Evonik legt operativ kräftig zu, bleibt aber in den roten Zahlen

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der Spezialchemiekonzern Evonik hat im dritten Quartal 2026 deutlich mehr umgesetzt und seinen operativen Gewinn kräftig gesteigert. Hohe Kosten für den Konzernumbau sorgen allerdings weiterhin für einen Verlust. Für das Gesamtjahr wird das Unternehmen optimistischer. Die starken Zahlen fallen in eine Phase, in der der größere Konkurrent BASF eine Übernahme anstrebt. Evonik lehnt entsprechende Verhandlungen bislang ab.

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Evonik steigert Quartalsumsatz um 13 Prozent

Der Umsatz von Evonik stieg zwischen Juli und September 2026 um 13 Prozent auf 3,825 Milliarden Euro. Im entsprechenden Vorjahresquartal hatte der Konzern 3,391 Milliarden Euro erwirtschaftet. Besonders deutlich fiel der Anstieg beim bereinigten operativen Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) aus. Es verbesserte sich um 40 Prozent von 448 auf 629 Millionen Euro.

Damit konnte Evonik im dritten Quartal seine Profitabilität erheblich steigern. Die bereinigte EBITDA-Marge erhöhte sich von 13,2 auf 16,4 Prozent. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) legte sogar um 97 Prozent auf 389 Millionen Euro zu.

Die Entwicklung beruhte vor allem auf höheren Verkaufspreisen. Während die Absatzmengen um zwei Prozent zunahmen, stiegen die Preise im Durchschnitt um zehn Prozent. Hinzu kamen Einsparungen aus bereits laufenden Effizienzprogrammen.

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Der Konzern profitierte nach eigenen Angaben außerdem von Lieferengpässen asiatischer Wettbewerber infolge des Krieges im Nahen Osten. Dadurch verbesserte sich in mehreren Produktbereichen die Nachfrage. Der Umsatzanstieg war der stärkste seit dem dritten Quartal 2022.

Hohe Umbaukosten belasten das Konzernergebnis

Trotz des deutlichen operativen Wachstums schrieb Evonik unter dem Strich weiterhin rote Zahlen. Das Konzernergebnis lag im dritten Quartal bei minus 53 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte der Verlust noch 106 Millionen Euro betragen.

Verantwortlich waren insbesondere Aufwendungen für den Konzernumbau. Evonik berücksichtigte im dritten Quartal 313 Millionen Euro für zusätzliche Strukturmaßnahmen, darunter vorgesehene Abfindungen.

Das Unternehmen hatte sein Effizienzprogramm Evonik Tailor Made im Juni verlängert. Nach dem Abbau von 2.800 Stellen in der ersten Phase von 2024 bis 2026 sollen zwischen 2027 und 2029 weltweit weitere rund 3.200 Arbeitsplätze entfallen.

Ohne Sondereinflüsse fiel die Ergebnisentwicklung deutlich besser aus. Das bereinigte Konzernergebnis stieg von 128 auf 330 Millionen Euro. Zugleich erhöhte sich der Free Cashflow im dritten Quartal von 300 auf 369 Millionen Euro. Damit standen dem Unternehmen nach laufender Geschäftstätigkeit und Investitionen mehr frei verfügbare Mittel zur Verfügung.

Advanced Technologies wird zum wichtigsten Wachstumstreiber

Besonders erfolgreich entwickelte sich das Segment Advanced Technologies. Dort stieg der Umsatz um 19 Prozent auf 1,713 Milliarden Euro. Das bereinigte EBITDA erhöhte sich um 87 Prozent auf 377 Millionen Euro.

Wachstumsimpulse kamen vor allem aus dem Geschäft mit essenziellen Aminosäuren für die Tierernährung sowie aus dem Bereich der Hochleistungskunststoffe. Höhere Preise, verbesserte Absatzmengen und Effizienzmaßnahmen unterstützten die Entwicklung.

Im Segment Custom Solutions stieg der Umsatz um vier Prozent auf 1,394 Milliarden Euro. Das bereinigte EBITDA verbesserte sich um sieben Prozent auf 231 Millionen Euro. Gestiegene Verkaufspreise bei Zusatzstoffen für Farben, Beschichtungen und Schmierstoffe trugen dazu bei.

Auch das Segment Infrastructure verzeichnete Zuwächse. Der Umsatz erhöhte sich um 13 Prozent auf 648 Millionen Euro. Das bereinigte EBITDA stieg um 48 Prozent auf 80 Millionen Euro. Höhere Preise im Chemiegeschäft Oxeno und verbesserte Ergebnisse des Chemieparkbetreibers Syneqt wirkten sich positiv aus.

Evonik erwartet Jahresergebnis in der oberen Prognosehälfte

Nach den starken Quartalszahlen rechnet Evonik für 2026 mit einem besseren Ergebnis innerhalb seiner bisherigen Prognosespanne. Der Konzern erwartet unverändert ein bereinigtes EBITDA zwischen 2,0 und 2,2 Milliarden Euro. Nach der jüngsten Geschäftsentwicklung gilt nun ein Wert in der oberen Hälfte dieser Spanne als wahrscheinlich.

Eine erneute Anhebung der gesamten Prognosespanne erfolgte damit nicht. Der Konzern hatte seine Jahreserwartungen bereits im Juni angehoben und präzisiert nun den voraussichtlichen Zielbereich.

Interimsvorstandschef Claus Rettig verwies auf die verbesserte Wettbewerbsfähigkeit und die Fortschritte beim Konzernumbau. Das Unternehmen sei trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen widerstandsfähiger geworden. Auch für das vierte Quartal erwartet Evonik ein höheres operatives Ergebnis als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Finanzvorstand Michael Rauch hob die Entwicklung des freien Cashflows und den Schuldenabbau hervor. Zum Ende des dritten Quartals lag die Nettofinanzverschuldung bei 3,292 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr rechnet Evonik weiterhin mit einem Free Cashflow von rund 850 Millionen Euro.

BASF hält an Interesse an einer Evonik-Übernahme fest

Parallel zur wirtschaftlichen Erholung steht Evonik im Mittelpunkt eines möglichen Zusammenschlusses zweier großer deutscher Chemieunternehmen.

BASF hatte bereits am 25. September 2026 bestätigt, mit Evonik und dessen Großaktionär RAG-Stiftung über eine mögliche Übernahme sondiert zu haben. Am 22. Oktober folgte ein Schreiben von BASF, in dem der Konzern sein Interesse an einem freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebot bekundete.

Am 30. Oktober erklärte der Evonik-Vorstand allerdings, auf Grundlage der vorliegenden Informationen keine Übernahmeverhandlungen aufnehmen zu wollen. Der Konzern wolle seine eigenständige Strategie fortsetzen. Zugleich erklärte sich Evonik zu einem vertraulichen Informationsaustausch mit BASF bereit.

BASF hatte zuletzt einen möglichen Kaufpreis von 24 Euro je Evonik-Aktie ins Gespräch gebracht. Nach Angaben des Unternehmens entsprach dies einem Aufschlag von rund 39 Prozent auf den Aktienkurs vor Bekanntwerden der Übernahmespekulationen. BASF reagierte am 30. Oktober mit Unverständnis auf die ablehnende Haltung des Evonik-Vorstands.

Ein förmliches öffentliches Übernahmeangebot war damit noch nicht abgegeben. Ob BASF seine Pläne weiterverfolgt und unter welchen Bedingungen Verhandlungen zustande kommen könnten, blieb zunächst offen.

Chemieindustrie steht vor weiteren Veränderungen

Die mögliche Übernahme fällt in eine Phase weitreichender Veränderungen in der internationalen Chemieindustrie. Europäische Hersteller stehen unter Kostendruck und sehen sich zunehmendem Wettbewerb durch Produzenten aus Asien und dem Nahen Osten ausgesetzt.

BASF begründet sein Interesse an Evonik mit der Möglichkeit, Produktionsstrukturen, Einkauf und Forschung enger miteinander zu verbinden. Konzernchef Markus Kamieth sieht darin eine Chance, die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.

Evonik setzt dagegen bislang auf den eigenständigen Umbau des Unternehmens. Dazu gehört auch die geplante Trennung von einzelnen Geschäftsbereichen. Für das Chemiegeschäft Oxeno erwartet das Management in den kommenden Monaten die Benennung eines Käufers. Der Verkauf des Chemieparkbetreibers Syneqt wird ebenfalls vorbereitet.

Die jüngsten Quartalszahlen zeigen, dass Evonik seine operative Ertragskraft gesteigert hat. Gleichzeitig bleibt der Konzernumbau kostspielig. Die anhaltenden Übernahmebemühungen von BASF stellen die Frage nach der künftigen Eigenständigkeit des Unternehmens zusätzlich in den Mittelpunkt.

Aktienreaktion im regulären Börsenhandel noch offen

Eine belastbare Reaktion der Evonik-Aktie im regulären Xetra-Haupthandel auf die Quartalszahlen lag am Dienstag, 3. November 2026, um 8.31 Uhr noch nicht vor. Der reguläre Handel beginnt um 9 Uhr. Eine Kursveränderung wird deshalb zu diesem Zeitpunkt nicht als Reaktion auf die neuen Geschäftszahlen ausgewiesen.

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