
Der Fondsanbieter DWS hat im dritten Quartal 2026 so viel neues Anlegergeld eingesammelt wie noch nie zuvor innerhalb von drei Monaten. Insgesamt verzeichnete die börsennotierte Vermögensverwaltung der Deutschen Bank Nettomittelzuflüsse von 30,9 Milliarden Euro. Gleichzeitig blieben die Geschäftsergebnisse hinter den Erwartungen von Analysten zurück. Die DWS-Aktie geriet nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen am Mittwoch, 28. Oktober, unter Druck.
Zwischen Juli und September flossen der DWS unter dem Strich 30,9 Milliarden Euro zu. Im zweiten Quartal waren es noch 24,8 Milliarden Euro gewesen. Gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal mit 12,1 Milliarden Euro haben sich die Zuflüsse damit mehr als verdoppelt.
Auch im bisherigen Jahresverlauf erreichte die Fondsgesellschaft einen Höchststand. Von Januar bis September summierten sich die Nettomittelzuflüsse auf 66,7 Milliarden Euro. Nach Unternehmensangaben übertraf dieser Betrag bereits das gesamte Nettomittelaufkommen jedes einzelnen Geschäftsjahres seit dem Börsengang 2018.
Die Zahlen umfassen neben langfristigen Anlageprodukten auch kurzfristige Geldmarktanlagen und Beratungsdienstleistungen. Allein im langfristigen Anlagegeschäft verbuchte die DWS im dritten Quartal Zuflüsse von 16,6 Milliarden Euro. Über die ersten neun Monate hinweg waren es 34,8 Milliarden Euro.
Die Entwicklung zeigt, dass der Vermögensverwalter weiterhin erhebliche Kundengelder gewinnt. Für das Geschäftsmodell sind diese Zuflüsse bedeutsam, weil die DWS einen wesentlichen Teil ihrer Einnahmen aus Gebühren für die Verwaltung von Anlagevermögen erzielt.
Besonders stark entwickelte sich das Geschäft mit passiven Anlageprodukten. In diesem Bereich erzielte die DWS im dritten Quartal Nettomittelzuflüsse von 15,8 Milliarden Euro. Maßgeblich waren börsengehandelte Anlageprodukte der Marke Xtrackers sowie institutionelle Mandate.
Auch kurzfristige Geldmarktanlagen waren gefragt. Hier flossen der Gesellschaft 13,9 Milliarden Euro zu. Weitere 800 Millionen Euro kamen aus alternativen Anlageprodukten, darunter Infrastrukturinvestments.
Deutlich schwächer entwickelte sich dagegen das klassische aktive Fondsmanagement. Dort hielten sich Zu- und Abflüsse nahezu die Waage. Während systematische Anlagestrategien zusätzliche Kundengelder gewannen, verzeichneten aktiv verwaltete Aktienfonds Abflüsse von einer Milliarde Euro.
Der Unterschied zwischen den einzelnen Produktgruppen verdeutlicht, dass sich das Wachstum der DWS vor allem auf passive Anlagen und Geldmarktprodukte konzentriert.
Durch die starken Zuflüsse erreichte das gesamte verwaltete Vermögen Ende September einen neuen Höchststand von 1,221 Billionen Euro. Ende Juni hatte die DWS noch 1,190 Billionen Euro betreut.
Seit Jahresbeginn erhöhte sich das verwaltete Vermögen damit um 136 Milliarden Euro. Neben neuen Kundengeldern wirkten sich auch Marktentwicklungen und Wechselkurseffekte auf die Bestände aus.
Das langfristig verwaltete Vermögen stieg gegenüber dem Vorquartal um 15 Milliarden Euro auf 1,064 Billionen Euro. Gegenüber Ende 2025 entspricht das einem Zuwachs von 101 Milliarden Euro.
Für die Fondsgesellschaft erweitert sich dadurch die Grundlage für regelmäßige Verwaltungsgebühren. Wie hoch diese tatsächlich ausfallen, hängt allerdings auch von der Zusammensetzung der verwalteten Produkte ab.
Trotz des kräftigen Wachstums bei den Kundengeldern konnte die DWS die Gewinnerwartungen nicht erfüllen.
Die Erträge erhöhten sich im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um vier Prozent auf 784 Millionen Euro. Analysten hatten nach einer von Dow Jones Newswires veröffentlichten Konsensschätzung durchschnittlich mit 802 Millionen Euro gerechnet.
Der Gewinn der DWS vor Steuern stieg im Jahresvergleich um zwei Prozent auf 325 Millionen Euro. Erwartet worden waren 345 Millionen Euro.
Unter dem Strich verblieb ein den Aktionären zurechenbarer Überschuss von 230 Millionen Euro. Das waren fünf Prozent mehr als ein Jahr zuvor, aber weniger als die von Analysten erwarteten 243 Millionen Euro.
Im Vergleich zum zweiten Quartal ging der Überschuss um drei Prozent zurück. Dieser Rückgang war nach Unternehmensangaben auf einen positiven Steuereffekt zurückzuführen, der das Ergebnis des vorangegangenen Quartals begünstigt hatte.
Die DWS steigerte somit ihre Gewinne gegenüber dem Vorjahr, konnte aber nicht mit den optimistischeren Prognosen des Kapitalmarktes Schritt halten.
Eine wichtige Ursache für die schwächer als erwarteten Quartalszahlen waren geringere erfolgsabhängige Vergütungen und sonstige Erträge.
Solche Gebühren können anfallen, wenn bestimmte Fonds vereinbarte Renditeziele erreichen. Anders als regelmäßige Verwaltungsgebühren verteilen sie sich nicht gleichmäßig über das Geschäftsjahr.
Die DWS hatte bereits angekündigt, dass ein größerer Teil dieser Einnahmen im ersten und vierten Quartal verbucht werden dürfte. Im dritten Quartal lagen die entsprechenden Gebühren deshalb unter den Vorjahreswerten.
Gleichzeitig gingen die gesamten Kosten gegenüber dem zweiten Quartal um zwei Prozent auf 459 Millionen Euro zurück.
Die Aufwand-Ertrag-Relation verbesserte sich dadurch im Quartalsvergleich von 60,5 auf 58,6 Prozent. Gegenüber dem Vorjahresquartal mit 57,7 Prozent fiel sie allerdings schlechter aus. Diese Kennzahl beschreibt, welcher Anteil der Erträge für den laufenden Geschäftsbetrieb aufgewendet werden muss.
An der Börse überwogen am Mittwoch zunächst die enttäuschten Gewinnerwartungen. Die DWS-Aktie notierte am 28. Oktober 2026 um 11:35 Uhr auf Xetra bei 65,30 Euro. Das entsprach einem Rückgang von 1,88 Prozent gegenüber dem vorherigen Schlusskurs. Quelle der Kursangabe ist FinanzNachrichten.de mit Xetra-Daten.
Auch die Reaktionen mehrerer Analysten fielen gemischt aus. Die Schweizer Großbank UBS bewertete insbesondere die schwächeren Erfolgsgebühren und die hinter den Prognosen zurückgebliebenen Erträge kritisch. Positiv hob sie das verwaltete Vermögen und die Mittelzuflüsse hervor.
Die kanadische Bank RBC verwies ebenfalls auf das starke Neugeschäft, stellte zugleich aber fest, dass das Ergebnis die Erwartungen verfehlt habe.
Für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres fällt die Gewinnentwicklung wesentlich stärker aus als für das dritte Quartal allein.
Von Januar bis September erwirtschaftete die DWS Erträge von 2,378 Milliarden Euro. Das waren sechs Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Der Vorsteuergewinn erhöhte sich um elf Prozent auf 1,006 Milliarden Euro. Der den Aktionären zurechenbare Überschuss stieg sogar um 16 Prozent auf 731 Millionen Euro.
Dabei profitiert das Unternehmen von höheren regelmäßigen Verwaltungsgebühren. Diese legten in den ersten neun Monaten um elf Prozent zu. Hauptgrund war das durchschnittlich gestiegene verwaltete Vermögen.
Die Gesamtkosten erhöhten sich im gleichen Zeitraum lediglich um zwei Prozent auf 1,372 Milliarden Euro. Unter anderem wirkten sich zusätzliche Beschäftigte, höhere aktienkursabhängige Vergütungen und wachsende fondsbezogene Dienstleistungen auf die Ausgaben aus.
Trotz der verfehlten Quartalserwartungen bestätigte die Geschäftsführung ihre Prognose für das Gesamtjahr 2026.
Die DWS strebt weiterhin einen Anstieg des Gewinns je Aktie um zehn bis 15 Prozent an. Außerdem soll die Aufwand-Ertrag-Relation im Gesamtjahr zwischen 55 und 57 Prozent liegen.
Nach neun Monaten lag diese Kennzahl allerdings noch bei 57,7 Prozent und lag damit leicht über dem angestrebten Bereich.
Die Unternehmensführung sieht sich durch die Rekordzuflüsse und das gestiegene verwaltete Vermögen in ihrer Strategie bestätigt. Ihre Jahresprognose steht unter der Voraussetzung eines unterstützenden Marktumfeldes.
International will die Gesellschaft ihre Position weiter ausbauen. Anfang November soll Deutsche Asset Management als neue globale Dachmarke eingeführt werden. Die bestehenden Produktmarken DWS und Xtrackers bleiben erhalten.
Zusätzlich hat die DWS Anfang Oktober eine Vereinbarung zur Übernahme des Immobilienvermögensverwalters Peakside Capital Advisors geschlossen. Das Unternehmen verwaltet mehr als 1,7 Milliarden Euro. Der Abschluss der Transaktion wird vorbehaltlich der erforderlichen Genehmigungen bis Ende 2026 erwartet.
Damit setzt die DWS neben dem Wachstum bei ETFs auch auf den Ausbau alternativer Anlageangebote. Der aktuelle Quartalsbericht zeigt allerdings, dass selbst Rekordzuflüsse nicht automatisch zu entsprechend hohen kurzfristigen Gewinnen führen.
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