Frasers sichert sich Mehrheit bei Hugo Boss: Briten kontrollieren jetzt 50,08 Prozent

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die britische Frasers Group hat sich die Mehrheit an Hugo Boss gesichert. Der Handelskonzern, der vom Milliardär Mike Ashley kontrolliert wird, hält inzwischen 50,08 Prozent der Aktien des deutschen Modeunternehmens. Damit erreicht Frasers ein Ziel, das im Sommer mit einem freiwilligen Übernahmeangebot zunächst verfehlt worden war. Für Hugo Boss bedeutet die neue Eigentümerstruktur eine stärkere Einbindung in den britischen Handelskonzern.

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Frasers Group überschreitet die Marke von 50 Prozent

Die entscheidende Beteiligungsschwelle wurde am Freitag, 23. Oktober 2026, überschritten. Nach Angaben der Frasers Group erwarb das Unternehmen weitere 198.666 Aktien von Hugo Boss für insgesamt rund 7,63 Millionen Euro. Der Kauf wurde aus vorhandenen Finanzmitteln bezahlt.

Damit hält Frasers insgesamt 34.468.065 Aktien des Modekonzerns mit Sitz in Metzingen. Das entspricht 50,08 Prozent des Grundkapitals. Eine am 26. Oktober veröffentlichte Stimmrechtsmitteilung von Hugo Boss bestätigt, dass Frasers nun direkt über mehr als die Hälfte der Stimmrechte verfügt.

Mit der absoluten Mehrheit kann der britische Konzern bei Hauptversammlungen Beschlüsse, für die eine einfache Mehrheit erforderlich ist, maßgeblich bestimmen. Dazu gehören beispielsweise Entscheidungen über die Verwendung des Bilanzgewinns. Für bestimmte grundlegende Veränderungen sind allerdings höhere Mehrheiten erforderlich.

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Übernahmeangebot im August verfehlte zunächst das Ziel

Der Einstieg von Frasers bei Hugo Boss reicht bis ins Jahr 2020 zurück. Seitdem baute die britische Handelsgruppe ihre Beteiligung schrittweise aus.

Im Juni 2026 startete Frasers einen neuen Anlauf, um die Kontrolle über den Modehersteller zu erlangen. Der Konzern legte ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot vor und bot den Aktionären 38 Euro je Aktie.

Vorstand und Aufsichtsrat von Hugo Boss empfahlen den Anteilseignern, das Angebot nicht anzunehmen. Nach ihrer Einschätzung spiegelte der angebotene Preis den Unternehmenswert und die langfristigen wirtschaftlichen Möglichkeiten nicht angemessen wider.

Bis zum Ablauf der zusätzlichen Annahmefrist am 13. August wurden rund 12,16 Millionen Aktien angedient. Das entsprach etwa 17,62 Prozent des Grundkapitals. Zusammen mit den bereits gehaltenen Anteilen kam Frasers dadurch auf 47,89 Prozent.

Die angestrebte Mehrheit wurde zunächst verfehlt. Am 1. September erklärte Frasers allerdings, die Beteiligung durch weitere Aktienkäufe über die Schwelle von 50 Prozent erhöhen zu wollen. Mitte Oktober lag der direkte Anteil bereits bei 48,80 Prozent.

Hugo Boss soll künftig zur Frasers-Konzernbilanz gehören

Durch den Erwerb der Aktienmehrheit verändert sich auch die bilanzielle Stellung von Hugo Boss. Nach Angaben der Frasers Group soll der deutsche Modehersteller künftig als Tochtergesellschaft in den Konzernabschluss einbezogen werden.

Damit sollen die Umsätze, Ergebnisse, Vermögenswerte und Verbindlichkeiten von Hugo Boss in der Rechnungslegung der britischen Gruppe berücksichtigt werden. Frasers hat diese Auswirkungen in seiner Unternehmensmitteilung vom 23. Oktober angekündigt.

Der Schritt bedeutet allerdings nicht, dass Hugo Boss vollständig übernommen wurde. Rund 49,92 Prozent der Aktien befinden sich weiterhin im Besitz anderer Anteilseigner. Die Aktien des Modeunternehmens werden auch künftig an der Frankfurter Börse gehandelt.

Zudem bleibt die operative Geschäftsführung nach deutschem Aktienrecht beim Vorstand von Hugo Boss. Frasers weist selbst darauf hin, dass der unmittelbare Einfluss auf das Tagesgeschäft deshalb begrenzt sein kann.

Frasers-Chef Michael Murray führt bereits den Aufsichtsrat

Der wachsende Einfluss des britischen Großaktionärs hatte sich bereits vor dem Überschreiten der Mehrheitsschwelle in der Unternehmensführung niedergeschlagen.

Seit September 2026 steht Michael Murray, Vorstandschef der Frasers Group, an der Spitze des Aufsichtsrats von Hugo Boss. Er übernahm den Vorsitz von Stephan Sturm, der zuvor seinen Rückzug aus dem Kontrollgremium angekündigt hatte.

Der Vorstand von Hugo Boss wird weiterhin von Daniel Grieder geführt. Frasers erklärte in einer Mitteilung vom 26. Oktober, sowohl Murray als auch Grieder bei einer auf nachhaltiges Wachstum ausgerichteten Unternehmensstrategie unterstützen zu wollen.

Zugleich kündigte die britische Gruppe an, bei künftigen freien Positionen in Vorstand und Aufsichtsrat Einfluss auf die Besetzung nehmen zu wollen.

Weitere Aktienkäufe sind nicht ausgeschlossen

Frasers könnte seine Beteiligung an Hugo Boss noch weiter ausbauen. In der jüngsten Pflichtmitteilung schloss das Unternehmen zusätzliche Aktienkäufe innerhalb der kommenden zwölf Monate ausdrücklich nicht aus. Eine konkrete weitere Aufstockung wurde damit jedoch nicht angekündigt.

Hinzu kommen Finanzinstrumente, die sich auf bis zu 15.050.100 weitere Hugo-Boss-Aktien beziehen. Diese verkauften Put-Optionen entsprechen 21,87 Prozent des Grundkapitals. Sie sind von den bereits direkt gehaltenen Aktien zu unterscheiden. Werden die entsprechenden Optionen ausgeübt, kann Frasers zur Übernahme weiterer Aktien verpflichtet sein.

Eine grundlegende Veränderung der Kapitalstruktur von Hugo Boss strebt Frasers nach eigenen Angaben derzeit nicht an. Die Gruppe unterstützt außerdem die gegenwärtige Dividendenpolitik, die eine Ausschüttung in Höhe des gesetzlichen Mindestbetrags vorsieht.

Für den deutschen Modehersteller beginnt damit eine neue Phase unter britischer Mehrheitskontrolle. Frasers, zu dessen bekanntesten Handelsmarken Sports Direct gehört, hat sich nach mehreren Monaten und weiteren Aktienkäufen die entscheidende Beteiligung gesichert. Konkrete Änderungen an Standorten oder beim Personal wurden im Zusammenhang mit dem jüngsten Anteilserwerb zunächst nicht angekündigt.

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