
Nach dem Zusammenschluss des Deutschen Milchkontors (DMK) mit dem europäischen Molkereikonzern Arla Foods stehen Veränderungen in der Verwaltung an. Das Unternehmen hat Ende Oktober 2026 ein freiwilliges Abfindungsprogramm vorgestellt, das sich an Verwaltungsbeschäftigte beider Unternehmen in Deutschland richtet. Nach Angaben des DMK sollen die Kosten für Verwaltung und zentrale Unternehmensfunktionen um rund 37 Millionen Euro gesenkt werden. Besonders am bisherigen Verwaltungssitz in Bremen gibt es Sorgen um Arbeitsplätze. Wie viele Stellen tatsächlich wegfallen werden, ist allerdings noch nicht entschieden.
Das Deutsche Milchkontor hat die Einführung des Abfindungsprogramms gegenüber Radio Bremen bestätigt. Unternehmenssprecher Oliver Bartelt erklärte dem Sender, dass die Regelung Ende Oktober den Beschäftigten vorgestellt worden sei. Sie betreffe Verwaltungsbereiche von DMK und Arla in ganz Deutschland und sei Bestandteil der organisatorischen Zusammenführung beider Molkereiunternehmen.
Mit dem Programm ist ein Einsparziel von rund 37 Millionen Euro verbunden. Die Summe bezieht sich auf Verwaltungs- und Unternehmensfunktionen. Eine verbindliche Zahl von Arbeitsplätzen, die dafür abgebaut werden sollen, nannte DMK zunächst nicht.
Nach Angaben des Unternehmens sollen individuelle Vereinbarungen mit Beschäftigten getroffen werden. Der Austritt könne innerhalb einer Übergangsphase von knapp zwei Jahren erfolgen. Grundlage sei eine Betriebsvereinbarung, die gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretungen geschlossen worden sei.
DMK bezeichnet das Programm als freiwillig. Betriebsbedingte Kündigungen werden jedoch nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Das Unternehmen erklärte, möglichst auf solche Kündigungen verzichten zu wollen. Ob zusätzliche Personalmaßnahmen erforderlich werden, blieb zunächst offen.
Besondere Aufmerksamkeit richtet sich auf den Bremer Verwaltungssitz des Deutschen Milchkontors. Dort arbeiten derzeit rund 900 Menschen. Nach Informationen aus Belegschaftskreisen könnten mehr als 100 Arbeitsplätze wegfallen. Eine entsprechende Zahl wollte das Unternehmen auf Nachfrage nicht bestätigen.
Auch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) sieht Arbeitsplätze gefährdet. Nach Angaben von Radio Bremen hält die Gewerkschaft am Bremer Standort deutlich mehr als 100 Stellen für bedroht. Bundesweit könnten ihrer Einschätzung zufolge sogar 500 bis 600 Arbeitsplätze entfallen.
Diese Zahlen sind jedoch keine bestätigte Personalplanung. DMK erklärte, die künftige Organisationsstruktur werde in zahlreichen Bereichen noch entwickelt. Damit steht weder die endgültige Zahl wegfallender Arbeitsplätze noch deren Verteilung auf die einzelnen Standorte fest.
Unterschiedliche Auffassungen gibt es auch über die Freiwilligkeit des Programms. Während DMK auf die entsprechenden Vereinbarungen mit Arbeitnehmervertretungen verweist, bewertet die NGG das Vorgehen kritisch. Für die Beschäftigten ist damit insbesondere die Frage offen, welche Perspektiven nach Abschluss des freiwilligen Programms bestehen.
Trotz der geplanten Einsparungen stellt das Deutsche Milchkontor seinen Verwaltungssitz in Bremen nach eigenen Angaben nicht infrage. Das Unternehmen verwies auf einen langfristigen Mietvertrag für die Immobilie in der Airportstadt.
Allerdings dürfte sich die Zusammenarbeit innerhalb des Konzerns verändern. Nach den bisherigen Angaben sollen Beschäftigte künftig stärker über verschiedene Standorte hinweg zusammenarbeiten. Dazu gehört sowohl die digitale Kooperation als auch die persönliche Zusammenarbeit an unterschiedlichen Unternehmensstandorten.
Ob und in welchem Umfang einzelne Abteilungen zusammengelegt oder Aufgaben künftig an anderen Standorten übernommen werden, ist noch nicht abschließend geklärt. Auch für die Beschäftigten in Bremen gibt es bislang keine verbindliche Aussage darüber, wie groß die Verwaltung nach Abschluss der Integration sein wird.
Der Zusammenschluss von DMK und Arla Foods wurde bereits im April 2025 angekündigt. Am 18. Juni 2025 stimmten die zuständigen genossenschaftlichen Gremien den Plänen zu. Nachdem die erforderlichen behördlichen Genehmigungen vorlagen, trat die Fusion am 1. Juni 2026 in Kraft.
Seitdem gehören die DMK GmbH und ihre Tochtergesellschaften zu Arla Foods. Die rechtliche Integration der beteiligten Genossenschaften erfolgt allerdings in mehreren Schritten.
Zum 1. September 2026 wurden die DMK eG und die niederländische Genossenschaft DOC Kaas zu einer Europäischen Genossenschaft mit Sitz in Dänemark zusammengeführt. Nach der aktuellen Planung soll diese Gesellschaft im Dezember 2026 mit Arla Foods amba verschmolzen werden. Die bisherigen Mitglieder werden dadurch direkte Mitglieder von Arla.
Der Hauptsitz des gemeinsamen Unternehmens befindet sich in Viby in Dänemark. Der Konzern firmiert unter dem Namen Arla. Die bisherige DMK GmbH bleibt als rechtlich eigenständige Tochtergesellschaft bestehen.
Durch den Zusammenschluss ist nach Unternehmensangaben Europas führende Molkereigenossenschaft entstanden. Rund 11.200 landwirtschaftliche Betriebe aus sieben europäischen Ländern sind beteiligt. Die gemeinsame Beschäftigtenzahl liegt bei etwa 28.800 Menschen.
Der auf Basis der zusammengerechneten Unternehmenszahlen ermittelte Jahresumsatz übersteigt 20 Milliarden Euro. Das gemeinsame Milchvolumen liegt bei rund 19,4 Milliarden Kilogramm jährlich. Zum Markenportfolio zählen unter anderem Arla, Lurpak, Castello, Milram, Humana und Oldenburger.
Die Europäische Kommission hatte den Zusammenschluss am 28. Mai 2026 ohne Auflagen genehmigt. Die Wettbewerbshüter untersuchten insbesondere die Auswirkungen auf den Einkauf von Rohmilch sowie auf die Belieferung des Lebensmittelhandels und industrieller Abnehmer.
Dabei spielte Norddeutschland eine besondere Rolle, weil DMK und Arla dort zuvor bei der Beschaffung von Rohmilch konkurrierten. Die Kommission kam dennoch zu dem Ergebnis, dass durch den Zusammenschluss keine erheblichen Wettbewerbsprobleme zu erwarten seien.
Ein wesentlicher Grund war die genossenschaftliche Struktur von Arla. Das Unternehmen ist grundsätzlich verpflichtet, die Milch seiner angeschlossenen landwirtschaftlichen Betriebe abzunehmen. Zugleich gilt ein gemeinsames Milchpreismodell, das unabhängig vom Standort der Betriebe angewendet wird. Unterschiede können sich insbesondere durch Qualitätsmerkmale und vereinbarte Zuschläge ergeben.
Die Kommission sah deshalb keine Möglichkeit, den Milchpreis gezielt in einzelnen Regionen mit besonders hohen Marktanteilen zu senken. Auch bei Molkereiprodukten für Handelsmarken und bei Zutaten auf Molkebasis ging sie von ausreichendem Wettbewerbsdruck aus.
Die wettbewerbsrechtliche Genehmigung bedeutet allerdings keine Garantie für stabile Milchpreise oder unveränderte Verbraucherpreise. Diese hängen weiterhin von der Entwicklung des Milchmarktes und den jeweiligen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab.
Für die landwirtschaftlichen Mitglieder der früheren DMK-Genossenschaft und von DOC Kaas gelten während einer zweijährigen Übergangsphase besondere Regelungen. Die bisherigen Milchlieferbedingungen sollen bis zum 31. Mai 2028 bestehen bleiben.
Beim Milchgeld erhält die DMK Group während dieser Zeit den von Arla vorausgezahlten Milchpreis. Die Verteilung an die einzelnen Landwirte erfolgt weiterhin auf Grundlage der bisherigen Abrechnungsmodelle von DMK und DOC Kaas.
Zusätzlich haben diese Betriebe Anspruch auf eine jährliche Übergangszahlung von 2,2 Cent je Kilogramm Milch. Die Zahlungen sind für September 2026 sowie März und September 2027 und März 2028 vorgesehen.
Nach dem Übergangszeitraum sollen die bisherigen DMK- und DOC-Mitglieder vollständig in das reguläre Vergütungsmodell von Arla integriert werden. Dazu gehört auch die jährliche Nachzahlung der Genossenschaft.
Während die Bedingungen für die landwirtschaftlichen Mitglieder damit bereits weitgehend festgelegt sind, befindet sich die organisatorische Neuaufstellung der Verwaltung noch im Aufbau. Für die Beschäftigten in Deutschland ist insbesondere offen, wie viele Stellen nach Abschluss des Abfindungsprogramms bestehen bleiben und ob der Konzern weitere Personalmaßnahmen beschließen wird.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu