefährlichen Handlungen, etwa dem Abschießen von Raketen oder dem Werfen von Pyrotechnik.
Bei schwerwiegenden Vorfällen mit Verletzten, gezieltem Beschuss von Menschengruppen oder längeren Spielunterbrechungen gelten allgemeine Strafzumessungskriterien. Das DFB-Regelwerk ermöglicht in solchen Fällen neben Geldbußen grundsätzlich auch weitergehende Sanktionen, darunter Platzsperren oder Spiele ohne Zuschauer.
Ob der DFB-Kontrollausschuss wegen der Vorkommnisse vom 25. Oktober bereits ein Verfahren gegen Hannover 96 eingeleitet hat, war zunächst nicht offiziell bestätigt. Eine konkrete neue Geldstrafe oder eine Entscheidung über einen Zuschauerausschluss lag ebenfalls noch nicht vor.
Unabhängig von einem möglichen DFB-Verfahren richtet sich die angekündigte Aufarbeitung zunächst auf die Beteiligten der Ausschreitungen. Hannover 96 hat zugesichert, die Identifizierung zu unterstützen. Die Polizei will die Angriffe auf Zuschauer und Einsatzkräfte konsequent verfolgen.
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