Siemens Healthineers wächst und plant Neustart unter neuem Namen

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der Medizintechnikkonzern Siemens Healthineers hat sein Geschäftsjahr 2026 mit einem deutlichen Umsatzanstieg im Schlussquartal beendet. Gleichzeitig steht das Unternehmen vor einem weitreichenden Umbau. Im Zuge der geplanten Trennung vom Siemens-Konzern soll künftig der Name Healthineers verwendet werden. Auch die Labordiagnostik erhält eine eigene Marke und wird organisatorisch verselbstständigt. Für das neue Geschäftsjahr 2027 erwartet das Unternehmen weiteres Wachstum, rechnet beim bereinigten Gewinn je Aktie jedoch mit einem niedrigeren Ergebnis als 2026.

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Siemens Healthineers steigert Umsatz auf 23,63 Milliarden Euro

Wie Siemens Healthineers am Donnerstag, 5. November 2026, mitteilte, erreichte der Konzern im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 23,63 Milliarden Euro. Im Vorjahr waren es 23,38 Milliarden Euro gewesen. Nominal entspricht das einem Anstieg um 1,1 Prozent. Bereinigt um Währungs- und Portfolioeffekte lag das Wachstum bei 4,0 Prozent.

Das bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern, kurz EBIT, sank leicht von 3,86 auf 3,82 Milliarden Euro. Die entsprechende Gewinnmarge verringerte sich von 16,5 auf 16,2 Prozent.

Unter dem Strich verdiente der Konzern dennoch mehr. Der Nettogewinn stieg um 3,5 Prozent auf 2,24 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis je Aktie verbesserte sich von 2,39 auf 2,42 Euro. Der freie Mittelzufluss ging dagegen von 2,71 auf 2,45 Milliarden Euro zurück. Als wesentlichen Grund nannte das Unternehmen höhere Steuerzahlungen.

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Die Dividende soll mit 1,00 Euro je Aktie auf dem Niveau des Vorjahres bleiben. Über den Vorschlag müssen die zuständigen Gremien beziehungsweise die Aktionäre noch entscheiden.

Starkes Schlussquartal trotz niedrigerer Gewinnmarge

Besonders deutlich fiel das Umsatzwachstum im vierten Geschäftsquartal aus, das am 30. September endete. Die Erlöse stiegen von 6,32 auf 6,78 Milliarden Euro. Auf vergleichbarer Basis entsprach dies einem Plus von 5,9 Prozent.

Die operative Profitabilität entwickelte sich allerdings schwächer. Das bereinigte EBIT sank um 2,0 Prozent auf 1,08 Milliarden Euro. Die bereinigte EBIT-Marge verringerte sich von 17,4 auf 15,9 Prozent.

Das Unternehmen verwies unter anderem auf negative Währungseffekte, zusätzliche Kosten in mehreren Geschäftsbereichen sowie Rückstellungen für rechtliche und produktbezogene Risiken in der Bildgebung. Positive Beiträge aus dem Umsatzwachstum konnten diese Belastungen nicht vollständig ausgleichen.

Der Nettogewinn des vierten Quartals lag mit 599 Millionen Euro knapp über dem Vorjahreswert von 597 Millionen Euro. Das bereinigte Ergebnis je Aktie erreichte 0,69 Euro nach 0,68 Euro im Vorjahresquartal.

Bildgebung und Krebstherapie bleiben wichtige Wachstumstreiber

Die Entwicklung der einzelnen Geschäftsbereiche verlief unterschiedlich. Besonders stark präsentierte sich im Schlussquartal die Bildgebung, zu der unter anderem Computer- und Magnetresonanztomografen gehören.

Der Bereich Imaging steigerte seinen vergleichbaren Umsatz um 10,0 Prozent auf rund 3,73 Milliarden Euro. Die bereinigte EBIT-Marge lag bei 21,9 Prozent.

Auch das Segment Precision Therapy, das unter anderem Technologien zur Krebsbehandlung und minimalinvasive Therapieverfahren umfasst, entwickelte sich beim Umsatz positiv. Die Erlöse stiegen vergleichbar um 4,8 Prozent auf knapp 1,97 Milliarden Euro. Allerdings sank die operative Marge von 17,1 auf 13,8 Prozent.

Deutlich schwieriger blieb die Lage in der Labordiagnostik. Im vierten Quartal sank der vergleichbare Umsatz der Sparte Diagnostics um 4,2 Prozent auf rund 1,07 Milliarden Euro.

Im gesamten Geschäftsjahr gingen die Diagnostikerlöse auf vergleichbarer Basis um 4,8 Prozent zurück. Das bereinigte operative Ergebnis des Bereichs fiel von 333 auf 128 Millionen Euro. Die Marge verringerte sich von 7,7 auf 3,2 Prozent.

Besonders der chinesische Markt belastete das Geschäft. Dort führten strukturelle Veränderungen der Marktbedingungen nach Konzernangaben zu deutlich rückläufigen Erlösen im Diagnostikbereich.

Prognose für 2027 sieht weiteres Wachstum vor

Für das Geschäftsjahr 2027, das am 1. Oktober 2026 begonnen hat, erwartet Siemens Healthineers ein vergleichbares Umsatzwachstum zwischen 4,0 und 5,0 Prozent.

Beim bereinigten Ergebnis je Aktie rechnet das Unternehmen dagegen mit einer Spanne zwischen 2,20 und 2,40 Euro. Damit liegt selbst das obere Ende der Prognose unter dem Wert von 2,42 Euro aus dem abgeschlossenen Geschäftsjahr.

Die Wachstumserwartung fällt zudem niedriger aus als die zuvor von Analysten erwarteten 5,5 Prozent.

Bei der Ergebnisentwicklung spielen neben dem operativen Geschäft weiterhin Währungseffekte, Kostensteigerungen und die Veränderungen der Konzernstruktur eine Rolle. Die Prognose berücksichtigt nach Unternehmensangaben keine möglichen zusätzlichen Portfolioveränderungen.

Die USA bleiben der größte Absatzmarkt des Konzerns. Im Geschäftsjahr 2026 erreichten die dortigen Erlöse rund 9,08 Milliarden Euro. In China setzte das Unternehmen rund 2,31 Milliarden Euro um. Dort lag der vergleichbare Umsatzrückgang bei 6,6 Prozent.

Aus Siemens Healthineers soll Healthineers werden

Parallel zur Veröffentlichung der Geschäftszahlen kündigten Siemens und Siemens Healthineers einen weiteren Schritt bei der geplanten Trennung an.

Der Medizintechnikkonzern soll künftig unter dem Namen Healthineers auftreten. Damit würde der Bestandteil Siemens aus der Unternehmensbezeichnung verschwinden.

Voraussetzung ist die Zustimmung der Hauptversammlung von Siemens Healthineers im Februar 2027. Auch die geplante Abspaltung von Siemens benötigt noch die erforderlichen Beschlüsse der Aktionäre beider Gesellschaften.

Siemens hatte bereits im November 2025 angekündigt, seine Mehrheitsbeteiligung an der börsennotierten Medizintechnikgesellschaft deutlich reduzieren zu wollen. Vorgesehen ist unter anderem, rund 30 Prozent der Healthineers-Aktien direkt auf die Siemens-Aktionäre zu übertragen.

Der Namenswechsel soll nach dem rechtlichen Vollzug der Abspaltung beginnen. Für die Umstellung von Markenauftritten, rechtlichen Gesellschaftsbezeichnungen und Produktregistrierungen ist eine Übergangsphase von drei Jahren vorgesehen.

Siemens Healthineers ist bereits seit 2018 eigenständig an der Börse notiert. Bislang hält Siemens jedoch weiterhin die Mehrheit der Anteile.

Labordiagnostik wird unter dem Namen Olyrian Diagnostics eigenständiger

Eine weitere Veränderung betrifft das Diagnostikgeschäft. Siemens Healthineers hat den Prozess zur organisatorischen Ausgliederung dieser Sparte eingeleitet.

Künftig soll der Bereich unter der Marke Olyrian Diagnostics auftreten. Die neue Bezeichnung wird schrittweise eingeführt.

Die organisatorische Verselbstständigung soll nach der aktuellen Planung bis Mitte 2028 abgeschlossen sein. Während der Übergangszeit bleibt die Sparte Bestandteil des Siemens-Healthineers-Konzerns.

Nach Unternehmensangaben werden im Diagnostikgeschäft jährlich mehr als 16 Milliarden Tests hergestellt. Die Sparte beschäftigt ungefähr ein Fünftel der Belegschaft und steht für rund 17 Prozent des Konzernumsatzes.

Mit der neuen Struktur soll die Diagnostik eine eigenständige Organisation und Marktpräsenz erhalten. Ein Verkauf der Sparte ist damit allerdings noch nicht vollzogen. Die weiteren Eigentumsverhältnisse sind bislang nicht abschließend festgelegt.

Für Kunden sollen sich durch die Ankündigung zunächst weder bestehende Verträge noch Produkte, Dienstleistungen oder Ansprechpartner ändern.

Neues Sparprogramm soll zusätzliche Kostenbelastungen auffangen

Mit dem Konzernumbau verbindet Siemens Healthineers weitere Maßnahmen zur Steigerung der Produktivität.

Für die Geschäftsjahre 2026 bis 2028 sieht die Planung Kosteneffekte von rund 200 Millionen Euro sowie zusätzliche Beiträge von rund 200 Millionen Euro durch eine angepasste Preisgestaltung vor.

Darüber hinaus kündigte der Konzern das Produktivitätsprogramm Transform4Future an. Dieses soll insbesondere in den Jahren 2028 bis 2030 wirken.

Vorgesehen sind eine schlankere künftige Unternehmensorganisation und die Neugestaltung interner Abläufe. Dabei soll auch künstliche Intelligenz eingesetzt werden.

Hintergrund sind zusätzliche Belastungen, die unter anderem durch höhere Beschaffungskosten sowie die organisatorische Trennung von Siemens und der Labordiagnostik entstehen können.

Allein aus der künftig wegfallenden Einbindung der Diagnostiksparte erwartet der Konzern verbleibende Kosten von mehr als 200 Millionen Euro, die in der neuen Struktur aufgefangen werden sollen. Für die stärkere Unabhängigkeit von Siemens rechnet das Unternehmen zudem mit wiederkehrenden zusätzlichen Kosten von rund 50 Millionen Euro.

Eine konkrete Zahl möglicher Stellenstreichungen im Rahmen von Transform4Future wurde zunächst nicht genannt.

Umbau soll langfristig eigenständiges Wachstum ermöglichen

Siemens Healthineers beschäftigt weltweit rund 75.000 Menschen und ist in mehr als 180 Ländern geschäftlich tätig. Die anstehenden Veränderungen betreffen damit einen der bedeutenden internationalen Anbieter medizinischer Bildgebungs- und Behandlungstechnologien.

Mit dem geplanten Namenswechsel, der Neuordnung der Labordiagnostik und zusätzlichen Effizienzmaßnahmen verändert der Konzern sowohl seine Eigentümerstruktur als auch seine operative Ausrichtung.

Für 2027 steht zunächst die Umsetzung der Abspaltung von Siemens im Mittelpunkt. Gleichzeitig muss das Unternehmen die schwache Entwicklung der Diagnostik begrenzen und die Profitabilität seiner wachsenden Geschäftsbereiche sichern.

Der aktuelle Jahresausblick zeigt dabei eine unterschiedliche Entwicklung von Umsatz und Ertrag: Während Siemens Healthineers weiterhin steigende Erlöse erwartet, liegt die Prognose für den bereinigten Gewinn je Aktie unter dem Ergebnis des abgelaufenen Geschäftsjahres.

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