Mann+Hummel in Speyer: Streit um 600 Arbeitsplätze erreicht neue Stufe

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Der Konflikt um die geplante Schließung des Mann+Hummel-Werks in Speyer spitzt sich zu. Die IG Metall hat die Beschäftigten des Filterherstellers am Donnerstag, 29. Oktober 2026, zu einem halbstündigen Warnstreik aufgerufen. Mit dem Warnstreik bei Mann+Hummel will die Gewerkschaft ihren Forderungen nach einem Sozialtarifvertrag Nachdruck verleihen. Zuvor hatten Beschäftigte bereits mit einem Autokorso gegen die Schließungspläne protestiert. Ob und wie viele Mitarbeitende sich an der Arbeitsniederlegung am Donnerstag beteiligten, war zunächst nicht unabhängig bestätigt.

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Mann+Hummel plant die Schließung bis Ende 2028

Der Konzern mit Sitz in Ludwigsburg beabsichtigt, seinen Produktionsstandort in Speyer bis spätestens Ende 2028 vollständig aufzugeben. Nach den Angaben des Unternehmens aus dem April arbeiten dort rund 600 Menschen, darunter etwa 400 in der Produktion oder in produktionsnahen Bereichen. Die Fertigung und die damit verbundenen Logistikaufgaben sollen schrittweise auf andere Werke innerhalb der Unternehmensgruppe verteilt werden.

Damit steht nicht nur die Zukunft eines einzelnen Betriebs zur Debatte. Für die Beschäftigten geht es um ihre Arbeitsplätze und mögliche berufliche Perspektiven. Eine endgültige Vereinbarung über den Umgang mit den Folgen der geplanten Schließung gibt es bislang nicht. Der Konzern hält nach eigenen Angaben an seinem Vorhaben fest.

IG Metall fordert hohe Abfindungen und eine Transfergesellschaft

Am Donnerstag veröffentlichte die IG Metall Ludwigshafen-Frankenthal einen konkreten Forderungskatalog. Demnach soll ein Sozialtarifvertrag für die betroffenen Gewerkschaftsmitglieder eine Grundabfindung von 25.000 Euro brutto vorsehen. Hinzukommen sollen je Beschäftigungsjahr 2,5 Bruttomonatsgehälter sowie weitere Zuschläge, etwa für Kinder oder besondere soziale Belastungen.

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Außerdem verlangt die Gewerkschaft einen Härtefallfonds von 3,5 Millionen Euro. Für den beruflichen Übergang fordert sie eine Transfergesellschaft mit einer individuellen Laufzeit von zwölf Monaten. Währenddessen sollen die Bezüge auf 90 Prozent des bisherigen Nettoentgelts aufgestockt werden. Pro Teilnehmer sieht der Forderungskatalog darüber hinaus ein Qualifizierungsbudget von 5.000 Euro vor.

Das sind Forderungen der Arbeitnehmerseite und keine bereits vereinbarten Leistungen. Die IG Metall wirft dem Arbeitgeber vor, nicht ausreichend über einen solchen Tarifvertrag verhandeln zu wollen. Eine Einigung auf die von der Gewerkschaft verlangten Konditionen liegt bislang nicht vor.

Einigungsstelle soll festgefahrene Gespräche bearbeiten

Am Mittwoch, 28. Oktober, hatten Beschäftigte mit einer Protestfahrt vom Werksgelände zur Stadthalle in Speyer gegen die Schließungspläne demonstriert. Nach Angaben der Polizei verlief der begleitete Autokorso zwischen 9.30 und 10.30 Uhr ohne Zwischenfälle. In der Stadthalle fand auch eine Betriebsversammlung statt, bei der die weitere Entwicklung zur Sprache kam.

Der Streit betrifft inzwischen mehrere Ebenen. Zwischen Unternehmen und Betriebsrat geht es unter anderem um einen Interessenausgleich und einen Sozialplan. Ein Interessenausgleich behandelt die geplanten betrieblichen Veränderungen. Ein Sozialplan soll wirtschaftliche Nachteile für Beschäftigte infolge einer Betriebsänderung mildern. Die IG Metall versucht darüber hinaus, weitergehende Ansprüche tarifvertraglich zu vereinbaren.

Mann+Hummel will nach den am Mittwoch bekannt gewordenen Angaben eine Einigungsstelle einschalten. Sie soll bei den Differenzen mit dem Betriebsrat helfen. Die Gewerkschaft kritisiert diesen Schritt und befürchtet eine rasche Umsetzung des Stellenabbaus. Ob bereits im November Kündigungen ausgesprochen werden, ist dagegen nicht bestätigt.

Unternehmen verweist auf Kosten und Wettbewerbsdruck

Mann+Hummel begründet die geplante Neuordnung seiner Produktion mit schwachem Wachstum in Europa, hohen Energie- und Arbeitskosten sowie Belastungen durch Handelskonflikte und internationale Unsicherheiten. Der Konzern will die Produktion nach eigenen Angaben stärker an bestehenden Standorten bündeln und automatisierte Abläufe effizienter nutzen. Bei der geplanten Schließung handelt es sich damit um einen Teil der Neuordnung seines europäischen Fertigungsnetzwerks.

Die Arbeitnehmerseite hatte im September ein Alternativkonzept vorgelegt, mit dem der Standort erhalten werden sollte. Mann+Hummel wies diesen Vorschlag zurück und bewertete ihn nicht als wirtschaftlich tragfähigen Ersatz für die eigenen Pläne. Auch die Stadt Speyer hat das Unternehmen aufgefordert, die Entscheidung erneut zu prüfen. Nach Einschätzung der Stadt ist das Werk ausgelastet und profitabel. Eine unabhängig überprüfte Gegenüberstellung der standortbezogenen Kosten und Erträge liegt jedoch nicht vor.

Konflikt betrifft einen international tätigen Filterhersteller

Mann+Hummel ist vor allem als Zulieferer für Fahrzeugfilter bekannt, ist jedoch auch in der Filtration für Industrie, Wasser und Luft tätig. Für das Geschäftsjahr 2025 weist der Konzern einen Umsatz von rund 4,2 Milliarden Euro aus. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern lag bei rund 194 Millionen Euro. Gegenüber 2024 waren Umsatz und operatives Ergebnis zurückgegangen. Aus diesen Konzernzahlen allein lässt sich die wirtschaftliche Lage des Werks Speyer nicht ableiten.

Der Konflikt verdeutlicht den Gegensatz zwischen der angestrebten Bündelung internationaler Produktionskapazitäten und dem Interesse der Beschäftigten am Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Für die nächsten Schritte werden sowohl die Gespräche über die betrieblichen Folgen der geplanten Schließung als auch die Verhandlungen über den von der IG Metall geforderten Sozialtarifvertrag relevant sein.

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