Zur-Mühlen-Gruppe schließt Wurstwerk in Dissen, 230 Beschäftigte betroffen

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

Teilen:

Die Zur-Mühlen-Gruppe will ihr Schulte-Werk in Dissen am Teutoburger Wald in Niedersachsen schließen und die Produktion nach Versmold-Loxten verlagern. Der neue Produktionsstandort liegt nach Angaben des Unternehmens rund neun Kilometer entfernt und gehört zu The Family Butchers. Von der Entscheidung sind 230 Beschäftigte betroffen. Sie sollen jedoch nicht automatisch ihren Arbeitsplatz verlieren. Der Konzern bietet ihnen an, am anderen Standort weiterzuarbeiten.

Anzeige

Die Zur-Mühlen-Gruppe gehört zur Premium Food Group, die früher unter dem Namen Tönnies bekannt war. Sie gilt als größter Wursthersteller Deutschlands und produziert unter anderem Waren der Marken Schulte, Böklunder und Gutfried. Die Entscheidung über Dissen ist Teil einer Neuordnung der Produktionsstandorte innerhalb des Konzerns.

Alle 230 Beschäftigten erhalten ein Angebot zum Wechsel

Für die Belegschaft des bisherigen Schulte-Werks soll sich vor allem der Arbeitsort ändern. Nach Angaben des Unternehmens haben Arbeitgeber und Betriebsrat vereinbart, dass die Beschäftigten am Standort Versmold-Loxten zu ihren bisherigen Arbeitsbedingungen weiterarbeiten können. Auch die bisherige Betriebszugehörigkeit soll berücksichtigt werden.

Damit unterscheidet sich der geplante Schritt von einer Betriebsschließung, bei der sämtliche Arbeitsverhältnisse entfallen. Ob am Ende tatsächlich alle 230 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Wechsel antreten, steht allerdings noch nicht fest. Das Unternehmen geht nach eigenen Angaben davon aus, dass eine große Mehrheit das Angebot annehmen wird.

Anzeige

In Loxten arbeiten bislang rund 650 Menschen. Sollten alle Beschäftigten aus Dissen wechseln, würde die Belegschaft auf etwa 880 steigen. Die beiden Werke liegen zwar vergleichsweise nah beieinander. Welche Veränderungen sich für einzelne Beschäftigte beispielsweise bei Arbeitswegen oder konkreten Einsatzbereichen ergeben, ist damit aber noch nicht abschließend geklärt.

Hohe Investitionen und zu geringe Auslastung als Gründe

Als entscheidenden Grund für die Aufgabe von Dissen nennt die Zur-Mühlen-Gruppe die wirtschaftlichen Bedingungen an beiden Standorten. Im bisherigen Schulte-Werk wären nach Unternehmensangaben umfangreiche Instandhaltungsarbeiten erforderlich. Die dafür notwendigen Investitionen ließen sich unter den derzeitigen Marktbedingungen mittel- und langfristig nicht ausreichend erwirtschaften.

Hinzu kommt die Lage des Betriebs mitten in einem Wohngebiet. Das begrenzt aus Sicht des Unternehmens die Möglichkeiten, die Produktion am bisherigen Standort weiterzuentwickeln oder auszubauen. Gleichzeitig ist das Werk von The Family Butchers in Versmold-Loxten nach Konzernangaben in den vergangenen Jahren deutlich schwächer ausgelastet gewesen.

Durch die Zusammenlegung soll Loxten künftig wirtschaftlicher produzieren können. Statt zwei Fabriken mit ähnlichen Erzeugnissen weiterzubetreiben, sollen Kapazitäten und Personal an einem Ort zusammengeführt werden. Konkrete Einsparbeträge oder die Höhe der notwendigen Investitionen in Dissen hat das Unternehmen nicht öffentlich beziffert.

Wurstproduktion wird in Versmold gebündelt

Die Verlagerung betrifft insbesondere die Herstellung von Wurstwaren der Marke Schulte. Beide Werke produzieren bereits verwandte Sortimente. Am Standort Loxten entstehen schon heute unter anderem Schulte-Produkte für den Fachgroßhandel sowie Salami.

Damit muss der Konzern die Herstellung dieser Waren nicht an einem völlig neuen Standort beginnen. Das Werk in Versmold-Loxten soll mit der zusätzlichen Produktion stärker ausgelastet werden und zugleich die Erfahrung der bisherigen Dissen-Belegschaft übernehmen.

Eine Einstellung der Marke Schulte wurde im Zusammenhang mit der Entscheidung nicht angekündigt. Ebenso wenig liegen konkrete Angaben über Änderungen am Sortiment oder Auswirkungen auf Verbraucherpreise vor. Fest steht die geplante Verlagerung des Herstellungsortes, nicht das Ende der betroffenen Produkte.

Übernahme von The Family Butchers im Jahr 2025

Die jetzige Zusammenlegung folgt auf einen größeren Zusammenschluss innerhalb der deutschen Fleischwarenindustrie. Im September 2025 genehmigte das Bundeskartellamt die Übernahme von The Family Butchers durch die Premium Food Group. Das Unternehmen aus Versmold war aus der Fusion von Kemper und Reinert hervorgegangen und gehörte selbst zu den bedeutenden Wurstproduzenten Deutschlands.

Die Wettbewerbsbehörde prüfte den Zusammenschluss eingehend, weil damit die Nummer eins im deutschen Wurstmarkt einen großen Wettbewerber übernahm. Sie ließ die Übernahme zu, nachdem sie die Marktverhältnisse, weitere Hersteller und die Eigenproduktion großer Lebensmittelhändler berücksichtigt hatte.

Die Standortentscheidung zeigt nun eine konkrete Folge der gemeinsamen Konzernstruktur: Produktionskapazitäten von zuvor getrennten Unternehmen werden innerhalb derselben Gruppe zusammengelegt. Der wirtschaftliche Schwerpunkt der betroffenen Fertigung verschiebt sich damit von Dissen nach Loxten.

Bereits zweite größere Veränderung im Jahr 2026

Für die Zur-Mühlen-Gruppe ist die angekündigte Aufgabe des Werks in Dissen nicht die erste weitreichende Standortentscheidung dieses Jahres. Bereits im Februar 2026 wurde die Produktion der Eberswalder Wurstwerke in Britz in Brandenburg eingestellt. Dort gingen nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mehr als 500 Arbeitsplätze verloren.

Die beiden Fälle unterscheiden sich allerdings in einem wesentlichen Punkt. Während die Schließung in Britz mit einem erheblichen Verlust von Beschäftigung verbunden war, sieht die Planung für Dissen ein Weiterbeschäftigungsangebot für die gesamte Belegschaft vor. Die Gewerkschaft befasst sich auch mit dem Wechsel nach Versmold.

Das Unternehmen verweist angesichts der neuen Entscheidung auf eine schwierige Lage im Wurstmarkt. Absatzmengen stagnierten oder gingen zurück, während Personal, Energie, Logistik und der laufende Betrieb teurer würden. Außerdem sieht der Konzern zunehmenden Wettbewerbsdruck durch Anbieter mit niedrigeren Produktionskosten.

Zeitpunkt der endgültigen Schließung noch offen

Die Verlagerung der Produktion und das Weiterbeschäftigungsangebot sind angekündigt. Ein eindeutig festgelegtes Datum, an dem im Werk Dissen die letzte Ware produziert werden soll, wurde zunächst nicht genannt. Auch über die künftige Nutzung des Werksgeländes liegen keine konkreten Angaben vor.

Für die Beschäftigten besteht damit die Möglichkeit, innerhalb der Unternehmensgruppe weiterzuarbeiten. Wie viele dieses Angebot annehmen und wann die gesamte Fertigung in Versmold-Loxten zusammengeführt sein wird, ist noch offen.

Mit MS-Aktuell immer ohne Paywall lesen
Bei Google bevorzugen

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu