
Der FC Schalke 04 beendet die Kooperationsvereinbarung mit dem Schalker Fan-Club Verband (SFCV) zum 30. Juni 2027. Ab der Saison 2027/2028 will der Bundesligist wesentliche Aufgaben in der Betreuung seiner Fanclubs selbst übernehmen. Dazu gehören insbesondere die Verteilung von Eintrittskarten, die persönliche Betreuung der Fanclubs und zusätzliche Angebote für organisierte Anhänger. Der Verein bestätigte die Entscheidung am Donnerstagabend, 5. November 2026. Zuvor hatte der Vorstand des SFCV nach Vereinsangaben in einem persönlichen Gespräch davon erfahren.
Eine öffentliche Stellungnahme des SFCV zur Entscheidung lag am Freitagmorgen zunächst nicht vor. Noch im Juni hatte die Verbandsvorsitzende Melanie Illburger die damals neu geschlossene Kooperationsvereinbarung begrüßt. Sie hatte besonders die finanzielle Unterstützung und die gesicherten Ticketkontingente hervorgehoben. Zugleich hatte sie betont, dass die weitere Zusammenarbeit von Transparenz, gegenseitigem Vertrauen und einem offenen Austausch geprägt sein solle.
Der Schalker Vorstand begründet den Schritt mit Veränderungen innerhalb der organisierten Fanszene. Während die Mitgliederzahl des Gesamtvereins seit Jahren deutlich steige, entwickelten sich die klassischen Fanclub-Strukturen nach Darstellung des Vereins in die entgegengesetzte Richtung.
Nach Angaben von Schalke 04 erhöhte sich die Zahl der Vereinsmitglieder seit 2011 von rund 66.000 auf mittlerweile etwa 230.000. Gleichzeitig seien sowohl die Zahl der Fanclubs als auch die Zahl der in ihnen organisierten Anhänger zurückgegangen. Diesen Trend wolle der Verein durch zusätzliche Angebote und eine intensivere Betreuung verändern.
Die Fanclub-Kultur soll künftig eine größere Rolle innerhalb der Vereinsstrategie spielen. Schalke kündigte an, das ehrenamtliche Engagement stärker zu unterstützen und die Zusammenarbeit mit den einzelnen Fanclubs auszubauen. Konkrete Vorwürfe gegen die bisherige Geschäftsführung oder einzelne Verantwortliche des SFCV erhob der Vorstand in seiner Mitteilung nicht.
Besonders deutlich werden die Veränderungen bei der Ticketvergabe an die Fanclubs. Bislang übernimmt der SFCV wesentliche Aufgaben bei der Verteilung von Eintrittskarten an seine angeschlossenen Fanclubs. Diese Zuständigkeit geht vom 1. Juli 2027 an auf Schalke 04 über.
Für die Saison 2027/2028 kündigte der Verein an, das bestehende Kontingent von rund 4.000 Tickets pro Heimspiel unverändert beizubehalten. Auch die vorgesehenen Kontingente für Auswärtsspiele sollen bestehen bleiben. Für die Fanclubs bedeutet das zunächst, dass sich an der zugesagten Anzahl der Eintrittskarten durch den organisatorischen Wechsel nichts ändern soll.
Bereits im Juni 2026 hatten sich Schalke und der SFCV auf eine neue Verteilung der finanziellen Unterstützung verständigt. Damals wurde vereinbart, dass rund 40 Prozent des Fördervolumens direkt über die Bezirke an die Fanclubs weitergegeben werden. Über die gesamte Saison standen dem Verband nach damaligen Angaben rund 60.000 Heimspielkarten zur Verfügung.
Neben der Ticketorganisation will Schalke auch seine personellen Strukturen verändern. Der Verein kündigte eine zusätzliche hauptamtliche Stelle für die Fanbetreuung an. Sie soll rechtzeitig zum Beginn der Saison 2027/2028 besetzt werden.
Zugleich sollen die bisherigen Zuständigkeiten innerhalb der Abteilung Fanbelange neu organisiert werden. Die Bezirksleiter der Fanclubs sollen weiterhin Ansprechpartner bleiben. Schalke erklärte, die Zusammenarbeit mit ihnen künftig intensivieren zu wollen.
Ein weiteres Vorhaben betrifft die Betreuung der Anhänger bei Auswärtsspielen. Vom ersten Spieltag der Saison 2027/2028 an soll ein neu entwickeltes Schalker Fanmobil bei den Auswärtspartien als Anlaufstelle für Fans eingesetzt werden.
Die finanzielle Förderung der Fanclubs soll nach Angaben des Vereins ebenfalls dauerhaft fortgeführt werden. Wie sich die Zusammenarbeit und die finanziellen Beziehungen zum SFCV nach dem Auslaufen der bisherigen Vereinbarung im Einzelnen gestalten werden, blieb zunächst offen. Bis zum 30. Juni 2027 sollen alle bestehenden Abläufe unverändert bleiben.
Die Entscheidung fällt in eine Phase, in der es innerhalb der Schalker Fanszene bereits Auseinandersetzungen über die Rolle des SFCV gegeben hatte. Im Mittelpunkt stand dabei insbesondere die Frage, wer die organisierten Fans im Aufsichtsrat des Vereins vertreten soll.
Im Sommer 2026 hatten mehrere Fanorganisationen eine Änderung der Vereinssatzung angestrebt. Statt des bisherigen Entsenderechts des SFCV sollte ein gemeinsames Entsenderecht verschiedener Fangruppierungen eingeführt werden. Damit hätten neben dem Fanclub-Verband unter anderem die Ultras Gelsenkirchen und weitere Fanorganisationen Einfluss auf die Auswahl einer Vertretung im Kontrollgremium erhalten.
Bei der Mitgliederversammlung des FC Schalke 04 am 18. Juli 2026 wurde der entsprechende Satzungsänderungsantrag jedoch zurückgezogen. Der Antragsteller verwies auf geplante Gespräche und stellte eine erneute Einbringung im Jahr 2027 in Aussicht.
Der SFCV verfügt damit weiterhin über sein satzungsmäßiges Entsenderecht. Seit 2026 nimmt Melanie Illburger den entsprechenden Platz im Schalker Aufsichtsrat ein. Nach Angaben des Vereins läuft ihre Amtszeit bis 2029. Die nun angekündigte Beendigung der Kooperationsvereinbarung ändert an diesem Mandat zunächst nichts.
Der Schalker Fan-Club Verband gehört seit Jahrzehnten zu den festen Institutionen der organisierten Schalker Fanszene. Gegründet wurde er am 12. August 1978 durch Vertreter von zehn Fanclubs. Sein Ziel war von Beginn an, die Interessen der organisierten Anhänger gegenüber dem Verein zu vertreten und gemeinsame Aktivitäten zu ermöglichen.
Auf seiner Internetseite nennt der SFCV knapp 850 angeschlossene Fanclubs mit knapp 56.000 Mitgliedern. Bei der Vertragsunterzeichnung im Juni 2026 hatte die Verbandsvorsitzende von rund 60.000 Mitgliedern gesprochen, darunter etwa 25.000, die zugleich Mitglied beim FC Schalke 04 seien. Die Angaben stammen aus unterschiedlichen Veröffentlichungen.
Neben der Interessenvertretung gehören die Unterstützung bei Fanclubgründungen, die Beratung von Mitgliedern und die Organisation gemeinsamer Aktivitäten zu den Aufgaben des Verbandes. Bereits seit den 1990er-Jahren spielt der SFCV außerdem eine wichtige Rolle bei der Organisation von Eintrittskarten und der Betreuung von Fans an Spieltagen.
Mit dem Ende der bisherigen Kooperationsvereinbarung endet nicht die Tätigkeit des SFCV als eigenständige Fanorganisation. Schalke erklärte ausdrücklich, dass der Verband weiterhin eine Interessenvertretung der Fanclubs und ein Ansprechpartner des Vereins bleiben solle.
Dazu zählen insbesondere Beratungsangebote bei der Gründung neuer Fanclubs sowie bei rechtlichen Fragen. Auch die bestehenden Bezirksstrukturen sollen in die künftige Zusammenarbeit einbezogen werden.
Noch im Laufe des Jahres 2026 will der Verein nach eigenen Angaben Gespräche mit Fanclubs und Bezirken über die konkrete Gestaltung der neuen Angebote aufnehmen. Die wesentlichen organisatorischen Änderungen sollen anschließend zum 1. Juli 2027 in Kraft treten. Damit übernimmt Schalke nach Jahrzehnten der Zusammenarbeit zentrale Aufgaben der organisierten Fanbetreuung künftig wieder unmittelbar selbst.
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