Japans Notenbank sieht Inflationsziel nach mehr als 13 Jahren erreicht und hält Leitzins stabil

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die japanische Notenbank sieht nach mehr als 13 Jahren ihr Inflationsziel weitgehend erreicht. Trotzdem hat die Bank of Japan am Freitag, 30. Oktober 2026, ihren Leitzins unverändert bei 1,25 Prozent belassen. Gleichzeitig erhöhte sie ihre Inflationsprognose für das kommende Fiskaljahr und bekräftigte ihre Bereitschaft zu weiteren Zinserhöhungen. An den Finanzmärkten legte der Yen zunächst zu, während der japanische Aktienindex Nikkei deutlich nachgab.

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Bank of Japan entscheidet mit acht zu einer Stimme

Die Entscheidung über den Leitzins fiel mit acht zu einer Stimme. Lediglich Notenbankmitglied Hajime Takata sprach sich für eine sofortige Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte auf 1,50 Prozent aus.

Takata begründete seine abweichende Position damit, dass Japan inzwischen in eine neue Phase der Geldpolitik eingetreten sei. Angesichts der erreichten Inflationsmarke müsse sich der Leitzins schneller einem neutralen Niveau annähern.

Die Mehrheit des geldpolitischen Ausschusses entschied dagegen, den Zinssatz nach der Erhöhung im September zunächst unverändert zu lassen.

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Inflationsziel nach mehr als 13 Jahren weitgehend erreicht

Im Mittelpunkt der Entscheidung steht eine Neubewertung der japanischen Preisentwicklung. Nach Einschätzung der Notenbank befindet sich die zugrunde liegende Inflation inzwischen auf einem Niveau, das weitgehend mit ihrem Zwei-Prozent-Ziel vereinbar ist.

Dieses Ziel hatte Japan im Januar 2013 eingeführt, um eine langjährige Phase schwacher Preisentwicklung und wiederkehrender Deflation zu überwinden.

Die aktuelle Einschätzung bedeutet allerdings nicht, dass sämtliche Inflationskennzahlen exakt bei zwei Prozent liegen. Entscheidend ist vielmehr, dass die Notenbank inzwischen von einer entsprechend gefestigten grundlegenden Preisentwicklung ausgeht.

Dazu tragen nach ihrer Bewertung insbesondere die steigenden Löhne, der angespannte Arbeitsmarkt und die höheren längerfristigen Inflationserwartungen bei.

Inflationsprognose für 2027 steigt auf 2,6 Prozent

In ihrem neuen wirtschaftlichen Ausblick rechnet die Bank of Japan für das laufende Fiskaljahr 2026 mit einer Verbraucherpreisinflation von 2,5 Prozent. Für das Fiskaljahr 2027 erhöhte sie ihre Prognose von bislang 2,4 auf 2,6 Prozent. Für 2028 erwartet sie weiterhin 2,0 Prozent.

Die Prognosen beziehen sich auf den Verbraucherpreisindex ohne frische Lebensmittel. Japans Fiskaljahre beginnen jeweils im April.

Auch die Wachstumserwartungen wurden angepasst. Für 2026 prognostiziert die Notenbank nun ein Wirtschaftswachstum von 0,7 statt 0,6 Prozent. Die Erwartung für 2027 sank dagegen leicht von 0,8 auf 0,7 Prozent. Für 2028 werden weiterhin 0,8 Prozent erwartet.

Als wesentliche Inflationsrisiken nennt die Zentralbank höhere Rohölpreise, die Entwicklung im Nahen Osten, den Wechselkurs des Yen und die steigende Nachfrage nach Produkten und Investitionen im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz.

Gouverneur Ueda hält weitere Zinserhöhungen für notwendig

Notenbankchef Kazuo Ueda hatte bereits am 19. Oktober vor dem japanischen Parlament erklärt, dass sich die grundlegende Inflation dem Zwei-Prozent-Ziel stark angenähert habe. Zugleich betonte er die Bedeutung einer stabilen Verankerung der Inflationserwartungen.

Die Notenbank hält auch in ihrem aktuellen Ausblick daran fest, den Leitzins bei entsprechender wirtschaftlicher Entwicklung weiter anzuheben. Zeitpunkt und Geschwindigkeit sollen sich nach Konjunktur, Preisentwicklung und Finanzmarktbedingungen richten.

Eine konkrete Zusage für eine weitere Zinserhöhung im Dezember enthält der Beschluss nicht. Ueda will die Entscheidung am Freitag um 15.30 Uhr japanischer Ortszeit auf einer Pressekonferenz erläutern.

Yen legt zunächst zu, Nikkei verliert deutlich

An den Devisenmärkten reagierte der japanische Yen zunächst mit Kursgewinnen. Nach der Zinsentscheidung wertete die Währung zeitweise bis auf etwa 157,12 Yen je US-Dollar auf. Anschließend gab sie einen Teil ihrer Gewinne wieder ab.

Nach Kursdaten der SBI Shinsei Bank lag der Dollar am 30. Oktober um 14.57 Uhr japanischer Ortszeit bei 157,63 Yen. Das entsprach 6.57 Uhr mitteleuropäischer Zeit.

Auch am japanischen Aktienmarkt zeigten sich deutliche Bewegungen. Der Nikkei 225 lag nach Angaben derselben Bank um 14.47 Uhr Ortszeit bei 63.110,92 Punkten. Gegenüber dem Schlussstand vom Donnerstag entsprach dies einem Rückgang um rund 2,4 Prozent.

Allerdings stand der japanische Aktienmarkt bereits vor der Zinsentscheidung unter Druck. Belastend wirkten unter anderem Kursverluste internationaler Technologieaktien und Sorgen über die Entwicklung der KI-Branche. Die gesamten Verluste lassen sich deshalb nicht allein auf die Beschlüsse der Notenbank zurückführen.

Zusätzlich beschloss die Bank of Japan einstimmig, den Verkauf ihrer börsengehandelten Aktienfonds zu beschleunigen. Ab Januar 2027 soll das jährliche Verkaufsvolumen auf Buchwertbasis von rund 330 Milliarden auf etwa 860 Milliarden Yen steigen.

Japans Geldpolitik bleibt auch für Europa relevant

Die Entwicklung hat Bedeutung über Japan hinaus. Die Bank of Japan gehört zu den wichtigsten Notenbanken der Welt. Änderungen ihrer Zinspolitik können internationale Kapitalströme, Wechselkurse und Anleihemärkte beeinflussen.

Für europäische Anleger sind insbesondere mögliche Veränderungen der Zinsunterschiede zwischen Japan und anderen Wirtschaftsräumen relevant. Steigende japanische Zinsen können die Finanzierung internationaler Anlagen in Yen verteuern und bestimmte Kapitalanlagen in Japan attraktiver machen.

Auch europäische Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen nach Japan sind von Wechselkursschwankungen betroffen. Ob der Yen dauerhaft aufwertet und wie stark sich weitere Zinsschritte auf internationale Märkte auswirken, hängt jedoch von mehreren wirtschaftlichen Faktoren ab.

Mit der aktuellen Entscheidung rückt für Japan eine neue geldpolitische Herausforderung in den Vordergrund: Nach jahrelangen Bemühungen um eine höhere Inflation muss die Notenbank nun verhindern, dass sich der Preisauftrieb dauerhaft oberhalb ihres Zielwerts festsetzt.

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