
Der US-Lieferdienst DoorDash will den Lebensmittelbestelldienst Instacart für rund 17 Milliarden US-Dollar übernehmen. Beide Unternehmen bestätigten am Donnerstag, 29. Oktober 2026, eine verbindliche Vereinbarung. Der geplante Zusammenschluss könnte den amerikanischen Markt für Lebensmittel- und Restaurantlieferungen erheblich verändern. Allerdings stehen noch wichtige Genehmigungen aus.
DoorDash will Instacart übernehmen und dafür einen Kaufpreis von insgesamt rund 17 Milliarden US-Dollar auf Basis des Eigenkapitalwerts zahlen. Die Vereinbarung sieht eine Gegenleistung von 65 US-Dollar je Aktie vor. Das entspricht einem Aufschlag von 26 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom 22. Oktober 2026. Dieser Tag gilt als Referenz, weil anschließend erste Berichte über einen möglichen Zusammenschluss bekannt geworden waren.
Die Übernahme soll überwiegend mit Bargeld finanziert werden. Mindestens 75 Prozent der gesamten Gegenleistung werden in bar erbracht, höchstens 25 Prozent dürfen aus DoorDash-Aktien bestehen. Instacart-Aktionäre können grundsätzlich zwischen einer Barzahlung, DoorDash-Aktien oder einer Kombination aus beiden wählen. Dabei gelten festgelegte Umtauschverhältnisse und mögliche anteilige Kürzungen der Aktienzuteilung.
Der Verwaltungsrat von Instacart hat der Vereinbarung einstimmig zugestimmt. Laut den bei der US-Börsenaufsicht eingereichten Unterlagen wurde der Fusionsvertrag bereits am 28. Oktober unterzeichnet. Die öffentliche Bekanntgabe erfolgte einen Tag später.
DoorDash gehört zu den bedeutenden Anbietern für Restaurantlieferungen in den Vereinigten Staaten und ist mittlerweile auch in zahlreichen internationalen Märkten tätig. Instacart konzentriert sich dagegen vor allem auf Lebensmittelbestellungen und die technische Zusammenarbeit mit Supermärkten und Einzelhandelsketten.
Instacart ist der Geschäftsname des börsennotierten Unternehmens Maplebear Inc. Die Plattform arbeitet nach eigenen Angaben mit mehr als 2.200 Handelsmarken zusammen, hinter denen insgesamt knapp 100.000 Geschäfte stehen.
Mit der Übernahme könnte DoorDash seine Position außerhalb des klassischen Restaurantgeschäfts ausbauen. Geplant ist, das bestehende Liefernetzwerk mit den digitalen Einkaufssystemen, Werbedienstleistungen und Technologien von Instacart zu verbinden.
Nach Vorstellung der Unternehmen könnten insbesondere kleinere Lebensmittelhändler davon profitieren, weil sie ihre digitalen Vertriebswege erweitern könnten, ohne sämtliche technischen Lösungen selbst entwickeln zu müssen. Ob diese Vorteile im angekündigten Umfang eintreten, ist allerdings noch offen.
DoorDash plant, den Namen Instacart und die bestehende Kunden-App auch nach dem Zusammenschluss weiterzuführen. Ebenso sollen die Technologieangebote für Geschäftskunden erhalten bleiben.
Für Verbraucher stellen die Unternehmen zusätzliche Einkaufsmöglichkeiten in Aussicht. Instacart-Kunden könnten künftig auf mehr als 50.000 weitere Geschäfte zugreifen. Außerdem ist vorgesehen, die Mitgliedschaftsprogramme DashPass und Instacart+ miteinander zu verbinden. Nach den Unternehmensplänen könnten Kunden dadurch beide Angebote mit einer einzigen Mitgliedschaft nutzen.
DoorDash beziffert die möglichen Einsparungen durch die Zusammenlegung der Mitgliedschaftsgebühren auf insgesamt rund 100 Millionen US-Dollar jährlich. Diese Summe ist eine Prognose des Unternehmens und kein bereits realisierter Vorteil.
Auch bei den Arbeitsmöglichkeiten für selbstständige Lieferkräfte sind Veränderungen vorgesehen. Beschäftigte beziehungsweise selbstständige Auftragnehmer sollen nach Unternehmensangaben zusätzliche Aufträge auswählen können. DoorDash kündigte zugleich an, Lebensmitteleinzelhändler nicht exklusiv an seine Lieferplattform binden zu wollen.
Bis zum Abschluss der Transaktion sollen beide Unternehmen weiterhin unabhängig voneinander arbeiten. Unmittelbare Änderungen bei Bestellungen und Auslieferungen sind deshalb zunächst nicht vorgesehen.
Die Übernahmeankündigung fällt mit der Veröffentlichung der Geschäftszahlen für das dritte Quartal 2026 zusammen. Beide Unternehmen verzeichneten ein deutliches Umsatzwachstum.
DoorDash erzielte zwischen Juli und September einen Umsatz von 4,616 Milliarden US-Dollar. Das waren 34 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahresquartal. Der den Stammaktionären zurechenbare Nettogewinn stieg um 91 Prozent auf 466 Millionen US-Dollar. Die Zahl der Bestellungen erhöhte sich um 28 Prozent auf 993 Millionen. Bei den Wachstumsraten spielte auch die Einbeziehung des übernommenen Lieferdienstes Deliveroo eine Rolle.
Instacart steigerte seinen Quartalsumsatz um 17 Prozent auf 1,095 Milliarden US-Dollar. Der Nettogewinn lag bei 147 Millionen US-Dollar. Insgesamt wurden 91,4 Millionen Bestellungen abgewickelt, zehn Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Gesamtwert der über die Plattform abgewickelten Transaktionen erreichte 10,528 Milliarden US-Dollar.
Die Zahlen verdeutlichen, dass beide Unternehmen bereits vor einem möglichen Zusammenschluss über umfangreiche Geschäftsaktivitäten verfügen. Zugleich unterscheiden sich ihre Geschäftsmodelle, insbesondere beim Schwerpunkt auf Restaurantbestellungen beziehungsweise Lebensmittelhandel.
An der US-Technologiebörse Nasdaq reagierten die Aktien unterschiedlich auf die Übernahmeankündigung und die gleichzeitig vorgelegten Quartalszahlen.
Die DoorDash-Aktie notierte am 29. Oktober um 16.49 Uhr deutscher Zeit bei 178,70 US-Dollar. Das entsprach einem Plus von 5,43 Prozent gegenüber dem vorherigen Schlusskurs. Quelle ist der verzögerte Nasdaq-Kurs von FinancialContent mit Zeitstempel 11.49 Uhr US-Ostküstenzeit.
Die Instacart-Aktie lag am selben Tag um 17.16 Uhr deutscher Zeit bei 57,12 US-Dollar und damit 2,23 Prozent unter dem Vortagesschluss. Auch dieser Wert stammt von FinancialContent und basiert auf einem verzögerten Kurs.
Damit handelte Instacart deutlich unter dem angebotenen Barpreis von 65 US-Dollar. Zwischen dem aktuellen Börsenwert und der vorgesehenen Übernahmegegenleistung besteht somit weiterhin ein Abstand. Der Abschluss ist noch an mehrere Bedingungen geknüpft.
Ein Abschluss wird nach Angaben der Unternehmen erst gegen Ende 2027 oder im ersten Halbjahr 2028 erwartet. Voraussetzung sind unter anderem die Zustimmung der Instacart-Aktionäre sowie die erforderlichen wettbewerbsrechtlichen Genehmigungen in den Vereinigten Staaten, Kanada und Israel.
Die geplante Zusammenlegung zweier großer Lieferplattformen dürfte insbesondere wegen möglicher Auswirkungen auf den Wettbewerb geprüft werden. Dabei können die Marktstellung der Unternehmen, die Wahlmöglichkeiten für Einzelhändler und die Folgen für Verbraucher eine Rolle spielen.
Die New Yorker Verbraucherschutz- und Arbeitsschutzbehörde hatte bereits am 28. Oktober Bedenken gegen eine zunehmende Konzentration großer Unternehmen geäußert. Die Behörde erklärte zugleich, sie werde die Rechte von Lieferkräften unabhängig vom Ausgang der Übernahme durchsetzen. Eine Entscheidung über die Genehmigungsfähigkeit des Zusammenschlusses war damit nicht verbunden.
Zur Finanzierung des Barkaufpreises will DoorDash vorhandene Liquidität und Fremdkapital einsetzen. JPMorgan Chase hat dafür eine Überbrückungsfinanzierung von bis zu 13 Milliarden US-Dollar zugesagt, die an vertragliche Bedingungen gebunden ist. DoorDash beabsichtigt, diese Finanzierung vor dem Abschluss nach Möglichkeit durch eine längerfristige Kapitalstruktur zu ersetzen.
Der Fusionsvertrag enthält außerdem Regelungen zu möglichen Entschädigungszahlungen bei einem Scheitern der Transaktion. Unter bestimmten Voraussetzungen könnte Instacart 650 Millionen US-Dollar an DoorDash zahlen müssen. Für DoorDash ist in bestimmten Fällen eine Zahlung von 1,25 Milliarden US-Dollar vorgesehen.
Bereits bestehende Instacart-Aktionäre mit zusammen rund 19 Prozent der Stimmrechte haben sich zur Unterstützung der Vereinbarung verpflichtet. Die noch erforderliche Zustimmung der Aktionäre insgesamt ersetzt dies jedoch nicht.
Mit dem geplanten Kauf würde DoorDash sein Geschäft deutlich stärker auf den Lebensmittelhandel ausrichten. Der Zusammenschluss könnte dem Unternehmen zusätzliche Möglichkeiten im Wettbewerb mit großen Einzelhandelskonzernen wie Amazon und Walmart eröffnen. Entscheidend für die Umsetzung sind zunächst die behördlichen Genehmigungen und der erfolgreiche Abschluss der Finanzierung und Übernahme.
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