
Die niederländische Großbank ING Group hat im dritten Quartal 2026 mehr verdient als ein Jahr zuvor, die Erwartungen der Analysten jedoch verfehlt. Gleichzeitig kündigte das Institut am Donnerstag, 29. Oktober, einen weltweiten Stellenabbau und ein neues Aktienrückkaufprogramm an. Besonders das Geschäft mit Zinsen entwickelte sich positiv, während höhere Kreditrisikovorsorge und steigende Kosten das Ergebnis belasteten.
Der Nettogewinn der ING lag zwischen Juli und September bei 1,85 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Anstieg um 3,5 Prozent. Analysten hatten nach einer von Reuters veröffentlichten Konsensschätzung allerdings mit rund 1,97 Milliarden Euro gerechnet.
Die Gesamterträge stiegen um 5,6 Prozent auf 6,23 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern lag bei 2,71 Milliarden Euro und damit 5,7 Prozent über dem Vorjahreswert.
Ein wesentlicher Belastungsfaktor war die Kreditrisikovorsorge. Sie erhöhte sich von 326 Millionen Euro im Vorjahresquartal auf 403 Millionen Euro. Analysten hatten lediglich mit rund 343 Millionen Euro gerechnet. Auch die operativen Kosten stiegen um 3,6 Prozent auf 3,12 Milliarden Euro.
Das Zinsergebnis entwickelte sich wesentlich stärker als der Nettogewinn. Es lag bei 4,26 Milliarden Euro und damit 15 Prozent über dem Vergleichswert des Vorjahres. Das kommerzielle Zinsergebnis verbesserte sich um 13,4 Prozent auf 4,34 Milliarden Euro.
Die Bank profitierte dabei von höheren Kredit- und Einlagenbeständen sowie verbesserten Margen im Einlagengeschäft. Gleichzeitig stiegen die Provisionserträge um 9,3 Prozent auf 1,27 Milliarden Euro.
Schwächer entwickelte sich das sonstige Ergebnis. Es ging um 37,4 Prozent auf 602 Millionen Euro zurück. Nach Angaben des Konzerns wirkten sich insbesondere Schwankungen an den Finanzmärkten und Veränderungen bei der Bewertung von Finanzinstrumenten aus.
Die Entwicklung verdeutlicht, dass europäische Banken trotz steigender Zinserträge weiterhin von Kreditrisiken und Veränderungen an den Kapitalmärkten beeinflusst werden.
Parallel zu den Quartalszahlen kündigte die Bank eine Neuorganisation ihres internationalen Firmenkundengeschäfts an. Die bisherige Sparte Wholesale Banking soll künftig unter der Bezeichnung Corporate and Institutional Banking geführt werden.
Nach Unternehmensangaben sollen durch den Umbau weltweit voraussichtlich rund 400 Arbeitsplätze entfallen. Die organisatorischen Veränderungen sind zum 1. März 2027 vorgesehen.
ING will die Betreuung von Firmenkunden stärker nach Ländern ausrichten und spezialisierte Dienstleistungen in internationalen Teams bündeln.
Für die geplanten Personalmaßnahmen rechnet der Konzern mit einer Rückstellung von rund 175 Millionen Euro im vierten Quartal 2026. Ab 2028 sollen die Veränderungen nach Unternehmensplanung jährliche Einsparungen von ungefähr 75 Millionen Euro ermöglichen.
Welche Länder und Standorte besonders betroffen sein werden, konkretisierte ING zunächst nicht.
Trotz des umfangreichen Umbaus will ING zusätzliches Kapital an seine Anteilseigner zurückgeben. Das neue Aktienrückkaufprogramm hat ein maximales Volumen von 1,65 Milliarden Euro.
Hinzu kommt eine zusätzliche Barausschüttung von 250 Millionen Euro, die für Januar 2027 vorgesehen ist. Insgesamt plant die Bank damit eine Kapitalrückführung von bis zu 1,9 Milliarden Euro.
Der Aktienrückkauf soll am 29. Oktober beginnen und spätestens am 26. April 2027 abgeschlossen sein. Das vorherige Rückkaufprogramm über eine Milliarde Euro hatte ING erst wenige Tage zuvor beendet.
Die Kapitalausstattung sieht der Konzern weiterhin als ausreichend an. Die harte Kernkapitalquote CET1 lag zum Quartalsende bei 13,3 Prozent. Die Europäische Zentralbank hat die zusätzliche Kapitalausschüttung nach Angaben der ING genehmigt.
Auch das deutsche Privatkundengeschäft trug zum Wachstum bei. Die Gesamterträge der Sparte Retail Banking Germany stiegen von 754 Millionen Euro auf 794 Millionen Euro.
Das Ergebnis vor Steuern lag bei 392 Millionen Euro nach 355 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Das Zinsergebnis verbesserte sich von 648 Millionen Euro auf 666 Millionen Euro.
Bei Krediten verzeichnete die deutsche Sparte ein bereinigtes Nettowachstum von 2,9 Milliarden Euro. Dagegen gingen die bereinigten Kundeneinlagen um 2,1 Milliarden Euro zurück. Davon entfielen nach Konzernangaben rund zwei Milliarden Euro auf Umschichtungen in Anlageprodukte.
Im deutschen Privatkundengeschäft fielen außerdem Restrukturierungsaufwendungen von 20 Millionen Euro an. Diese sind von der neu angekündigten weltweiten Neuorganisation des Firmenkundengeschäfts zu unterscheiden. Wie viele der rund 400 vorgesehenen Stellenstreichungen auf Deutschland entfallen könnten, blieb zunächst offen.
Für das Gesamtjahr 2026 hält ING an ihrer bisherigen Prognose fest. Die Bank erwartet Gesamterträge von mehr als 24,5 Milliarden Euro, darunter ungefähr fünf Milliarden Euro aus Provisionen.
Die operativen Kosten ohne bestimmte Sondereffekte sollen nach Unternehmensplanung zwischen 12,6 und 12,8 Milliarden Euro liegen. Die Rendite auf das materielle Eigenkapital erwartet der Konzern bei mehr als 15 Prozent.
Auch für 2027 bestätigte ING ihre Erwartungen. Die Gesamterträge sollen dann über 26 Milliarden Euro steigen. Ob diese Ziele erreicht werden, hängt unter anderem von der weiteren Entwicklung des Zinsumfelds, der Kreditnachfrage und der Risikovorsorge ab.
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