
Der Strompreis an der deutschen Strombörse ist innerhalb weniger Tage erheblich gestiegen. Während die Megawattstunde am vergangenen Sonntag durchschnittlich nur rund 13 Euro kostete, liegt der Preis am Donnerstag, 29. Oktober 2026, bei knapp 315 Euro. Hinter der Entwicklung stehen eine geringere Stromerzeugung aus Wind und Sonne sowie ein veränderter Strombedarf. Für Verbraucher hängt die finanzielle Belastung vor allem vom gewählten Stromtarif ab.
Der Börsenstrompreis in Deutschland unterliegt derzeit starken Schwankungen. Nach den Marktdaten der Bundesnetzagentur lag der durchschnittliche Preis am Sonntag, 25. Oktober, bei 13,12 Euro je Megawattstunde. Für Donnerstag, 29. Oktober, ergibt sich dagegen ein Tagesmittel von 314,85 Euro.
Damit hat sich der durchschnittliche Großhandelspreis innerhalb von vier Tagen ungefähr vervierundzwanzigfacht. Allerdings handelt es sich um einen Vergleich zwischen einem Sonntag und einem Werktag, an denen sich auch die Stromnachfrage deutlich unterscheiden kann.
Der Anstieg erfolgte schrittweise. Am Dienstag lag der durchschnittliche Strompreis bereits bei 155,11 Euro je Megawattstunde. Am Mittwoch wurden 249,21 Euro erreicht. Gegenüber dem Vortag verteuerte sich der Strom am Donnerstag damit nochmals um rund 26 Prozent.
Besonders hoch waren die Preise am Donnerstagabend. Für die Stunde zwischen 17 und 18 Uhr lag der durchschnittliche Day-Ahead-Preis bei knapp 560 Euro je Megawattstunde. In der Viertelstunde zwischen 17.15 und 17.30 Uhr erreichte er rund 574 Euro.
Eine wesentliche Ursache für die hohen Preise ist die schwächere Stromerzeugung aus Windkraft und Photovoltaik. Bei wenig Wind und geringer Sonneneinstrahlung müssen andere Erzeugungsanlagen einen größeren Teil des Bedarfs decken.
Solche Wetterlagen werden häufig als Dunkelflaute bezeichnet. Die Bundesnetzagentur verwendet dafür allerdings eine engere Definition. Demnach muss die gemeinsame Erzeugungsleistung von Windkraft und Photovoltaik mindestens 48 Stunden lang durchgehend unter 15 Prozent ihrer installierten Leistung liegen.
Unabhängig von dieser technischen Einordnung zeigen die aktuellen Daten eine deutlich geringere Deckung des Strombedarfs durch erneuerbare Energien. Nach den Energy-Charts des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme lag deren Anteil an der Netzlast am frühen Donnerstagmorgen zeitweise bei rund 23 Prozent.
Wenn Wind- und Solaranlagen weniger einspeisen, gewinnen konventionelle Kraftwerke, Speicher und Stromimporte an Bedeutung. Insbesondere die Kosten der zuletzt noch benötigten Kraftwerke können den Börsenpreis erheblich beeinflussen.
Die hohen Preise am Donnerstagabend hängen auch mit dem zeitlichen Verlauf der Stromnachfrage zusammen. In den frühen Abendstunden steigt der Verbrauch häufig, während Solaranlagen aufgrund der nachlassenden Sonneneinstrahlung kaum noch Strom erzeugen.
Reicht die günstigere Erzeugung nicht aus, müssen zusätzliche Kraftwerke eingesetzt werden. Im europäischen Stromhandel bestimmt das teuerste noch zur Deckung der Nachfrage benötigte Angebot grundsätzlich den Marktpreis.
Dabei spielen auch die Brennstoffkosten eine Rolle. Die Bundesnetzagentur hatte für das dritte Quartal 2026 bereits deutlich gestiegene Gaspreise festgestellt. Diese verteuerten die Stromproduktion aus Erdgas und beeinflussten die Preisbildung an den europäischen Strombörsen.
Deutschland ist zudem eng mit den Strommärkten seiner Nachbarländer verbunden. Grenzüberschreitender Handel kann Unterschiede zwischen Angebot und Nachfrage ausgleichen. Gleichzeitig wirken sich höhere Brennstoffkosten und angespannte Marktsituationen auch über Landesgrenzen hinweg aus.
Für die meisten privaten Haushalte bedeutet der aktuelle Börsenpreisanstieg nicht automatisch eine höhere Stromrechnung.
Wer einen Vertrag mit fest vereinbartem Arbeitspreis besitzt, zahlt weiterhin den vertraglich festgelegten Betrag je Kilowattstunde. Kurzfristige Veränderungen am Großhandelsmarkt werden nicht unmittelbar an diese Kunden weitergegeben.
Anders ist die Situation bei dynamischen Stromtarifen. Hier orientiert sich der Arbeitspreis an den Börsenpreisen und kann sich im Tagesverlauf mehrfach verändern. Hohe Börsenpreise führen deshalb unmittelbar zu höheren verbrauchsabhängigen Stromkosten.
Dabei entspricht der Börsenpreis nicht dem vollständigen Endkundenpreis. Hinzu kommen unter anderem Netzentgelte, Steuern, Umlagen und Kosten des Stromanbieters.
Die Verbraucherzentralen weisen darauf hin, dass dynamische Tarife insbesondere für Haushalte interessant sein können, die ihren Verbrauch zeitlich verlagern können. Dazu gehören beispielsweise Besitzer von Elektroautos, Wärmepumpen oder Batteriespeichern. Wer dagegen kaum Einfluss auf seinen Verbrauchszeitpunkt hat, trägt ein höheres Preisrisiko.
Auch Kunden mit klassischen Stromverträgen sind nicht grundsätzlich von Entwicklungen am Großhandelsmarkt unabhängig. Energieversorger beschaffen Strom häufig über längere Zeiträume und zu unterschiedlichen Zeitpunkten.
Deshalb schlagen einzelne Preisspitzen nicht unmittelbar auf alle Haushaltstarife durch. Bleiben die Beschaffungskosten allerdings über einen längeren Zeitraum erhöht, kann sich das bei neuen Vertragsangeboten oder späteren Preisanpassungen bemerkbar machen.
Bereits am 27. Oktober hatte die Bundesnetzagentur auf steigende Preise für Neukunden hingewiesen. Der von ihr modellierte durchschnittliche Neukundenpreis lag im September bei 38,62 Cent je Kilowattstunde. Für Oktober deuteten die gestiegenen Großhandelspreise auf eine weitere Verteuerung hin.
Ob und in welchem Umfang sich daraus höhere Verbraucherpreise ergeben, hängt unter anderem von der weiteren Marktentwicklung und der Einkaufsstrategie der Versorger ab.
Der aktuelle Preisanstieg verdeutlicht die Abhängigkeit des Strommarktes von Wetterbedingungen, Kraftwerksverfügbarkeit und Nachfrage. Er ist allerdings nicht mit einer unmittelbar gefährdeten Stromversorgung gleichzusetzen.
Ein hoher Börsenpreis signalisiert zunächst, dass Strom zu bestimmten Zeiten teuer gehandelt wird. Daraus allein lässt sich weder auf einen bevorstehenden Stromausfall noch auf eine unzureichende Versorgung schließen.
Für Haushalte mit dynamischen Tarifen ist deshalb besonders wichtig, den Preisverlauf zu berücksichtigen und größere Stromverbräuche nach Möglichkeit in günstigere Zeiträume zu verlegen.
Für den gesamten Strommarkt bleibt entscheidend, wie viel Energie Wind- und Solaranlagen in den kommenden Tagen bereitstellen und welche zusätzlichen Erzeugungskapazitäten zur Verfügung stehen.
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