
Der Lebensmittelhersteller Völpel aus dem oberbayerischen Königsmoos hat Insolvenz angemeldet. Auch die Tochtergesellschaft ZiFood Trockenprodukte GmbH im sächsischen Zittau ist betroffen. Trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten wird an beiden Standorten weiterproduziert. Eine Investorensuche soll die Zukunft des traditionsreichen Familienunternehmens sichern. Für die Beschäftigten und die landwirtschaftlichen Zulieferer ist damit eine wichtige Entscheidung verbunden.
Die Insolvenz bei Völpel wurde bereits Ende September 2026 eingeleitet. Das Amtsgericht Ingolstadt ordnete am 30. September die vorläufige Insolvenzverwaltung für die Völpel GmbH & Co. KG an. Das Verfahren wird unter dem Aktenzeichen IN 520/26 geführt. Auch für die Tochtergesellschaft ZiFood Trockenprodukte GmbH wurde ein Insolvenzantrag gestellt.
Die Unternehmensgruppe verarbeitet unter anderem Gemüse, Obst, Kräuter und Gewürze zu getrockneten Produkten für die Lebensmittelindustrie. Nach Unternehmensangaben entsprechen mehr als 90 Prozent der verarbeiteten Waren Bio-Standards. Die Gruppe beliefert industrielle Abnehmer mit mehr als 100 verschiedenen Produkten und arbeitet mit landwirtschaftlichen Erzeugern zusammen.
Eine unmittelbare Einstellung der Produktion ist nicht vorgesehen. Nach Angaben der vorläufigen Insolvenzverwaltung konnten die Geschäftsabläufe in Königsmoos und Zittau stabilisiert werden. Kunden und Lieferanten hätten das Unternehmen nach den Insolvenzanträgen weiterhin unterstützt. Die Lieferfähigkeit sei gesichert und die Auftragslage stabil.
Zugleich hat die Geschäftsführung gemeinsam mit der Insolvenzverwaltung und der Unternehmensberatung HCM einen strukturierten Investorenprozess gestartet. Gesucht wird ein strategischer Partner, der zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten und neue Absatzchancen eröffnet. Nach Darstellung der Insolvenzverwaltung verfügen beide Standorte über langfristig nutzbare Produktionsanlagen und gewachsene Geschäftsbeziehungen.
Ziel der Beteiligten sei es, möglichst noch im Jahr 2026 Planungssicherheit für die Beschäftigten und Geschäftspartner zu erreichen. Ein verbindlicher Abschluss mit einem Investor wurde zunächst nicht bekannt gegeben.
Als wesentliche Ursachen der wirtschaftlichen Schwierigkeiten nennt die Insolvenzverwaltung gestiegene Energiekosten, eine seit 2022 anhaltende Kaufzurückhaltung bei höherpreisigen Produkten sowie wetterbedingte Ernteausfälle. Besonders die energieintensive Trocknung landwirtschaftlicher Erzeugnisse stellt den Betrieb vor finanzielle Herausforderungen.
Hinzu kommt nach Darstellung der Geschäftsführung der Wettbewerbsdruck durch internationale Anbieter. Die wirtschaftlichen Belastungen hätten sich über mehrere Jahre aufgebaut. Gleichzeitig sieht die Insolvenzverwaltung weiterhin Absatzmöglichkeiten im Bio-Segment. Entscheidend für eine langfristige Fortführung sei unter anderem eine bessere Auslastung der bestehenden Produktionsanlagen.
In Königsmoos beschäftigt das Unternehmen nach bisherigen Berichten rund 60 Menschen. Der Betrieb gehört damit zu den größeren Arbeitgebern der Gemeinde. Konkrete Stellenstreichungen wurden im Zusammenhang mit der laufenden Investorensuche zunächst nicht angekündigt. Wie sich die Beschäftigung an beiden Standorten langfristig entwickelt, ist jedoch noch nicht gesichert.
Für die Arbeitnehmer besteht bei insolvenzbedingten Lohnausfällen grundsätzlich die Möglichkeit, unter den gesetzlichen Voraussetzungen Insolvenzgeld zu erhalten. Diese Leistung der Bundesagentur für Arbeit kann ausstehende Entgelte für bis zu drei Monate vor dem maßgeblichen Insolvenzereignis absichern. Ob und in welchem Umfang Beschäftigte der Völpel-Gruppe entsprechende Leistungen beanspruchen, ist nicht bekannt.
Auch die landwirtschaftlichen Lieferanten haben ein Interesse an einer dauerhaften Fortführung. Völpel verarbeitet Erzeugnisse regionaler Landwirtschaftsbetriebe und stellt damit eine Verbindung zwischen Erzeugern und industriellen Lebensmittelherstellern her. Die Insolvenzverwaltung verweist ausdrücklich auf die langjährigen Beziehungen zu den Landwirten. Konkrete Angaben zu möglichen Zahlungsausfällen oder Veränderungen bestehender Lieferverträge lagen zunächst nicht vor.
Die Geschichte des Unternehmens reicht bis ins Jahr 1948 zurück. Aus einem zunächst auf Heilkräuter spezialisierten Betrieb entwickelte sich über mehrere Jahrzehnte ein Hersteller von Trockenprodukten für unterschiedliche industrielle Anwendungen. Das Familienunternehmen wird mittlerweile in dritter Generation geführt.
Im Jahr 2021 übernahm die Völpel-Gruppe den Produktionsstandort im sächsischen Zittau. Dort ergänzen unter anderem Vakuumtrocknung und weitere Verarbeitungsverfahren das bisherige Angebot. Damit ist das Unternehmen heute an zwei deutschen Standorten vertreten und beliefert auch Kunden außerhalb Deutschlands.
Mit der laufenden Investorensuche versucht die Unternehmensgruppe nun, ihre Produktionskapazitäten und bestehenden Kundenbeziehungen langfristig wirtschaftlich abzusichern. Ob dies mit einem neuen strategischen Partner gelingt, war am 2. November 2026 noch offen.
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