
Die Bundesregierung will Autofahrer mit niedrigeren Steuern auf Benzin und Diesel entlasten. Doch nach neuen Berechnungen des Bundeskartellamts kommt bei Benzin bislang nur ein Teil der Ersparnis an. Für Oktober ermittelte die Wettbewerbsbehörde eine Weitergabequote von rund 60 Prozent. Bei Diesel lag sie dagegen bei etwa 90 Prozent. Die Ergebnisse sind vorläufig und unterscheiden sich teilweise deutlich von anderen Untersuchungen.
Seit dem 1. Oktober 2026 gilt in Deutschland eine befristete Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe. Die Steuer wurde um 14,04 Cent je Liter reduziert. Unter Berücksichtigung der ebenfalls sinkenden Umsatzsteuer ergibt sich eine rechnerische Entlastung von rund 16,7 Cent pro Liter.
Nach einer am Mittwoch, 4. November, veröffentlichten Auswertung des Bundeskartellamts wurde diese Entlastung im Oktober nicht vollständig an die Verbraucher weitergegeben. Die Behörde ermittelte für Benzin eine durchschnittliche Weitergabequote von rund 60 Prozent, bei Diesel waren es etwa 90 Prozent.
Rechnerisch entsprechen 60 Prozent der vorgesehenen Entlastung ungefähr zehn Cent pro Liter. Allerdings lässt sich daraus nicht ableiten, dass jeder Liter Benzin tatsächlich nur um diesen Betrag günstiger wurde. Die Kraftstoffpreise werden gleichzeitig von zahlreichen weiteren Faktoren beeinflusst.
Das Bundeskartellamt betont deshalb, dass seine Ergebnisse zunächst nur eine Tendenz darstellen. Die Berechnungen müssten angesichts der unterschiedlichen Preisentwicklungen sorgfältig überprüft werden.
Wie schwierig die Bestimmung der tatsächlichen Entlastung ist, zeigen die Berechnungen des Münchner ifo Instituts. Dessen aktuelle Auswertung für den Zeitraum vom 28. Oktober bis zum 3. November ergibt ein anderes Bild. Demnach kamen bei den Benzinsorten Super E5 und Super E10 jeweils durchschnittlich 17,4 Cent pro Liter bei den Verbrauchern an. Bei Diesel waren es lediglich 9,7 Cent.
Die Untersuchungen betrachten unterschiedliche Zeiträume und verwenden verschiedene Berechnungsverfahren. Während das Bundeskartellamt eine Schätzung für den gesamten Oktober vorlegt, untersucht das ifo Institut die Wirkung des Tankrabatts fortlaufend. Dafür vergleichen die Wissenschaftler die Kraftstoffpreise in Deutschland mit der Entwicklung in Frankreich.
Beim Diesel könnte dieser Vergleich zuletzt durch die Freigabe französischer Dieselreserven beeinflusst worden sein. Das ifo Institut hält seine jüngste Schätzung für Diesel deshalb selbst für wahrscheinlich zu niedrig. Ein einfacher Vergleich der Tankstellenpreise vor und nach der Steuersenkung reicht nicht aus, um die tatsächliche Wirkung des Tankrabatts zuverlässig zu bestimmen.
Auch der ADAC beschäftigt sich mit der Wirkung der Steuersenkung. In seiner Monatsbilanz vom 2. November kam der Automobilclub zu dem Ergebnis, dass der Tankrabatt bei Benzin überwiegend angekommen sei. Bei Diesel sieht der ADAC dagegen weiterhin eine unvollständige Weitergabe. Der Verband fordert, dass die steuerliche Entlastung konsequent an die Verbraucher weitergereicht wird.
Unabhängig von der unterschiedlichen Bewertung sind die Kraftstoffpreise zuletzt gesunken. Nach Angaben des ADAC vom 4. November kostete ein Liter Super E10 am Dienstag im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,041 Euro. Das waren 4,3 Cent weniger als eine Woche zuvor. Diesel verbilligte sich um 2,9 Cent auf 2,260 Euro je Liter.
Der ADAC sieht angesichts gesunkener Rohölpreise Spielraum für weitere Preissenkungen. Besonders Diesel bleibt mit einem Preisabstand von knapp 22 Cent zu Super E10 vergleichsweise teuer.
Die unterschiedlichen Preisentwicklungen hängen auch mit der Lage auf den internationalen Energiemärkten zusammen. Nach Angaben des Bundeskartellamts steht einer schwachen Nachfrage nach Benzin ein vergleichsweise hohes Angebot gegenüber. Der Dieselmarkt ist dagegen stärker von Angebotsengpässen betroffen, die unter anderem mit den Kriegen im Iran und in der Ukraine zusammenhängen.
Hinzu kommen regionale Unterschiede innerhalb Deutschlands. Im Oktober stellte das Bundeskartellamt bei Super E5 Preisunterschiede von bis zu 14,1 Cent je Liter zwischen Regionen fest. Bei Diesel lag die Differenz bei bis zu 9,5 Cent. Eine Rolle spielt dabei auch das Niedrigwasser auf dem Rhein, das den Transport von Kraftstoffen per Binnenschiff erschwert und verteuert.
Die Bundesregierung hatte die erneute Steuersenkung beschlossen, um die wirtschaftlichen Folgen der gestiegenen Energiepreise abzumildern. Insgesamt rechnen Bund und Länder für die dreimonatige Maßnahme mit einer Entlastung von rund 2,5 Milliarden Euro. Bereits im Mai und Juni 2026 hatte es einen zeitlich begrenzten Tankrabatt gegeben.
Die aktuelle Regelung endet nach geltendem Recht am 31. Dezember 2026. Ab dem 1. Januar 2027 gelten wieder die regulären Energiesteuersätze. Eine entsprechend höhere Steuerbelastung bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass die Tankstellenpreise um exakt 17 Cent steigen. Auch dann beeinflussen die internationalen Ölpreise und weitere Kostenfaktoren den Endpreis.
Als mögliche Anschlussmaßnahme plant die Bundesregierung einen vorübergehenden Spritpreisdeckel. Anfang November wurde ein erster Entwurf aus dem Bundeswirtschaftsministerium bekannt. Demnach soll die Regierung unter bestimmten Voraussetzungen Höchstpreise für Kraftstoffe festlegen können. Eine automatische Begrenzung sämtlicher Tankstellenpreise sieht der Entwurf nicht vor.
Innerhalb der Koalition gibt es darüber unterschiedliche Vorstellungen. Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Sebastian Roloff, forderte Nachbesserungen am bisherigen Konzept. Der Entwurf befindet sich noch in der Abstimmung. Ob und unter welchen Voraussetzungen der geplante Spritpreisdeckel Anfang 2027 tatsächlich eingesetzt werden kann, war zunächst offen.
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