
Münster. Das geplante Gesundheitszentrum Berg Fidel sorgt auch nach dem Ratsbeschluss für politische Diskussionen. Angesichts der angespannten Haushaltslage stellt die FDP die zusätzlichen Ausgaben infrage und verweist auf die Eigenverantwortung der Bürger. Die Grünen halten dagegen und warnen davor, ausgerechnet bei der Gesundheitsvorsorge zu sparen. Dabei geht es längst nicht mehr nur um die Einrichtung selbst, sondern auch um die Frage, welche Angebote sich Münster künftig noch leisten kann.
FDP-Politiker Jörg Berens begründet die Ablehnung des Gesundheitszentrums in einem Instagram-Video mit der finanziellen Situation der Stadt. Unmittelbar vor der Entscheidung habe der Rat über die angespannte Haushaltslage gesprochen. Oberbürgermeister Tilman Fuchs habe dabei deutlich gemacht, dass sich auch die Bürgerinnen und Bürger auf Einschnitte einstellen müssten. Hintergrund sind unter anderem rund 92 Millionen Euro, die Münster für 2027 gegenüber der bisherigen Planung an Landeszuweisungen fehlen. Vor diesem Hintergrund hält Berens zusätzliche Ausgaben für einen Gesundheitskiosk nicht für vertretbar.
Zugleich stellt er die Notwendigkeit des Angebots infrage. Gesundheitsvorsorge sei nach seiner Auffassung immer auch mit persönlicher Eigenverantwortung verbunden. Familien aus Berg Fidel könne zugemutet werden, eine der sieben von ihm genannten Arztpraxen in der Umgebung aufzusuchen. Ob diese Praxen tatsächlich neue Patientinnen und Patienten aufnehmen können, ist allerdings offen. Zudem soll das geplante Zentrum keine regulären Arztbesuche ersetzen, sondern Menschen bei gesundheitlichen Fragen beraten und ihnen helfen, passende Angebote zu finden.
Bei den Grünen in der Bezirksvertretung Hiltrup stößt diese Argumentation auf deutlichen Widerspruch. Christiane Schwab, Co-Sprecherin der Fraktion, erinnert daran, dass das Konzept nicht kurzfristig entstanden sei. Fachleute aus Gesundheitswesen, Pflege, Selbsthilfe und Verwaltung hätten über Jahre daran gearbeitet. Ein eigener Standort in Berg Fidel sei wichtig, damit dort nicht nur Beratungen stattfinden, sondern auch Initiativen aus dem Stadtteil Räume nutzen könnten. Die Grünen halten es deshalb für falsch, das Vorhaben nun aus finanziellen Gründen infrage zu stellen.
Auch der Mediziner und Grünen-Politiker Hauke Helling betont die Bedeutung der Gesundheitsvorsorge. Gerade Menschen, denen der Zugang zum Gesundheitssystem schwerfällt, sollten durch das neue Angebot besser erreicht werden. Nach seiner Einschätzung kann frühzeitige Unterstützung zudem helfen, spätere Behandlungskosten zu vermeiden. Dass Berg Fidel seit der Schließung seiner letzten Hausarztpraxis Ende März 2026 keine eigene hausärztliche Versorgung mehr hat, macht die Diskussion zusätzlich bedeutsam. Allerdings räumen auch die Grünen ein, dass das Zentrum keine Hausarztpraxis ersetzen kann.
Für die Jahre 2027 und 2028 sind jeweils bis zu 180.000 Euro vorgesehen. Der größte Teil davon soll in Personal fließen. Nach der städtischen Kalkulation sind jährlich rund 132.000 Euro für insgesamt 1,5 Personalstellen und höchstens 20.000 Euro für die Miete vorgesehen. Hinzu kommen weitere Ausgaben für Angebote und den laufenden Betrieb. Die Bezirksvertretung Hiltrup hatte dem Konzept im September einstimmig zugestimmt, der Rat beschloss es am 7. Oktober mit Mehrheit.
Unabhängig vom politischen Streit laufen die Vorbereitungen inzwischen weiter. Die Stadt Münster sucht derzeit einen Träger für den Aufbau und Betrieb des Gesundheitszentrums. Interessierte Organisationen können sich noch bis zum 20. November 2026 melden. Wann die Einrichtung tatsächlich eröffnet werden kann, steht bisher nicht fest.
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