
Ahlen. Ein Blindgängerverdacht in Ahlen könnte am Donnerstag (29. Oktober 2026) eine großräumige Evakuierung auslösen. An der Bergstraße im Osten der Stadt wird ein verdächtiges Objekt freigelegt, bei dem es sich möglicherweise um eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg handelt. Je nach Größe eines möglichen Blindgängers müssten bis zu 2.000 Menschen ihre Wohnungen und Arbeitsplätze verlassen. Auch zahlreiche Unternehmen und wichtige Verkehrsverbindungen könnten betroffen sein. Ob tatsächlich eine Bombe im Erdreich liegt, müssen die Kampfmittelexperten zunächst klären.
Stand: 29. Oktober 2026, 12:37 Uhr
12:37 Uhr: Den Einsatz koordinieren Ordnungsamt, Feuerwehr und Polizei von der alten Paul-Gerhardt-Schule aus. Hier öffnet im Falle einer Evakuierung auch die Aufnahmestelle für Betroffene, die keine andere Möglichkeit haben, vorübergehend unterzukommen.
10:51 Uhr: Die Kampfmittelexperten nähern sich vorsichtig dem möglichen Blindgänger, der in einer Tiefe zwischen vier und fünf Metern vermutet wird. Die Ahlener Umweltbetriebe haben an den vorgesehenen Sperrpunkten bereits Schranken bereitgestellt. Sollte eine Evakuierung notwendig werden, sollen diese gemeinsam mit Einsatzfahrzeugen verhindern, dass Menschen das betroffene Gebiet betreten oder befahren.
8:00 Uhr: Eine spezialisierte Fachfirma beginnt mit der Freilegung der Verdachtsstelle an der Bergstraße. Dafür wird zunächst das Erdreich über dem möglichen Blindgänger entfernt.
Bislang ist nicht bestätigt, ob tatsächlich eine Fliegerbombe gefunden wurde. Auch der Umfang einer möglichen Evakuierung steht noch nicht fest.
Die Stadt Ahlen bereitet sich auf zwei mögliche Evakuierungsszenarien vor. Sollte sich der Verdacht bestätigen, hängt der notwendige Sicherheitsabstand insbesondere von der Größe und dem Gewicht des gefundenen Kampfmittels ab. Bei einem Radius von 250 Metern müssten voraussichtlich etwa 850 Menschen ihre Wohnungen verlassen. Wird ein Sicherheitsbereich von 500 Metern erforderlich, könnte die Zahl auf rund 2.000 Personen steigen.
Neben den Anwohnern wären abhängig vom Umfang der Maßnahmen zwischen 55 und 215 Gewerbebetriebe betroffen. Welche Gebäude tatsächlich geräumt werden müssen, soll erst nach der Untersuchung des verdächtigen Objekts feststehen. Die Stadt bereitet sich deshalb vorsorglich auf beide Möglichkeiten vor.
Die möglichen Auswirkungen reichen über die unmittelbare Fundstelle hinaus. Im kleineren Evakuierungsgebiet befinden sich unter anderem Abschnitte der Bergstraße, Schützenstraße, Harkortstraße, Jägerstraße und Gottfriedstraße. Auch der Borsigweg und der Siemensweg liegen innerhalb des vorgesehenen Sicherheitsbereichs.
Sollte eine Räumung im Umkreis von 500 Metern erforderlich werden, könnten weitere Straßen hinzukommen. Dazu gehören unter anderem Teile der Beckumer Straße, Schinkelstraße, Selma-Englisch-Straße und des Krämerskamps. Nach Angaben der Stadt könnten bei einer großräumigen Evakuierung auch wichtige Verkehrsverbindungen wie der Konrad-Adenauer-Ring und die Beckumer Straße zeitweise gesperrt werden. Die tatsächlichen Sperrungen stehen noch nicht fest.
Die Vorbereitungen wirken sich bereits auf den Alltag im Ahlener Osten aus. Der Kindergarten St. Gottfried bleibt am Donnerstag vorsorglich geschlossen. Für die betroffenen Kinder ist eine Notbetreuung im Kindergarten St. Josef vorgesehen.
Auch der Wertstoffhof der Ahlener Umweltbetriebe am Ostberg ist von den möglichen Sicherheitsmaßnahmen betroffen. Er soll spätestens um 12:30 Uhr schließen. Die Müllabfuhr wird nach Angaben der Stadt so lange wie möglich fortgesetzt. Sollten einzelne Abfallbehälter nicht geleert werden können, ist eine Nachleerung am Freitag (30. Oktober) vorgesehen.
Für mögliche Straßensperrungen stehen außerdem etwa 15 bis 18 Fahrzeuge der Ahlener Umweltbetriebe bereit. Beschäftigte unterstützen darüber hinaus die geplanten Evakuierungsteams.
Sollte eine Räumung notwendig werden, sollen Einsatzkräfte die betroffenen Haushalte persönlich informieren. Dafür sind Besuche von Haus zu Haus und Lautsprecherdurchsagen vorgesehen. Die Stadt empfiehlt Anwohnern, wichtige Medikamente, persönliche Unterlagen und andere notwendige Gegenstände vorsorglich bereitzulegen.
Menschen, die ihre Wohnung vorübergehend verlassen müssen, sollten nach Möglichkeit bei Angehörigen, Freunden oder Bekannten unterkommen. Für Personen ohne alternative Unterkunft richtet die Stadt eine Aufnahmestelle in der ehemaligen Paul-Gerhardt-Schule am Stephansweg 10 ein. Wer aus gesundheitlichen Gründen Unterstützung beim Verlassen der Wohnung benötigt, kann einen Krankentransport über die Feuerwehr organisieren.
Für Fragen zur möglichen Evakuierung ist die Stadt Ahlen unter 02382 59288 erreichbar. Krankentransporte können bei der Feuerwehr unter 02382 9500 angemeldet werden.
Ahlen war während des Zweiten Weltkriegs wiederholt Ziel von Luftangriffen. Nach Angaben des Kreisarchivars Dr. Knut Langeward gegenüber Radio WAF wurde die Stadt mindestens 45 Mal bombardiert. Besonders betroffen waren demnach der südliche Stadtbereich und das frühere Zechengelände.
Auch aus dem Umfeld der Bergstraße und der benachbarten Schuckertstraße sind historische Bombenschäden dokumentiert. Solche Hinweise spielen bei der Suche nach möglichen Kampfmitteln eine wichtige Rolle. Der aktuelle Verdacht soll im Zusammenhang mit der Auswertung historischer Luftaufnahmen stehen.
Die laufenden Untersuchungen sind technisch aufwendig. Bereits vor der eigentlichen Freilegung musste der Grundwasserspiegel abgesenkt werden. Erst wenn die Fachleute das Objekt vollständig untersuchen können, lässt sich entscheiden, ob eine Entschärfung notwendig ist und welche Sicherheitsmaßnahmen dafür getroffen werden müssen.
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