
Der Technologiekonzern Bosch richtet sein Halbleitergeschäft neu aus. Vom 1. Januar 2028 an sollen sämtliche Halbleiteraktivitäten in einem eigenen Geschäftsbereich mit dem Namen Semiconductors zusammengefasst werden. Die neue Sparte bleibt Teil des Unternehmensbereichs Mobility. Gleichzeitig verfolgt Bosch ein ehrgeiziges Wachstumsziel: Bis 2030 soll der jährliche Umsatz mit Halbleitern auf rund fünf Milliarden Euro steigen.
Die am Dienstag, 3. November 2026, angekündigte Neuordnung ist Teil eines umfassenderen Konzernumbaus. Bosch will seine Position im Halbleitermarkt ausbauen und neben dem Automobilgeschäft zusätzliche Kunden in der Robotik und der Konsumelektronik gewinnen.
Bislang sind die Halbleiteraktivitäten im Geschäftsbereich Mobility Electronics angesiedelt. Dort werden neben Chips und Sensoren auch elektronische Steuergeräte sowie Leistungselektronik für Fahrzeuge verantwortet.
Mit Beginn des Jahres 2028 erhalten die Halbleiteraktivitäten eine eigenständige organisatorische Struktur. Der bisherige Geschäftsbereich Mobility Electronics soll sich anschließend auf das Geschäft mit elektronischen Steuergeräten für Automobilanwendungen konzentrieren.
Eine vollständige Abspaltung des Halbleitergeschäfts aus der Bosch-Gruppe ist damit nicht verbunden. Der neue Geschäftsbereich Semiconductors bleibt weiterhin dem Unternehmensbereich Mobility zugeordnet.
Bosch begründet die organisatorische Veränderung mit den besonderen Anforderungen der Halbleiterindustrie. Entwicklung, Fertigung und Vermarktung der Bauteile sollen künftig stärker auf die jeweiligen Kunden und Absatzmärkte ausgerichtet werden.
Mit der Neuaufstellung verbindet Bosch konkrete wirtschaftliche Erwartungen. Bis zum Jahr 2030 will das Unternehmen einen jährlichen Halbleiterumsatz von rund fünf Milliarden Euro erreichen.
Erik Rein, der bei Bosch für das Halbleitergeschäft verantwortlich ist, erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, das Unternehmen strebe dafür ein jährliches prozentuales Wachstum im niedrigen zweistelligen Bereich an.
Bei den fünf Milliarden Euro handelt es sich um ein angestrebtes Umsatzziel und nicht um bereits gesicherte Erlöse.
Zum Vergleich: Die gesamte Bosch-Gruppe erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 91 Milliarden Euro. Davon entfielen 55,8 Milliarden Euro auf den Unternehmensbereich Mobility. Dieser ist damit weiterhin der mit Abstand größte Geschäftsbereich des Konzerns.
Ein zentraler Bestandteil der Wachstumsstrategie ist die Erweiterung des Kundenkreises. Bosch liefert bereits Halbleiter für Fahrzeuge, Smartphones, tragbare Elektronik und zahlreiche weitere technische Produkte. Künftig sollen Anwendungen außerhalb der traditionellen Automobilindustrie eine größere Bedeutung erhalten.
Besonders die Robotik steht im Mittelpunkt. Bosch-Chips werden nach Unternehmensangaben bereits in humanoiden Robotern eingesetzt. Auch für andere automatisierte Systeme, beispielsweise Industrieroboter, sind Sensoren und elektronische Steuerungskomponenten erforderlich.
Zu den technologischen Stärken des Unternehmens gehören sogenannte MEMS-Sensoren. Diese mikromechanischen Bauteile können unter anderem Bewegungen, Beschleunigungen und Druckveränderungen erfassen.
Daneben produziert Bosch spezielle Leistungshalbleiter aus Siliziumkarbid. Diese kommen insbesondere in der Elektromobilität zum Einsatz, weil sie hohe elektrische Leistungen mit vergleichsweise geringen Energieverlusten verarbeiten können.
Auch anwendungsspezifische integrierte Schaltungen, sogenannte ASICs, gehören zum Halbleiterportfolio. Solche Chips werden für bestimmte technische Aufgaben entwickelt und unterscheiden sich dadurch von universell einsetzbaren Prozessoren.
Neben der Entwicklung neuer Absatzmärkte plant Bosch eine Veränderung seines Fertigungsgeschäfts. Die vorhandenen Produktionskapazitäten sollen künftig verstärkt externen Partnern zur Verfügung stehen.
Dafür will der Konzern sein sogenanntes Foundry-Geschäft ausbauen. Dabei übernimmt ein Halbleiterhersteller die Produktion von Chips im Auftrag anderer Unternehmen.
Für Bosch bedeutet diese Ausrichtung eine stärkere Öffnung seiner industriellen Fertigung über den Bedarf der eigenen Geschäftsbereiche hinaus.
Das Halbleitergeschäft von Bosch umfasst damit künftig nicht nur die Entwicklung und Vermarktung eigener Komponenten, sondern soll auch zusätzliche Aufträge aus der externen Chipproduktion gewinnen.
Konkrete Umsatzziele für das Foundry-Geschäft oder Angaben zum vorgesehenen Anteil externer Kunden nannte Bosch in seiner Mitteilung vom 3. November nicht.
Die Neuordnung baut auf umfangreichen Investitionen der vergangenen Jahre auf. Bosch verfügt weltweit über rund 40 Standorte, die sich mit Halbleiterforschung, Entwicklung oder Fertigung beschäftigen.
In Deutschland hat der Konzern nach eigenen Angaben rund drei Milliarden Euro in seine Halbleiterwerke in Dresden und Reutlingen investiert.
Auch in den Vereinigten Staaten wird die Produktion erweitert. In Roseville im Bundesstaat Kalifornien investiert Bosch rund zwei Milliarden US-Dollar in die Umrüstung eines bestehenden Werks für die Herstellung spezieller Siliziumkarbid-Halbleiter.
Im Juli 2026 hatte Bosch dort bereits den Beginn einer Musterproduktion bekannt gegeben. Die kommerzielle Fertigung war für das Jahr 2026 vorgesehen.
Ein weiterer Standort liegt in Malaysia. Das dortige Testzentrum in Penang soll nach den aktuellen Planungen bis Mitte der 2030er-Jahre zusätzlich ausgebaut werden.
Darüber hinaus ist Bosch mit zehn Prozent an der European Semiconductor Manufacturing Company beteiligt. Das Gemeinschaftsunternehmen mit dem taiwanischen Chiphersteller TSMC sowie Infineon und NXP baut in Dresden eine neue Halbleiterfabrik auf.
Die weltweiten Investitionen verdeutlichen die Bedeutung der Halbleiterindustrie für zahlreiche Wirtschaftsbereiche. Chips werden nicht nur in Autos und Unterhaltungselektronik benötigt, sondern auch in industriellen Anlagen, Kommunikationssystemen und Rechenzentren.
In Europa verfolgt die Europäische Union mit dem seit September 2023 geltenden europäischen Chip-Gesetz das Ziel, Produktionskapazitäten auszubauen und die Abhängigkeit von außereuropäischen Lieferketten zu verringern.
Bosch ist mit seinen bestehenden Produktionsstandorten und der Beteiligung am Dresdner Gemeinschaftsunternehmen bereits Teil dieser europäischen Halbleiterindustrie.
Die Nachfrage nach Bauteilen für künstliche Intelligenz und Automatisierung spielt ebenfalls eine zunehmende Rolle. Dabei unterscheiden sich die von Bosch hergestellten Sensoren und Leistungshalbleiter allerdings von den spezialisierten Hochleistungsprozessoren, die beispielsweise für das Training großer KI-Modelle verwendet werden.
Die eigenständige Halbleitersparte ist Teil einer größeren organisatorischen Neuaufstellung des Konzerns.
Bereits am 22. Oktober 2026 hatte Bosch angekündigt, seine deutschen Mobility-Aktivitäten sowie mehrere zentrale Servicebereiche in eigenständige Tochtergesellschaften zu überführen.
Die neuen Gesellschaften sollen zum 1. August 2027 ihre operative Tätigkeit aufnehmen. Die gesamte strukturelle Neuordnung soll schrittweise bis Ende 2027 umgesetzt werden.
Von diesen Veränderungen sind nach Unternehmensangaben rund 62.500 Beschäftigte in Deutschland betroffen, deren Arbeitsverträge auf die neuen Gesellschaften übergehen sollen.
Zum 1. Januar 2028 folgt dann die organisatorische Neuaufstellung des Halbleitergeschäfts.
Damit verbindet Bosch zwei Entwicklungen: eine veränderte Konzernstruktur und den geplanten Ausbau eines Geschäftsfeldes, das bislang vor allem mit der Automobilindustrie verbunden war, künftig aber stärker auf unterschiedliche internationale Technologiemärkte ausgerichtet werden soll.
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