OMV steigert Quartalsgewinn

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

Teilen:

Der österreichische Öl-, Gas- und Chemiekonzern OMV hat im dritten Quartal 2026 deutlich mehr verdient als ein Jahr zuvor. Hohe Öl- und Gaspreise sowie stark gestiegene Raffineriemargen sorgten für einen kräftigen Ergebnisanstieg. Gleichzeitig schwächelte das Chemiegeschäft. Besonders die Beteiligung Borouge International entwickelte sich deutlich schlechter.

Anzeige

Die am Donnerstag, 29. Oktober 2026, veröffentlichten OMV Quartalszahlen 2026 zeigen einen Anstieg des bereinigten operativen Ergebnisses um 68 Prozent auf 2,117 Milliarden Euro. Im Vorjahresquartal lag dieser Wert bei 1,262 Milliarden Euro. Damit erzielte das Unternehmen sein höchstes bereinigtes operatives Quartalsergebnis seit Ende 2022.

OMV steigert Umsatz und Gewinn deutlich

Der Konzernumsatz aus fortgeführten Geschäften lag im dritten Quartal bei 8,959 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Anstieg um 43 Prozent.

Der den Aktionären zurechenbare bereinigte Quartalsüberschuss auf CCS-Basis lag bei 1,153 Milliarden Euro und damit 94 Prozent über dem Vergleichswert des Vorjahres. Diese Kennzahl berücksichtigt weder Sondereffekte noch bestimmte Bewertungseffekte aus der Vorratshaltung. Sie ist deshalb nicht mit dem unbereinigten Nettoergebnis gleichzusetzen.

Anzeige

Auch der Mittelzufluss entwickelte sich positiv. Der operative Cashflow stieg auf 2,199 Milliarden Euro. Ohne Veränderungen des kurzfristigen Betriebskapitals lag er bei 2,334 Milliarden Euro, ein Anstieg um 57 Prozent.

Die Geschäftsentwicklung übertraf die Erwartungen der Analysten allerdings nicht in allen Bereichen. Der bereinigte operative Konzerngewinn blieb unter dem zuvor ermittelten Konsens von 2,168 Milliarden Euro. Der bereinigte, den Aktionären zurechenbare Überschuss lag dagegen über der Prognose von 1,092 Milliarden Euro.

Raffineriegeschäft wird wichtigster Gewinntreiber

Besonders stark entwickelte sich die Sparte Fuels, zu der das Raffinerie- und Kraftstoffgeschäft gehört. Das bereinigte operative Ergebnis lag hier bei 1,124 Milliarden Euro. Gegenüber den 413 Millionen Euro des Vorjahresquartals entspricht dies einem Zuwachs um 172 Prozent.

Ausschlaggebend waren insbesondere die höheren Margen bei der Verarbeitung von Rohöl. Die europäische Raffinerie-Referenzmarge von OMV stieg von 11,50 auf 37,50 US-Dollar je Barrel.

Die europäischen Raffinerien erreichten einen Auslastungsgrad von 92 Prozent. Gleichzeitig stiegen die europäischen Kraftstoff- und sonstigen Verkaufsmengen um vier Prozent auf 4,57 Millionen Tonnen.

Das Tankstellengeschäft stand dagegen unter Druck. Die stark gestiegenen internationalen Preise für Erdölprodukte belasteten die Handelsmargen. Die höheren Absatzmengen konnten diesen Effekt nur teilweise ausgleichen.

Hinter den hohen Raffineriemargen steht auch die angespannte internationale Versorgungslage. Der Konflikt im Nahen Osten und die teilweise Einschränkung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus haben das Angebot an Kraftstoffen und Raffinerieprodukten beeinflusst.

Öl- und Gasgeschäft profitiert von höheren Preisen

Auch die Sparte Energy konnte ihr Ergebnis steigern. Der bereinigte operative Gewinn lag bei 936 Millionen Euro und damit 51 Prozent über dem Vorjahreswert von 622 Millionen Euro.

Der durchschnittlich erzielte Ölpreis lag bei rund 94 US-Dollar je Barrel und damit 41 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Bei Erdgas erreichte OMV einen durchschnittlichen Verkaufspreis von 49,24 Euro je Megawattstunde. Das entspricht einem Anstieg um 80 Prozent.

Die Fördermenge entwickelte sich hingegen rückläufig. OMV produzierte durchschnittlich 294.000 Barrel Öläquivalent pro Tag, nach 304.000 im Vorjahresquartal.

Noch deutlicher ging die verkaufte Menge zurück. Sie sank von 306.000 auf 225.000 Barrel Öläquivalent pro Tag. Hintergrund waren unter anderem ausgebliebene Rohölverladungen im Nahen Osten sowie geringere Verkaufsmengen in Norwegen und Rumänien.

Die gestiegenen Öl- und Gaspreise konnten diese Belastungen im operativen Ergebnis mehr als ausgleichen.

Chemiesparte verzeichnet deutlichen Rückgang

Wesentlich schwächer entwickelte sich der Geschäftsbereich Chemicals. Das bereinigte operative Ergebnis lag bei 63 Millionen Euro, nach 222 Millionen Euro im dritten Quartal 2025. Damit ging der Gewinnbeitrag um 72 Prozent zurück.

Eine wichtige Rolle spielte die Beteiligung Borouge International. Ihr bereinigter Ergebnisbeitrag für OMV lag lediglich bei 16 Millionen Euro.

Die Entwicklung war vor allem durch niedrigere Marktpreise für chemische Produkte und Kunststoffe geprägt. Nach den starken Preisbewegungen im zweiten Quartal korrigierten die Notierungen auf den internationalen Märkten für Olefine und Polyolefine deutlich.

Das Geschäft mit Basischemikalien entwickelte sich dagegen besser als im Vorjahr. Die europäischen Referenzmargen für Ethylen und Propylen stiegen. Auch die Auslastung der Steamcracker-Anlagen verbesserte sich auf 82 Prozent.

Der Konzern setzt zugleich die Integration von Borouge International fort. Die Beteiligung ist ein zentraler Bestandteil der langfristigen Ausrichtung auf das internationale Chemie- und Kunststoffgeschäft.

OMV hebt wichtige Jahresannahmen an

Für das Gesamtjahr 2026 hat OMV mehrere Erwartungen angepasst. Besonders deutlich wird dies bei den angenommenen Energiepreisen.

Der Konzern rechnet inzwischen mit einem durchschnittlichen Brent-Ölpreis von mehr als 95 US-Dollar je Barrel. Zuvor hatte OMV eine Spanne zwischen 85 und 95 US-Dollar erwartet.

Auch die Prognose für den durchschnittlich erzielten Gaspreis wurde angehoben. OMV erwartet nun rund 45 Euro je Megawattstunde, nachdem bislang etwa 40 Euro angesetzt worden waren.

Die europäische Raffinerie-Referenzmarge soll nach Einschätzung des Unternehmens im Jahresdurchschnitt bei rund 25 US-Dollar je Barrel liegen. Die vorherige Annahme hatte bei rund 20 US-Dollar gelegen.

Die geplanten organischen Investitionen erhöhte OMV von rund 3,4 auf 3,5 Milliarden Euro.

Für die tägliche Öl- und Gasproduktion rechnet der Konzern mit etwa 290.000 Barrel Öläquivalent. Die tatsächliche Entwicklung hängt weiterhin von den geopolitischen Rahmenbedingungen ab.

Bedeutung für europäische Kraftstoff- und Gasmärkte

Die Quartalszahlen verdeutlichen, wie stark internationale Konflikte und Veränderungen des Energieangebots die Ergebnisse großer Öl- und Gaskonzerne beeinflussen können.

Die hohen Raffineriemargen zeigen, dass die Verarbeitung und Bereitstellung von Kraftstoffen im dritten Quartal besonders ertragreich war. Daraus lässt sich allerdings nicht unmittelbar auf die Entwicklung einzelner Tankstellenpreise schließen. Diese hängen zusätzlich von regionalen Marktbedingungen, Steuern und den Verkaufsmargen im Einzelhandel ab.

Auf dem Gasmarkt bleibt OMV auch wegen seiner Investitionen in neue Förderprojekte relevant. Dazu zählt insbesondere Neptun Deep im Schwarzen Meer, das gemeinsam mit dem rumänischen Unternehmen Romgaz entwickelt wird. Das Projekt soll künftig einen zusätzlichen Beitrag zur europäischen Gasversorgung leisten. Die erste Förderung ist für das erste Halbjahr 2027 vorgesehen.

Mit dem erhöhten Investitionsbudget setzt OMV die Entwicklung seiner Förderprojekte fort. Zugleich bleibt das Unternehmen von der weiteren Preisentwicklung auf den internationalen Energie- und Chemierohstoffmärkten abhängig.

OMV-Aktie vor Handelsbeginn

An der Wiener Börse hatte die OMV-Aktie den Handel am Mittwoch, 28. Oktober 2026, bei 72,75 Euro beendet. Das entsprach einem Tagesgewinn von 1,25 Prozent. Quelle ist die Wiener Börse, Schlusskurs vom 28. Oktober 2026.

Eine unmittelbare Kursreaktion auf die am Donnerstagmorgen veröffentlichten Quartalszahlen war zum Stand von 8:16 Uhr noch nicht festzustellen. Der reguläre Handel an der Wiener Börse beginnt um 9 Uhr.

Mit MS-Aktuell immer ohne Paywall lesen
Bei Google bevorzugen

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu